Amtliches Publikationsorgan der Gemeinde Zollikon

Donnerstag, 24. April 2014

Eine Zunft ist wie ein Verein

Nächsten Montag ist es wieder so weit, Zürich feiert mit dem Sechseläuten den Frühling. Jürg Scherz, Präsident des Zentralkomitees der Zünfte Zürichs, sagt, warum es Zünfte auch heute noch braucht, aus welchen drei Wurzeln das Fest entsprang und wo sich Zürich in die grösste Heiratsbörse verwandelt.

Das erste Sechseläuten auf dem neuen Platz steht an. Sind Sie aufgeregter als üblich?

Aufgeregt im Sinne von nervös bin ich nicht. Höchstens aufgeregt vor lauter Vorfreude, stehen doch dieses Jahr gleich mehrere Premieren an. Nicht nur der Sechseläutenplatz ist neu, auch kommt mit Obwalden ein Gastkanton ans Sechseläuten, der noch nie da war. Die Innerschweizer sind sehr kreativ, präsentieren eine Älplerchilbi auf dem Lindenhof, stellen gleichenorts Obwaldens touristische Attraktionen in der Form eines Familienparcours vor und am Kinderumzug findet ein Alpabzug mit lebendigen Geisslein statt. Auch haben die Obwaldner ihr weisses Buch von Sarnen mitgebracht, das im Landesmuseum ausgestellt ist.

 

Was bedeutet Ihnen das Sechseläuten?

Das Sechseläuten ist das grösste Zürcher Fest. Es hat für mich einen bedeutenden symbolischen Wert und vermittelt Traditionen. Ich bin in der vierten Generation am Sechseläuten dabei, bereits als Dreijähriger war ich mit von der Partie. Ich bin auch einer der wenigen Kämbel-Zünfter, die einmal den ganzen Umzug auf dem Kamel reiten durften. Das Sechseläuten gehört zu meinem Leben, ich möchte es nicht missen. Als Präsident des ZZZ den Umzug anführen zu dürfen, ist schon ein ganz besonderes Erlebnis. Ich bin aber jeweils auch froh, wenn der Böögg verbrannt ist, ich in unsere Stube sitzen und dann als ganz normaler Zünfter auf den nächtlichen Auszug (Zunftbesuche) gehen kann.

 

1336 ist in Zürich die erste „Zouft“ entstanden. Heute gibt es 26 Zünfte.

Wie haben sich die Zünfte über die Jahre verändert?

Heute gibt es 12 historische und 14 Zünfte der neueren Generation. Die Stadtzunft, die 1867 entstand, ist irgendetwas zwischendurch. Die Zürcher Zünfte, die aus einer Handwerkerrevolution entstanden sind, leiteten und bestimmten als politische, militärische, soziale und gewerbliche Institutionen über 450 Jahre lang die Geschicke der Stadt.

Danach hatten die Zünfte als Wahlkörper bis 1866 nur noch eine geringe Bedeutung, bevor sie endgültig ihre Vorrechte verloren. Seither existieren sie als private Vereine. Heute bestimmen die gemeinsame Feier des Sechseläutens sowie die Bewahrung von Tradition und Brauchtum die zünftigen Aktivitäten. Zünfte sind ein wichtiger Teil der Geschichte Zürichs und heute natürlich auch ein Netzwerk.

 

Was haben die Zünfte heute für eine Bedeutung, ist das Zunftwesen überhaupt noch zeitgemäss?
Auf jeden Fall! In den meisten Zünften besteht eine Warteliste. Und auch unsere „Chäfer“ dürfen nicht vergessen werden. Chäfer sind Helferinnen und Helfer am Kinderumzug, die auf die Kinder schauen und Hilfe leisten, wo sie benötigt wird. Ein Chäfer kann nur werden, wer einen zünftigen Hintergrund hat, also meistens Tochter oder Sohn eines Zünfters ist. Nach dem Kinderumzug am Sonntagabend gehen alle rund 180 Chäfer zusammen in den Zeughauskeller, der sich in die grösste Zürcher Heiratsbörse verwandelt (lacht). Sie sehen, das Zunftwesen ist sehr zeitgemäss!

 

Ist das Sechseläuten durch das Zunftwesen entstanden?

Das Sechseläuten ist ein Fest mit drei Wurzeln.  Zum einen geht es auf die Zünfte zurück, welche die Trägerschaft bilden. Die einstige Gewerbeordnung der Zünfte bestimmte die Arbeitszeiten der Handwerker. Damit hängt die zweite Wurzel des Sechseläutens zusammen: Im Sommer wurde mit dem Läuten um sechs Uhr abends das Ende der Arbeitszeit angezeigt. Vor der Einführung des elektrischen Stroms waren die Berufsleute auf natürliches Licht angewiesen. Nur bis zum Eindunkeln konnte gearbeitet werden, weshalb die Feierabendglocke im Winter gar nicht schlug. Im Frühling, als die Tage wieder länger wurden, begann die Glocke wieder um sechs Uhr zu läuten ­– das „Sechseläuten“ ging in die Geschichte ein. Schliesslich steht ein heidnischer Brauch für die dritte Wurzel ‒ das sinnbildliche Verbrennen des Winters als Begrüssungsritual zu Ehren der wärmeren Jahreszeiten. (mmw)

 

Das ausführliche Interview ist im aktuellen «Zolliker Bote» vom 25. April zu finden.

 

 

 

Donnerstag, 24. April 2014

Eine Zunft ist wie ein Verein

Nächsten Montag ist es wieder so weit, Zürich feiert mit dem Sechseläuten den Frühling. Jürg Scherz, Präsident des Zentralkomitees der Zünfte Zürichs, sagt, warum es Zünfte auch heute noch braucht, aus welchen drei Wurzeln das Fest entsprang und wo sich Zürich in die grösste Heiratsbörse verwandelt.

Das erste Sechseläuten auf dem neuen Platz steht an. Sind Sie aufgeregter als üblich?

Aufgeregt im Sinne von nervös bin ich nicht. Höchstens aufgeregt vor lauter Vorfreude, stehen doch dieses Jahr gleich mehrere Premieren an. Nicht nur der Sechseläutenplatz ist neu, auch kommt mit Obwalden ein Gastkanton ans Sechseläuten, der noch nie da war. Die Innerschweizer sind sehr kreativ, präsentieren eine Älplerchilbi auf dem Lindenhof, stellen gleichenorts Obwaldens touristische Attraktionen in der Form eines Familienparcours vor und am Kinderumzug findet ein Alpabzug mit lebendigen Geisslein statt. Auch haben die Obwaldner ihr weisses Buch von Sarnen mitgebracht, das im Landesmuseum ausgestellt ist.

 

Was bedeutet Ihnen das Sechseläuten?

Das Sechseläuten ist das grösste Zürcher Fest. Es hat für mich einen bedeutenden symbolischen Wert und vermittelt Traditionen. Ich bin in der vierten Generation am Sechseläuten dabei, bereits als Dreijähriger war ich mit von der Partie. Ich bin auch einer der wenigen Kämbel-Zünfter, die einmal den ganzen Umzug auf dem Kamel reiten durften. Das Sechseläuten gehört zu meinem Leben, ich möchte es nicht missen. Als Präsident des ZZZ den Umzug anführen zu dürfen, ist schon ein ganz besonderes Erlebnis. Ich bin aber jeweils auch froh, wenn der Böögg verbrannt ist, ich in unsere Stube sitzen und dann als ganz normaler Zünfter auf den nächtlichen Auszug (Zunftbesuche) gehen kann.

 

1336 ist in Zürich die erste „Zouft“ entstanden. Heute gibt es 26 Zünfte.

Wie haben sich die Zünfte über die Jahre verändert?

Heute gibt es 12 historische und 14 Zünfte der neueren Generation. Die Stadtzunft, die 1867 entstand, ist irgendetwas zwischendurch. Die Zürcher Zünfte, die aus einer Handwerkerrevolution entstanden sind, leiteten und bestimmten als politische, militärische, soziale und gewerbliche Institutionen über 450 Jahre lang die Geschicke der Stadt.

Danach hatten die Zünfte als Wahlkörper bis 1866 nur noch eine geringe Bedeutung, bevor sie endgültig ihre Vorrechte verloren. Seither existieren sie als private Vereine. Heute bestimmen die gemeinsame Feier des Sechseläutens sowie die Bewahrung von Tradition und Brauchtum die zünftigen Aktivitäten. Zünfte sind ein wichtiger Teil der Geschichte Zürichs und heute natürlich auch ein Netzwerk.

 

Was haben die Zünfte heute für eine Bedeutung, ist das Zunftwesen überhaupt noch zeitgemäss?
Auf jeden Fall! In den meisten Zünften besteht eine Warteliste. Und auch unsere „Chäfer“ dürfen nicht vergessen werden. Chäfer sind Helferinnen und Helfer am Kinderumzug, die auf die Kinder schauen und Hilfe leisten, wo sie benötigt wird. Ein Chäfer kann nur werden, wer einen zünftigen Hintergrund hat, also meistens Tochter oder Sohn eines Zünfters ist. Nach dem Kinderumzug am Sonntagabend gehen alle rund 180 Chäfer zusammen in den Zeughauskeller, der sich in die grösste Zürcher Heiratsbörse verwandelt (lacht). Sie sehen, das Zunftwesen ist sehr zeitgemäss!

 

Ist das Sechseläuten durch das Zunftwesen entstanden?

Das Sechseläuten ist ein Fest mit drei Wurzeln.  Zum einen geht es auf die Zünfte zurück, welche die Trägerschaft bilden. Die einstige Gewerbeordnung der Zünfte bestimmte die Arbeitszeiten der Handwerker. Damit hängt die zweite Wurzel des Sechseläutens zusammen: Im Sommer wurde mit dem Läuten um sechs Uhr abends das Ende der Arbeitszeit angezeigt. Vor der Einführung des elektrischen Stroms waren die Berufsleute auf natürliches Licht angewiesen. Nur bis zum Eindunkeln konnte gearbeitet werden, weshalb die Feierabendglocke im Winter gar nicht schlug. Im Frühling, als die Tage wieder länger wurden, begann die Glocke wieder um sechs Uhr zu läuten ­– das „Sechseläuten“ ging in die Geschichte ein. Schliesslich steht ein heidnischer Brauch für die dritte Wurzel ‒ das sinnbildliche Verbrennen des Winters als Begrüssungsritual zu Ehren der wärmeren Jahreszeiten. (mmw)

 

Das ausführliche Interview ist im aktuellen «Zolliker Bote» vom 25. April zu finden.

 

 

 

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Donnerstag, 17. April 2014

Ostern ist das Fest grosser Emotionen 

Dieses Jahr fällt Ostern auf den Anfang der Schulferien. In den Läden locken süsse  Osterhasen und bunte Ostereier. Die Bäume blühen und das Leben erwacht. Die Freude ist gross. In der christlichen Religion ist das Osterfest Ausdruck dramatischer Lebenserfahrungen – und die Gewissheit, dass das Leben und das Licht stärker sind als alle dunklen Seiten.

Ein besinnliches Gespräch mit Esther Menge, der Pastoralassistentin der katholischen Kirche Zollikon, Zollikerberg-Zumikon.

 

Esther Menge, was bedeutet Ostern für Sie persönlich?

Ostern ist das wichtigste Fest im Kirchenjahr. Ich erlebe es jedes Jahr sehr intensiv. Die Ereignisse wecken in mir hohe Emotionen. Das beginnt mit dem Palmsonntag. Da feiern wir den gloriosen Einzug Jesu nach Jerusalem. Die Stimmung war damals enthusiastisch, beinahe ein wenig überdreht. Das Volk jubelte Jesus und seinen Jüngern zu. Der Einzug war ein grandioser Erfolg, doch dann kippte die Stimmung. Dasselbe Volk, das ihn und seine Jünger erst so gefeiert hatte, forderte plötzlich die Kreuzigung Jesu. Mich dünkt, dieser abrupte Wechsel aus der Euphorie in die Ernüchterung ist den meisten Menschen nicht fremd, viele kennen ihn aus persönlicher Erfahrung. Anhand der Lebensgeschichte Jesu erleben sie diese Gefühle erneut, sehen, dass sie damit nicht allein sind.

 

Denken Sie dabei an sich selbst?

Nicht direkt, ich habe es persönlich nie so drastisch erlebt. Doch spontan kommt mir Kweku Adoboli in den Sinn, der Londoner UBS-Banker, der hoch anerkannt war, weil er viel Gewinn machte. Und plötzlich ging etwas schief und er fiel unversehens ganz tief. .

 

Hilft die Ostergeschichte also auch, eigenes Erleben einzuordnen?

Ich denke ja. Am Palmsonntag hören wir zuerst das Evangelium vom Einzug in Jerusalem, danach die Passionsgeschichte Jesu, stimmen uns ein auf seinen Leidensweg , der sich in dieser Woche anbahnt. Da erleben wir mit Jesus mit, was wir aus unserem Leben oft auch persönlich kennen: Verurteilung, Verrat, das Einbrechen unter einer Last, unerwartete Hilfe, Gemeinheit und Freundlichkeit verschiedenster Weggefährten.

 

Die Passionsgeschichte als Darstellung menschlicher Dramen?

Sie nimmt das ganze Drama des Menschen auf, zeigt die dunklen Seiten auf. Gerade in unserer Kirche, dünkt mich, können wir dies mittels der Osterfestlichkeiten ganzheitlich nachvollziehen und erleben. Am Karfreitag morgen werden die 14 Stationen des Kreuzweges von der Verurteilung Jesu bis zu seiner Grablegung bedacht und in Bezug zum eigenen Leben gebracht. Nachmittags feiern wir die Liturgie vom Leiden und Sterben Christi, in der wir der Ehrfurcht vor der Hingabe Jesu Platz einräumen.

 

Nehmen viele Leute an diesen Osterfeiern teil?

Das ist schwer zu sagen. Da Ostern dieses Jahr mit dem Beginn der Frühlingsferien zusammenfällt, werden wohl einige Familien bereits verreist sein. Doch vielen Gläubigen ist der Kirchenbesuch in den Ostertagen wichtig, wir werden nicht wenige sein. Auch wenn der Stellenwert der Kirche in unserer Gesellschaft im Laufe der Zeit geringer geworden ist, erlebt die katholische Kirche zurzeit einen Zuwachs und eine Belebung durch neuhinzukommende Katholiken aus dem Ausland. Für uns ist das bereichernd – es stärkt unser Bewusstsein, Teil einer grossen internationalen Bewegung zu sein.

 

Und all die Osterhasen und Ostereier? Finden sie auch Eingang in die Feierlichkeiten?

Ostereier-Tütschen ist an Ostern Tradition. Und auch wenn die Osterhasen mit Jesus nichts zu tun haben, werden alle Ministranten einen als Geschenk erhalten. Und hoffentlich auch ich – da ich mir selbst auferlegt habe, während der vierzig Tage der Fastenzeit vor Ostern sowohl auf Alkohol wie auch auf jegliche Süssigkeiten zu verzichten, würde mich ein Schokoladenhase besonders freuen. (db)

 

Lesen Sie das ganze Interview mit Esther Menge im aktuellen «Zolliker Bote» vom 16. April 2014.

 

 

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Donnerstag, 17. April 2014

Wer sind die neuen Kandidaten?

Der Wahlkampf geht weiter – diese Woche im Zollikerberg, wo sich  die neu Kandidierenden für den Gemeinderat präsentierten. Die Zuhörer zeigten sich interessiert und kritisch.

«Seriös, berechenbar und ausdauernd», bezeichnet sich Bernhard Ecklin (SVP). Corinne Hoss  (FDP), ist eine Teamplayerin, liberal und qualifiziert. Valentin Kuster (SP) ein Automechaniker, der «schon einige Karren zum Laufen brachte» und gerne eine andere Meinung vertritt. Zielstrebig, qualifiziert und transparent wählt Dominique Schönbeck (parteilos) als Attribute für ihre Person. Sascha Ullmann ist nicht nur motiviert, sondern auch zuverlässig und kompetent. Wer sind die neuen Gemeinderatskandidatinnen und -kandidaten, die sich mit Ausnahme von Valentin Kuster, der bereits bei den Ersatzwahlen vor zwei Jahren antrat, erstmals für Zollikons Exekutive aufstellen lassen? Diese Frage stellte Moderatorin Claudia Eberle-Fröhlich, Inhaberin der Fröhlich Info AG und Verlegerin des «Zolliker Boten», am Montagabend im Gerenhaus ins Zentrum. Sechs Tage nach dem Gemeinderatspodium im Dorf lud nun der Quartierverein Zollikerberg zu einer Veranstaltung, diesmal standen jedoch nur die neu antretenden Gemeinderatskandidaten auf dem Prüfstand.

Die fünf hatten sich aber nicht nur selbst einzuschätzen an diesem Abend, sie sahen sich auch mit konkreten Fragen konfrontiert, die ihre potentielle Rolle als Amtsinhaber transparent machen sollten.  Die Macht der Verwaltung, die nicht nur in Zollikon stets stärker werde gegenüber der Exekutivbehörde, verlange nach einer starken Führungsrolle des Gemeinderates. Wie diese verstärkt werden könne, wollte die Moderatorin wissen. Die Antworten fielen unterschiedlich aus. Für Valentin Kuster ist der Gemeinderat ein Berater des Souveräns, für Corinne Hoss hat er Leitplanken zu setzen, Sascha Ullmann sieht die Lösung in der Zusammenarbeit mit einem starken Abteilungsleiter. Bernhard Ecklin nennt die Führungsverantwortung des Gemeinderates als unteilbar und Dominique Schönbeck sprach von Hierarchien, die zwar klar sein müssten, das Miteinander sei es jedoch, das einen weiterbringe.

 

Schule im Mittelpunkt

Auch das Publikum bekam die Möglichkeit, Fragen zu stellen und tat dies rege. Mehrere richteten sich direkt an Dominique Schönbeck, die zusammen mit Corinne Hoss um das Schulpräsidium kämpft. Warum sie als Primarlehrerin ohne Behördenerfahrung gleich für das Präsidium kandidiere und wie es um ihr Anstellungsverhältnis stehe, wurde sie gefragt. Dass sie bei einer allfälligen Wahl ihre Stelle bei der Schule Zollikon kündigen würde, unterstrich die Kandidatin mehrfach. Ob diese Kündigung bereits jetzt erfolgt sei, konnte sie dagegen nicht offenlegen. Mit der Schulleitung sei zwar eine Lösung gefunden worden, es sei aber vereinbart, diese noch nicht zu kommunizieren. «Der Zeitpunkt ist für mich jetzt ideal», sagte die Primarlehrerin einer 6. Klasse, im Sommer würde sie einen neuen Klassenzug erhalten und der Rücktritt von Schulpräsident Patrik Jeuch habe sie dazu bewogen, gleich fürs Präsidium zu kandieren. Sie würde aber auch die Wahl als ordentliches Schulpflegemitglied annehmen. (mmw)

 

Lesen Sie den ausführlichen Bericht im aktuellen «Zolliker Bote» vom 17. April 2014.

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Donnerstag, 17. April 2014

Ein Besuch bei der Recyclingkönigin

Der Deckel wird vom Glas getrennt ‒ und die Dose bitte in den separaten Container. Seit dreizehn Jahren leitet Roswitha Leutenegger die Sammelstelle in Zollikon. Der ZoBo besucht sie an ihrem Arbeitsort und entdeckt dabei ein Stück Herz von Zollikon.

Wer kennt ihn nicht, den Albtraum der sich stapelnden Kartons und Gläser im Keller, sei es nach Neujahr oder nach gelungenen Grillabenden. Besucher der Zolliker Sammelstelle werden darüber jedoch nicht ganz so betrübt sein, denn kaum an der Dachslerenstrasse angekommen, wird man bereits von Roswitha­ Leutenegger begrüsst und bei genügend Zeitvorrat hat sie einem auch schon zwei der vielen mitgebrachten Säcke abgenommen.

Wenn die Recyclingstelle öffnet, dann ist sie am Start. Roswitha Leuteneggers Präsenz dient aber keineswegs bloss der Aufmunterung der Besucher, sondern sie ist geradezu überlebenswichtig – denn insbesondere Samstag morgens geht es zu und her wie im Dschungel. Ihr Mann Thomas packt dann jeweils als zusätzliche Hilfskraft mit an. Gesammelt werden in kürzester Zeit unzählige verschiedene Materialien, von Nespressokapseln über Korken bis zu Schutt von der Heimbaustelle.

Roswitha Leutenegger, welche kürzlich glücklich ihren fünfzigsten Geburtstag feierte, geniesst den Ansturm. WC-Rollen und Kartonüberzüge von Yoghurtbechern – immer kleiner und feiner trennt Zollikons Einwohnerschaft recycelbaren Materialien vom Sperrgut.

 

Gewachsenes Bewusstsein  

Dem war aber nicht immer so. Als sie vor dreizehn Jahren an der Sammelstelle zu arbeiten begonnen habe, hätten die meisten Bürgerinnen und Bürger überhaupt nichts von deren Existenz gewusst, erzählt Roswitha Leutenegger. Umso erfreulicher sei es zu sehen, dass mehr Leute eine bewusstere Lebenshaltung eingenommen hätten. Auch immer mehr Kinder erschienen an der Sammelstelle, um den Eltern beim Sortieren zu helfen. Ob das am Eigeninteresse liegt oder am Zältli, welches sie nach erfolgreich einsortierten PET-Flaschen erhalten, sei dahingestellt.

Des Öfteren werden aus Versehen Schlüssel oder Mobiltelefone in die Kartonmulde geworden. Dann beginnt das grosse Wühlen. «Die Kartonempfänger in Deutschland freut es», erzählt die Recycling-Fachfrau. «Es hat sich herumgesprochen, dass in den Schweizer Kartonballen immer mal wieder Bargeld zu finden ist.» Der ZoBo hatte über das Ereignis berichtet, als sogar eine verstaubte Urne an der Dachslerenstrasse gelandet war. Roswitha Leutenegger hatte damals dankend abgewinkt, die Asche im eigenen Hintergarten zu verstreuen.

Aber auch das drollige Leben am Recycling-Palast birgt seine Schattenseiten. Manchmal sind sechs Kleiderschichten und ein Suppenkocher nötig, um in der winterlichen Kälte nicht zur Mumie zu erstarren.

 

Freude am Entsorgen

In den tiefblauen wachen Augen ist aber keine Spur von Ermüdung zu erkennen. Welches Geheimnis steckt denn nun hinter ihrer ansteckenden Energie? „Geduld und Anstand“, meint Roswitha Leutenegger und spricht, als wäre dies eine selbstverständliche Gabe. „Ich möchte, dass die Leute Freude haben am Entsorgen, sie sollen gerne hierher kommen.“

Roswitha Leuteneggers Zukunftspläne sind gesetzt – der Sammelstelle die Treue halten, und zwar bis zur Pension. «Ich liebe sie über alles.» (aw)

 

Lesen Sie das ganze Porträt über Roswitha Leutenegger im aktuellen «Zolliker Bote» vom  17. Apri 2014.

 

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Fröhlich Info AG