Amtliches Publikationsorgan der Gemeinde Zollikon

Donnerstag, 30. Oktober 2014

Vereine als heimliche Pädagogen

Von, für und über Zollikon: Das Ortsmuseum widmet seine neue Sonderausstellung den Zolliker Vereinen. An der Vernissage standen aber nicht nur sie im Zentrum, vorgestellt wurden auch Vereine ganz allgemein als zentrales Merkmal des Sozialkapitals.

 

Wer den Flyer mit ihren Bildern in den Händen hält, stellt sich sicherlich gleich zwei Fragen: Handelt es sich hierbei um eine Fotomontage und ist das abgelichtete Pony echt? Die Rede ist vom Flyer mit den Mitgliedern, die einem der rund 46 im Zolliker Vereinskartell eingetragenen Vereine angehören. «Stundenlang mussten sie stillsitzen und stillstehen», begrüsst eine strahlende Kuratorin vergangene Woche die Besucher in der Aula Buechholz und lüftet damit gleich das erste Geheimnis. «Auch das Pony ist echt», berichtet Mirjam Bernegger stolz, die Vorfreude auf die neue Sonderausstellung «Vereint», die auf der anderen Strassenseite auf die Vernissagebesucher wartet, ist ihr ins Gesicht geschrieben. Bevor die Kuratorin aber ins Ortsmuseum bittet, wo insgesamt 16 Vereine Einblick in ihre Tätigkeit gewähren, übergibt sie das Wort der Gemeindepräsidentin. «Allen Unkenrufen zum Trotz», ist Katharina Kull-Benz überzeugt, «die Vereine werden nicht aussterben!» Sich in einem Verein zu engagieren, sei keine Selbstverständlichkeit, umso stolzer ist sie auf die über 70 Zolliker Vereine, die das Gemeindeleben im sozialen, kulturellen, geselligen und politischen Bereich prägen.

Doch wer engagiert sich überhaupt in einem Verein und aus welchem Grund? Was machen Vereine aus, was hält sie zusammen und was bewirken sie? Fragen wie diese und viele weitere wusste Markus Freitag zu beantworten. Der Politologe hat sie für sein kürzlich erschienenes Buch «Das soziale Kapital der Schweiz» untersucht. Vereine sind aus seiner Sicht ein zentrales Merkmal des Sozialkapitals, unter dem der Wert von sozialen Beziehungen und des sozialen Zusammenhalts zu verstehen ist.
«In Vereinen ist man mit Menschen konfrontiert, die anders sind, andere Einstellungen vertreten», erklärte Markus Freitag, «man lernt, ihre Perspektive zu übernehmen, mit ihnen zu diskutieren.» Vereine seien heimliche Pädagogen und ein sozialer Kitt einer scheinbar immer poröser werdenden Zivilgesellschaft. Nach dem Konzept des sozialen Kapitals lassen sich in Vereinen längerfristige Beziehungen aufbauen, die Vertrauen und Zusammenarbeit fördern und den Gemeinsinn stärken. «In einem Verein werden Kommunikationsfähigkeiten gelehrt und jedes Mitglied lernt Ämter zu übernehmen, anderen auszuhelfen und mit abweichenden Meinungen umzugehen.» Auch dass in Gemeinden mit vielen Vereinen das Vertrauen in  das politische System grösser ist, wusste der Professor für Politikwissenschaft der Universität Bern zu berichten: «Menschen, die sich in Vereinen engagieren, handeln auch sonst politischer.»

 

Die Jugend ist untervertreten

Dass eine Vereinsgründung keine staubtrockene Angelegenheit sein muss, wie es die entsprechenden Artikel im Zivilgesetzbuch vielleicht vermuten lassen würden, wusste die Theatergruppe Zollikon umzusetzen. In kurzen, überspitzten und witzigen Stücken führten Karin Benz, Ralf Flösser, Thomas Lips und Ingrid Zwicker vor, was es für eine Vereinsgründung braucht und wie eine Generalversammlung über die Bühne gehen könnte. Szenen, die wohl der Mehrheit der über 70 Anwesenden in der Aula Buechholz bestens bekannt sein dürften. Bei genauem Betrachten fanden sich nämlich viele der Gesichter, die einem auch auf den Flyern für die neue Sonderausstellung entgegenlachen. Wissenswertes dürften sie an diesem Abend aber dennoch erfahren haben, sprach Markus Freitag doch auch noch das Thema an, das viele Vereine beschäftigt: was sich gegen das Desinteresse der Jungen tun lässt.

Das Problem der Gewinnung neuer Mitglieder war auch Auslöser für die Sonderausstellung, meinte Mirjam Bernegger beim anschliessenden Apéro im Ortsmuseum: Vom Frauenchor, der sich wegen Mitgliederschwunds und Überalterung auflösen musste, bekam das Ortsmuseum sein Archiv angeboten. Weil die Kuratorin aber nicht primär nur ausstellen wollte, was war, sondern vielmehr,  was ist, kam ihr die Idee, den aktiven Zolliker Vereinen eine Plattform zu bieten. Entstanden ist eine Ausstellung, die ist, was die Zolliker Vereine sind: äusserst vielfältig. (mmw)

 

Lesen Sie den ganzen Artikel im aktuellen Zolliker Bote vom 31. Oktober 2014.

 

Freitag, 31. Oktober 2014

Ab ins kühle Nass

Letzten Samstag veranstaltete der Seerettungsdienst Zollikon die jährliche Taufe seines Nachwuchses. Trotz kalter Temperaturen und vereinzelter Regengüsse lockte das Spektakel viele Zuschauer in die Zolliker Seebadi.

 

Kurz nach 15 Uhr gab die Sirene der Seebadi  das Startsignal zur Taufe. Von einem Kursschiff der Zürichsee-Schifffahrtsgesellschaft sprangen vier in Neoprenanzüge gekleidete Gestalten über Bord.  Jeder der vier neuen Seeretter musste den Weg in das Zolliker Seebad selbst finden und bewältigen – ohne den Landweg zu benutzen. Nachdem sie die letzten Meter im 13 Grad kalten See hinter sich gebracht hatten, ging es, nach ein paar Liegestützen zur Aufwärmung, bereits los mit der ersten Prüfung.  Dabei mussten sie ihr Können anhand vom Knüpfen von Seemannsknoten unter Beweis stellen. Das was für die Männer ein Klacks. Umso mehr Fingerspitzengefühl verlangte die Disziplin «Kochkunst», wobei jeder einen Fisch filetieren musste.

Als die Herren auch ihre gastronomischen Kenntnisse demonstriert hatten, hiess es ab aufs Wasser. Ein Ruderbootrennen auf dem See war gefolgt von einem «Seestechen», welches an das alte Rom erinnerte. Die Spieler mussten jeweils versuchen, mit einem Speer den Gegner vom Ruderboot zu stossen. Das führte im Publikum zu anspornendem  Jubel und Gelächter.

Den krönenden Abschluss des Rituals  setzte ein «Tauchgang» im Taufbecken. In einem stinkenden Becken, voll mit alten Fischresten, Abfällen und Laub, mussten die Seeretter sich ein letztes Mal durchkämpfen. Alle durchquerten tapfer den übelriechenden Fischtümpel. «Neptun», der Gott der Gewässer, leitete die Zeremonie und schlug die vier Männer zum Abschluss zu Seerettern.

 

30-jähriges Taufritual

Die neuen Mitglieder des Korps Marcel van der Velden, Jürg Schuhmacher, Marc Widmer und Pascal Kistler, die sich alle als Wasserratten bezeichnen, freuen sich darauf, aktiv in der Gemeinde mitzuarbeiten. Um beim Seerettungsdienst mitzuwirken, müssen alle Mitglieder das Lebensretter-Brevet sowie die Bootsprüfung absolvieren. Zudem finden jährlich acht Mannschaftsübungen statt. Das Team, bestehend aus 21 Mitgliedern, ist hauptsächlich verantwortlich für den Schutz auf dem Wasser. Es hat zudem sechs Taucher, die auch den Schutz unter Wasser sicherstellen.

Die Seerettung Zollikon, die bereits 1917 gegründet wurde, führt das Taufritual seit rund 30 Jahren durch. Die Prüfungen mit Spielcharakter sind für die Zuschauer sehr unterhaltsam anzusehen, den Teilnehmern jedoch verlangen sie einiges ab. Nicht nur deshalb, auch wegen der originell gestalteten Verkleidungen von Neptun und seinen vier Helfern zieht das Spektakel jeweils viele Schaulustige an.

Als sich die Zuschauer bereits langsam auf den Nachhauseweg begeben, hängt der unangenehme Geruch des fauligen Fisches noch immer in der Luft. (bil)

 

weiter»
Freitag, 31. Oktober 2014

Der Weg ist das Ziel

Jeder Mensch ist auf der Suche nach dem vollkommenen Glück. Dieses zu finden, so glaubt Martin Wolf aus Zollikerberg, sei nicht möglich. Der Mensch möchte immer mehr. Wenn ein Ziel also erreicht sei, setzt er sich ein neues. Glücklichsein setze aber auch nicht das komplette Glück voraus. Wichtig ist der Weg, auf dem man geht.

Der in Zürich aufgewachsene Martin Wolf ist gelernter Elektriker. Nach einer Weiterbildung, er hat die Meisterprüfung abgelegt,  arbeitet er heute als Teamleiter in einer Firma für Elektroplanungen. Nach Zollikon kam er durch Zufall vor nunmehr 25 Jahren. In Zollikerberg fühlt er sich seither heimisch. So verwundert es nicht, dass der Vater von drei Kindern im Alter von dreizehn, acht und zwei Jahren sich auch aktiv in der Gemeinde engagiert. Nach einer früheren Tätigkeit in der Baukommission der Gemeinde ist er seit den vergangenen Wahlen im Mai Mitglied der Kirchenpflege der katholischen Kirche Zollikon-Zollikerberg.

Zu seinem Engagement motiviert wird der Familienvater durch das Wissen, mit seinem Einsatz christliche Werte weiterleben zu lassen. Gerade in der heutigen, stark von materialistischen Dingen geprägten Zeit findet er es wichtig, dass man gewisse Grundwerte, die einem die Religion mitgibt, beibehalten kann. «Ich bin aber kein konservativer Christ, sondern sehr liberal. Und ich glaube auch, dass jede Religion, sei es das Christentum oder zum Beispiel der Buddhismus, eine gewisse Grundhaltung der Menschen beeinflusst, die die Gesellschaft funktionieren lässt. Mit meinem Engagement möchte ich dazu beitragen, dass diese Grundhaltung beibehalten wird.» Martin Wolf geht nicht jeden Sonntag in die Kirche und würde sich auch nicht als besonders fromm bezeichnen. Aber von Zeit zu Zeit, vor allem in Kinder- und  Familiengottesdienste, geht Familie Wolf gerne. Ihre jüngste Tochter Anica ist erst zwei Jahre alt und kann noch nicht lange stillsitzen. Sohn Janik ist seit seiner Geburt mehrfachbehindert. Er hat eine Bewegungsstörung, die auf eine Hirnschädigung aufgrund von Sauerstoffmangel vor, während oder nach der Geburt zurückzuführen ist. In der Fachsprache spricht man von Cerebralparese. Deshalb ist auch für den Dreizehnjährigen längeres Stillsitzen eine Herausforderung. 

Sport als Ausgleich zum vollen Alltag

Janiks Behinderung  hat die Familie stark geprägt. Als nach einem Notkaiserschnitt, fünf Wochen vor dem eigentlichen Geburtstermin, festgestellt wurde, dass ihr Kind nicht gesund war, war das schwierig. Janik wurde sofort ins Kinderspital verlegt. Täglich nach der Arbeit besuchte Martin Wolf ihn. «Wirklich verstanden, was alles auf uns zukommen wird, haben wir aber nicht. Im Nachhinein fasziniert es mich, wie es der Mensch schafft, in solch schwierigen Situationen einfach in den Automatikmodus zu wechseln. Es war, als liefe ein Film an uns vorbei. Wir haben nur noch funktioniert und bewältigt.» Auch heute bestimmt die Behinderung in gewisser Weise das Familienleben. Allerdings nicht negativ, im Gegenteil. Janiks fröhliche aufgeweckte Art  steckt auch seine Schwestern, Familie und Freunde regelmässig an. Klar, Wanderferien in den Bergen seien nicht möglich. Aber grundsätzlich machen die Wolfs, was jede andere Familie auch tut. Sie gehen in die Ferien, machen Ausflüge oder sind in der Natur. Der beste Ausgleich für Martin Wolf ist der Sport. Mit einem Spezial-Tandem kann auch Janik auf Velotouren mit.

Von Janiks offener und authentischen Art kann die ganze Familie lernen. «Der natürliche Umgang mit Menschen, der Liv durch die Behinderung ihres Bruders automatisch gelernt und mitgegeben bekommen hat, fasziniert mich immer wieder.» Berührungsängste gebe es bei ihnen nicht. Es sei wie mit dem Glück. «Wenn man den Weg, auf dem man geht, nimmt, wie er ist, die glücklichen Momente geniesst und sich bewusst ist, dass es so etwas wie das vollkommene Glück nicht gibt, und man aus jeder Situation das Beste macht, ohne nach dem Unerreichbaren zu streben, dann ist man in der Lage, ein glückliches Leben zu führen.  Und das tue ich, so gut ich kann.» (fh)

 

Lesen Sie das ganze Persönlich in der aktuellen Ausgabe des Zolliker Boten vom 31.10.2014.

 

weiter»
Donnerstag, 30. Oktober 2014

Vereine als heimliche Pädagogen

Von, für und über Zollikon: Das Ortsmuseum widmet seine neue Sonderausstellung den Zolliker Vereinen. An der Vernissage standen aber nicht nur sie im Zentrum, vorgestellt wurden auch Vereine ganz allgemein als zentrales Merkmal des Sozialkapitals.

 

Wer den Flyer mit ihren Bildern in den Händen hält, stellt sich sicherlich gleich zwei Fragen: Handelt es sich hierbei um eine Fotomontage und ist das abgelichtete Pony echt? Die Rede ist vom Flyer mit den Mitgliedern, die einem der rund 46 im Zolliker Vereinskartell eingetragenen Vereine angehören. «Stundenlang mussten sie stillsitzen und stillstehen», begrüsst eine strahlende Kuratorin vergangene Woche die Besucher in der Aula Buechholz und lüftet damit gleich das erste Geheimnis. «Auch das Pony ist echt», berichtet Mirjam Bernegger stolz, die Vorfreude auf die neue Sonderausstellung «Vereint», die auf der anderen Strassenseite auf die Vernissagebesucher wartet, ist ihr ins Gesicht geschrieben. Bevor die Kuratorin aber ins Ortsmuseum bittet, wo insgesamt 16 Vereine Einblick in ihre Tätigkeit gewähren, übergibt sie das Wort der Gemeindepräsidentin. «Allen Unkenrufen zum Trotz», ist Katharina Kull-Benz überzeugt, «die Vereine werden nicht aussterben!» Sich in einem Verein zu engagieren, sei keine Selbstverständlichkeit, umso stolzer ist sie auf die über 70 Zolliker Vereine, die das Gemeindeleben im sozialen, kulturellen, geselligen und politischen Bereich prägen.

Doch wer engagiert sich überhaupt in einem Verein und aus welchem Grund? Was machen Vereine aus, was hält sie zusammen und was bewirken sie? Fragen wie diese und viele weitere wusste Markus Freitag zu beantworten. Der Politologe hat sie für sein kürzlich erschienenes Buch «Das soziale Kapital der Schweiz» untersucht. Vereine sind aus seiner Sicht ein zentrales Merkmal des Sozialkapitals, unter dem der Wert von sozialen Beziehungen und des sozialen Zusammenhalts zu verstehen ist.
«In Vereinen ist man mit Menschen konfrontiert, die anders sind, andere Einstellungen vertreten», erklärte Markus Freitag, «man lernt, ihre Perspektive zu übernehmen, mit ihnen zu diskutieren.» Vereine seien heimliche Pädagogen und ein sozialer Kitt einer scheinbar immer poröser werdenden Zivilgesellschaft. Nach dem Konzept des sozialen Kapitals lassen sich in Vereinen längerfristige Beziehungen aufbauen, die Vertrauen und Zusammenarbeit fördern und den Gemeinsinn stärken. «In einem Verein werden Kommunikationsfähigkeiten gelehrt und jedes Mitglied lernt Ämter zu übernehmen, anderen auszuhelfen und mit abweichenden Meinungen umzugehen.» Auch dass in Gemeinden mit vielen Vereinen das Vertrauen in  das politische System grösser ist, wusste der Professor für Politikwissenschaft der Universität Bern zu berichten: «Menschen, die sich in Vereinen engagieren, handeln auch sonst politischer.»

 

Die Jugend ist untervertreten

Dass eine Vereinsgründung keine staubtrockene Angelegenheit sein muss, wie es die entsprechenden Artikel im Zivilgesetzbuch vielleicht vermuten lassen würden, wusste die Theatergruppe Zollikon umzusetzen. In kurzen, überspitzten und witzigen Stücken führten Karin Benz, Ralf Flösser, Thomas Lips und Ingrid Zwicker vor, was es für eine Vereinsgründung braucht und wie eine Generalversammlung über die Bühne gehen könnte. Szenen, die wohl der Mehrheit der über 70 Anwesenden in der Aula Buechholz bestens bekannt sein dürften. Bei genauem Betrachten fanden sich nämlich viele der Gesichter, die einem auch auf den Flyern für die neue Sonderausstellung entgegenlachen. Wissenswertes dürften sie an diesem Abend aber dennoch erfahren haben, sprach Markus Freitag doch auch noch das Thema an, das viele Vereine beschäftigt: was sich gegen das Desinteresse der Jungen tun lässt.

Das Problem der Gewinnung neuer Mitglieder war auch Auslöser für die Sonderausstellung, meinte Mirjam Bernegger beim anschliessenden Apéro im Ortsmuseum: Vom Frauenchor, der sich wegen Mitgliederschwunds und Überalterung auflösen musste, bekam das Ortsmuseum sein Archiv angeboten. Weil die Kuratorin aber nicht primär nur ausstellen wollte, was war, sondern vielmehr,  was ist, kam ihr die Idee, den aktiven Zolliker Vereinen eine Plattform zu bieten. Entstanden ist eine Ausstellung, die ist, was die Zolliker Vereine sind: äusserst vielfältig. (mmw)

 

Lesen Sie den ganzen Artikel im aktuellen Zolliker Bote vom 31. Oktober 2014.

 

weiter»
Küchenwerkstatt/