Amtliches Publikationsorgan der Gemeinde Zollikon

Freitag, 25. Juli 2014

«Zum Geburtstag der Schweiz wünsche ich uns Bescheidenheit»

Orsola Vettori hält in einer Woche die 1.-August-Ansprache auf der Zolliker Allmend. Der Zolliker Bote traf die Direktorin des Spitals Zollikerberg im Vorfeld und sprach mit ihr über Heimat, Zugehörigkeit und einen Weltmeistertitel, auf den die Schweiz nicht stolz sein kann.

Frau Vettori, die 1.-August-Rede wird in Zollikon einer langen Tradition folgend von einer Persönlichkeit aus der Gemeinde gehalten. Wie verbunden sind Sie als Spitaldirektorin mit Zollikon?
Orosla Vettori: Mit Zollikon bin ich sehr verbunden, wenn auch auf eine andere Art, als wenn ich hier wohnen würde. Stundenmässig verbringe ich sicherlich mehr wache Zeit hier als an meinem Wohnort in der Stadt Zürich. Eine gute Beziehung zur Gemeinde ist mir sehr wichtig. Ich stehe  immer wieder in Kontakt mit Behörden und natürlich haben wir im Spital Zollikerberg auch viele Patienten aus Zollikon. An kulturellen Veranstaltungen der Gemeinde nehme ich ebenfalls ab und zu teil. Im Frühling besuchte ich beispielsweise die Fotoausstellung von Igor Schneebeli in der Villa Meier Severini. Der Künstler gefiel mir so gut, dass wir ihn für einen Spitalauftrag angefragt haben.

 

Verfolgten Sie bis anhin jeweils die 1.-August-Reden auf der Zolliker Allmend oder andere im Land?
Live vor Ort war ich an 1.-August-Feiern seit meiner Kindheit nicht mehr. Vielmehr habe ich im Nachhinein jeweils in den Zeitungen gelesen, wer was gesagt hat zum Nationalfeiertag.

 

Ohne den Inhalt Ihrer Rede bereits zu verraten, können Sie uns sagen, in welchem Zeichen Ihre Rede stehen wird?
Das mache ich gerne, mehr verrate ich aber wirklich nicht (lacht): Einheit in der Vielfalt, davon handelt meine Rede.

 

Was bedeutet Heimat für Sie?
Heimat bedeutet mir sehr viel. Als italienisch-schweizerische Doppelbürgerin weiss ich, wie wichtig es ist als junger Mensch ein Gefühl der Zugehörigkeit entwickeln zu können. Ich selber habe als Kind manchmal darunter gelitten, anders zu sein als die andern, weil ich (damals) keine Schweizerin war. Die Einbürgerung über meinen Vater war deshalb eine wichtige Zäsur. Heimat bedeutet für mich, dass ich mich zuhause fühle und dass mir die Kultur an diesem Ort vertraut ist.

 

Fühlten Sie sich denn als Seconda jemals fremd in der Schweiz?
Nein, im Gegenteil. Ich bin hier aufgewachsen und meine Mutter, die Schweizerin war, hat mich stark geprägt. Auch haben wir zuhause hauptsächlich Schweizerdeutsch gesprochen, was ich zugegebenermassen später etwas bereute. Mein Vater wollte Deutsch lernen. Italienisch blieb deshalb für mich eine Fremdsprache. Dass die Schweiz meine Heimat ist, wurde mir richtig bewusst, als ich für längere Zeit in den USA weilte und mit dem Gedanken spielte, in Übersee zu bleiben. Damals wurde mir klar, dass ich zu weit weg von meinen Wurzeln wäre, dass ich in die Schweiz gehöre, wo auch ein grosser Teil meiner Familie lebt.

 

Stichwort eigene Wurzeln. Das Spital Zollikerberg hat vor zwei Monaten sein unabhängiges und selbstfinanziertes Babyfenster eröffnet, das erste im Kanton Zürich. Ein Kind, das im Babyfenster abgegeben wird, kennt seine Herkunft nicht. Wie wichtig finden Sie es, seine eigenen Wurzeln zu kennen?
Auch aufgrund meiner eigenen Erfahrung kann ich das Anliegen, die eigenen Wurzeln zu kennen, sehr gut nachvollziehen. Auf der anderen Seite habe ich mich mit der Situation von Frauen beschäftigt, die ein Kind in einem Babyfenster abgeben. In ganz speziellen Situationen kann ein Babyfenster Leben retten. Aus diesem Grund haben wir uns entschieden, eine solche Einrichtung anzubieten.

 

Warum wurde das Angebot der diskreten Geburt, bei der die Schwangere im Spital unter einem Pseudonym Betreuung erhält, nach der Geburt jedoch die Zivilstandbehörde informiert wird, parallel zum Babyfenster eingeführt?
Wir möchten damit erreichen, dass es möglichst keine Situation gibt, in der eine werdende Mutter, die vor grossen Schwierigkeiten steht,  ohne professionelle Betreuung gebären muss. Auch mit der diskreten Geburt lässt sich kaum vollständig verhindern, dass ein Kind im Babyfenster abgegeben wird. Wir setzen aber alles Menschenmögliche daran, dass dies so selten wie möglich vorkommt.

 

Zurück zum Nationalfeiertag. Am 1. August feiern wir die Schweiz. Was schätzen Sie persönlich an unserem Land am meisten?
Ich finde, wir haben in der Schweiz eine sehr gute Kultur der Toleranz unter den verschiedenen Bevölkerungsgruppen. Das friedliche Zusammenleben, das uns hier auf engem Raum und mit unterschiedlichen Sprachen gelingt, ist absolut keine Selbstverständlichkeit. Das weiss ich sehr zu schätzen. Auch eine intakte Umwelt ist mir sehr wichtig. Ich bin äusserst dankbar, dass wir in der Schweiz noch in den Seen baden und frische Luft einatmen können.

 

Hätten Sie für unser Land drei Wünsche offen, was würden Sie sich wünschen?
Es gibt auf der Welt so viele Menschen, denen es nicht so gut geht wie uns. Etwas mehr Solidarität und Engagement würde uns gut anstehen. Ausserdem wünsche ich mir, dass es uns gelingt, noch nachhaltiger mit unseren Ressourcen umzugehen. Wir Schweizer sind Weltmeister im Abfall produzieren. Darauf können wir nicht stolz sein. Nur weil wir uns alles leisten können, heisst das noch lange nicht, dass wir uns auch alles leisten sollen. Daher wünsche ich uns Bescheidenheit. Schliesslich wünsche ich uns eine initiative und engagierte Jugend, die uns fordert und die Zukunft unseres Landes aktiv in die Hand nimmt. (mmw)

 

Lesen Sie das kompellte Interview mit der Spitaldirektorin Orsola Vettori im aktuellen Zolliker Bote vom 25. Juli 2014. 

 

Freitag, 25. Juli 2014

«Zum Geburtstag der Schweiz wünsche ich uns Bescheidenheit»

Orsola Vettori hält in einer Woche die 1.-August-Ansprache auf der Zolliker Allmend. Der Zolliker Bote traf die Direktorin des Spitals Zollikerberg im Vorfeld und sprach mit ihr über Heimat, Zugehörigkeit und einen Weltmeistertitel, auf den die Schweiz nicht stolz sein kann.

Frau Vettori, die 1.-August-Rede wird in Zollikon einer langen Tradition folgend von einer Persönlichkeit aus der Gemeinde gehalten. Wie verbunden sind Sie als Spitaldirektorin mit Zollikon?
Orosla Vettori: Mit Zollikon bin ich sehr verbunden, wenn auch auf eine andere Art, als wenn ich hier wohnen würde. Stundenmässig verbringe ich sicherlich mehr wache Zeit hier als an meinem Wohnort in der Stadt Zürich. Eine gute Beziehung zur Gemeinde ist mir sehr wichtig. Ich stehe  immer wieder in Kontakt mit Behörden und natürlich haben wir im Spital Zollikerberg auch viele Patienten aus Zollikon. An kulturellen Veranstaltungen der Gemeinde nehme ich ebenfalls ab und zu teil. Im Frühling besuchte ich beispielsweise die Fotoausstellung von Igor Schneebeli in der Villa Meier Severini. Der Künstler gefiel mir so gut, dass wir ihn für einen Spitalauftrag angefragt haben.

 

Verfolgten Sie bis anhin jeweils die 1.-August-Reden auf der Zolliker Allmend oder andere im Land?
Live vor Ort war ich an 1.-August-Feiern seit meiner Kindheit nicht mehr. Vielmehr habe ich im Nachhinein jeweils in den Zeitungen gelesen, wer was gesagt hat zum Nationalfeiertag.

 

Ohne den Inhalt Ihrer Rede bereits zu verraten, können Sie uns sagen, in welchem Zeichen Ihre Rede stehen wird?
Das mache ich gerne, mehr verrate ich aber wirklich nicht (lacht): Einheit in der Vielfalt, davon handelt meine Rede.

 

Was bedeutet Heimat für Sie?
Heimat bedeutet mir sehr viel. Als italienisch-schweizerische Doppelbürgerin weiss ich, wie wichtig es ist als junger Mensch ein Gefühl der Zugehörigkeit entwickeln zu können. Ich selber habe als Kind manchmal darunter gelitten, anders zu sein als die andern, weil ich (damals) keine Schweizerin war. Die Einbürgerung über meinen Vater war deshalb eine wichtige Zäsur. Heimat bedeutet für mich, dass ich mich zuhause fühle und dass mir die Kultur an diesem Ort vertraut ist.

 

Fühlten Sie sich denn als Seconda jemals fremd in der Schweiz?
Nein, im Gegenteil. Ich bin hier aufgewachsen und meine Mutter, die Schweizerin war, hat mich stark geprägt. Auch haben wir zuhause hauptsächlich Schweizerdeutsch gesprochen, was ich zugegebenermassen später etwas bereute. Mein Vater wollte Deutsch lernen. Italienisch blieb deshalb für mich eine Fremdsprache. Dass die Schweiz meine Heimat ist, wurde mir richtig bewusst, als ich für längere Zeit in den USA weilte und mit dem Gedanken spielte, in Übersee zu bleiben. Damals wurde mir klar, dass ich zu weit weg von meinen Wurzeln wäre, dass ich in die Schweiz gehöre, wo auch ein grosser Teil meiner Familie lebt.

 

Stichwort eigene Wurzeln. Das Spital Zollikerberg hat vor zwei Monaten sein unabhängiges und selbstfinanziertes Babyfenster eröffnet, das erste im Kanton Zürich. Ein Kind, das im Babyfenster abgegeben wird, kennt seine Herkunft nicht. Wie wichtig finden Sie es, seine eigenen Wurzeln zu kennen?
Auch aufgrund meiner eigenen Erfahrung kann ich das Anliegen, die eigenen Wurzeln zu kennen, sehr gut nachvollziehen. Auf der anderen Seite habe ich mich mit der Situation von Frauen beschäftigt, die ein Kind in einem Babyfenster abgeben. In ganz speziellen Situationen kann ein Babyfenster Leben retten. Aus diesem Grund haben wir uns entschieden, eine solche Einrichtung anzubieten.

 

Warum wurde das Angebot der diskreten Geburt, bei der die Schwangere im Spital unter einem Pseudonym Betreuung erhält, nach der Geburt jedoch die Zivilstandbehörde informiert wird, parallel zum Babyfenster eingeführt?
Wir möchten damit erreichen, dass es möglichst keine Situation gibt, in der eine werdende Mutter, die vor grossen Schwierigkeiten steht,  ohne professionelle Betreuung gebären muss. Auch mit der diskreten Geburt lässt sich kaum vollständig verhindern, dass ein Kind im Babyfenster abgegeben wird. Wir setzen aber alles Menschenmögliche daran, dass dies so selten wie möglich vorkommt.

 

Zurück zum Nationalfeiertag. Am 1. August feiern wir die Schweiz. Was schätzen Sie persönlich an unserem Land am meisten?
Ich finde, wir haben in der Schweiz eine sehr gute Kultur der Toleranz unter den verschiedenen Bevölkerungsgruppen. Das friedliche Zusammenleben, das uns hier auf engem Raum und mit unterschiedlichen Sprachen gelingt, ist absolut keine Selbstverständlichkeit. Das weiss ich sehr zu schätzen. Auch eine intakte Umwelt ist mir sehr wichtig. Ich bin äusserst dankbar, dass wir in der Schweiz noch in den Seen baden und frische Luft einatmen können.

 

Hätten Sie für unser Land drei Wünsche offen, was würden Sie sich wünschen?
Es gibt auf der Welt so viele Menschen, denen es nicht so gut geht wie uns. Etwas mehr Solidarität und Engagement würde uns gut anstehen. Ausserdem wünsche ich mir, dass es uns gelingt, noch nachhaltiger mit unseren Ressourcen umzugehen. Wir Schweizer sind Weltmeister im Abfall produzieren. Darauf können wir nicht stolz sein. Nur weil wir uns alles leisten können, heisst das noch lange nicht, dass wir uns auch alles leisten sollen. Daher wünsche ich uns Bescheidenheit. Schliesslich wünsche ich uns eine initiative und engagierte Jugend, die uns fordert und die Zukunft unseres Landes aktiv in die Hand nimmt. (mmw)

 

Lesen Sie das kompellte Interview mit der Spitaldirektorin Orsola Vettori im aktuellen Zolliker Bote vom 25. Juli 2014. 

 

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Freitag, 25. Juli 2014

In der Mitte zwischen Finnland und Costa Rica liegt Zollikon

Ineinander verliebt haben sie sich in Aldos Heimat Costa Rica, über zehntausend Kilometer von Liisas Heimatstadt Helsinki entfernt. Da sie in erster Linie zusammenbleiben wollten, wären beide Länder als Wohnort in Frage gekommen. Doch die Neugier zog sie weiter. So wächst ihre Tochter nun in der Mitte auf und hat damit zu den zwei Heimatländern ihrer Eltern eine dritte Heimat hinzugewonnen.

 

Aldo und Liisa sind sich in San José in Costa Rica erstmals begegnet. Die Freundin von Aldos Bruder hatte Liisa erst bei ihrer Tante kennengelernt und ein Treffen zu viert arrangiert. «Erst wollte ich da gar nicht hin», sagt Aldo lachend, «doch eine innere Stimme hat mir gesagt, dieses Treffen könnte den Rest deines Lebens ändern!» Und dann war beiden sofort klar, dass es nicht bei dem einen Treffen bleiben würde. Das ist nun 22 Jahre her. Nachdem Liisa ihr Studium der Literaturwissenschaften mit ihrer in San José geschriebenen Masterarbeit abgeschlossen hatte und nach Finnland zurückgekehrt war, jetteten die beiden vier Jahrelang  hin und her. Nach einer ersten gemeinsamen Zeit in Helsinki packte sie plötzlich erneut das Reisefieber und sie begannen zu überlegen, wo sie als nächstes gemeinsam leben wollten.

Als Experiment beschlossen sie, sich einen Traumort auszudenken, um dann zu sehen, ob es diesen auch irgendwo auf der Welt gibt. Dabei gingen sie ganz pragmatisch vor: Ihr Traumwohnort war nicht flach wie Liisas Heimat, sondern hügelig wie diejenige von Aldo. Dafür sollte er einen Ausblick auf ein Gewässer bieten, genau wie Liisas finnisches Zuhause und nahe Wälder, um zu joggen. Ihre Wunschwohnung sollte in einem Haus nahe einer Stadt liegen und einen ländlichen Garten haben, in dem sie Thymian, Rosmarin, Kartoffeln und Blumen anpflanzen konnten. Von der Sprache her lag die Mitte im deutschsprachigen Raum: weder spanisch noch finnisch – doch eine Sprache, die beide bereits in der Schule gelernt hatten. Die Schweiz als Costa Ricas europäisches Schwesterland war ihr Favorit. So weit war ihr Plan klar. Nun musste er nur noch umgesetzt werden.

 

Wer wagt, gewinnt

Das war dann einfacher als gedacht, auch wenn es nicht von heute auf morgen möglich wurde. Als Elektroingenieur, der sich auf Telekommunikation spezialisiert hatte, war sich Aldo sicher, dass er überall auf der Welt  Arbeit finden würde. Auch in der Schweiz.

Und so war es. Liisa arbeitete noch in Finnland als Journalistin, doch sie wollte nachkommen, sobald Aldo die dazugehörige Traumwohnung gefunden hatte.

«Ich bewarb mich ununterbrochen und schaute mir auch sehr vieles an», sagt Aldo, «ich war schon total müde. Als ich den Telefonanruf bekam, dass ich mir die Wohnung in Zollikon anschauen könnte, wenn ich noch interessiert sei, sagte ich erst, ich hätte keine Zeit, und müsse eh warten, bis meine Frau nächste Woche wieder hier sei, weil sie mitzubestimmen habe – ich glaubte nicht mehr an mein Glück.» Doch genau diese Aussage gefiel seinen zukünftigen Vermietern – sie sagten zu, die Wohnungsbesichtigung zu verschieben. Was für ein Glück! Liisa und Aldo gefiel die Gartenwohnung in Zollikon auf Anhieb – sie zogen unverzüglich ein.

Eigentlich war  ihr Experiment für ein Jahr gedacht, doch sie verlängerten es Jahr um Jahr neu, bis ihre Tochter, die im Jahr 2000 geboren wurde, in die Schule kam und der Entscheid längerfristiger wurde. Zollikon war längst  ihre neue Heimat geworden. Vater und Tochter haben heute den Schweizerpass, während Mutter Liisa noch zögert.

Doch die Familie Sibaja ist glücklich hier, auch Mutter Liisa. «Manchmal werde ich gefragt, ob ich Costa Rica nicht vermisse», sagt Aldo, «doch nein, ich finde, ich habe Glück, ich habe Costa Rica nicht verloren – ich habe Finnland und die Schweiz hinzu gewonnen.» (db)

 

Lesen Sie das ganze Porträt über Liisa und Aldo im aktuellen Zolliker Bote vom 25. Juli 2014.

 

 

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Freitag, 25. Juli 2014

Christian Stengele wird Trainer der Zolliker Fussballer

Der 27-jährige Zolliker Christian Stengele wird die 3.-Liga-Mannschaft als Nachfolger von Alain Merkli in der kommenden Saison betreuen.

Als der Sportclub Zollikon im Sommer 2011 in die 3. Liga aufstieg, meldete sich Christian Stengele beim Verein, weil er gerne Teil der 1. Mannschaft werden wollte. Bei den Zolliker Verantwortlichen löste er damit zunächst Überraschung aus, war Stengele doch ein in der Region bekannter Fussballer, der aus seiner Zeit beim FC Seefeld über 1.-Liga-Erfahrung verfügte und beim FC Küsnacht in der 2. Liga interregional spielte. Was wollte ein Spieler mit dieser Routine, diesen Fähigkeiten und Ambitionen bei einem Klub, der gerade erst aus der 4. Liga aufgestiegen war?

Bald zeigte sich: Stengele wollte in einer Mannschaft spielen, die nicht jedes Jahr neu zusammengewürfelt wird, sondern durch ihren Zusammenhalt besticht, und Teil eines Vereins werden, der auch eine Familie ist. Zudem ist der Zolliker an der Grenze zur Stadt Zürich in unmittelbarer Nähe des Zolliker Fussballplatzes Riet aufgewachsen.

 

«Tiefe Verbundenheit gegenüber dem Verein»

Stengele fügte sich nahtlos in die neue Mannschaft ein und wurde als Innen- und Aussenverteidiger zu einem Garant für jene defensive Stabilität, die drei Mal hintereinander Klassierungen unter den ersten drei der Tabelle ermöglichte. Auf dem Platz übernahm er Verantwortung und dirigierte seine jüngeren oder unerfahreneren Mitspieler.

Zwar hätte sich Stengele auch vorstellen können, noch einige Jahre weiter zu spielen und vorerst lediglich etwa als Assistent erste Erfahrungen als Trainer zu sammeln. Der Vorstand um Präsident Andreas «Tresi» Roca aber ernannte ihn vor ein paar Tagen zum neuen Cheftrainer. «Im Gegensatz zu externen Kandidaten, die wir selbst angegangen sind oder deren Bewerbungsdossiers wir geprüft haben, wissen wir bei Christian Stengele, dass er unserem Verein gegenüber eine tiefe Verbundenheit spürt», erklärt Roca. «Auch besteht bei ihm nicht die Gefahr, dass wir eine charakterliche Fehleinschätzung machen.»

 

Erstes Testspiel in zehn Tagen

Christian Stengele freut sich über das Vertrauen, das ihm vom Vorstand entgegen gebracht wird. «Es ist mein Ziel, die sehr gute Arbeit meines Vorgängers Alain Merkli weiterzuführen», sagt der 27-jährige diplomierte Gärtnermeister. Noch sei es zu früh, um eine detailliertere Zielsetzung festzulegen, etwa einen Tabellenrang. Wer Assistent wird, steht noch nicht fest. Die Mannschaft hat das Training nach kurzer Sommerpause bereits wieder aufgenommen. Übermorgen Sonntag absolviert sie gegen den Drittligisten FC Phönix Seen ihr erstes Testspiel. Am 21. August trifft sie dann im Cup-Wettbewerb auf den Viertligisten FC Büsingen, der in der vergangenen Saison den Aufstieg in die 3. Liga nur ganz knapp um zwei Punkte verpasste.

In der Meisterschaft trifft das Team von Neo-Trainer Stengele mit dem FC Effretikon auf einen Absteiger aus der 2. Liga, zwei Aufsteiger aus der 4. Liga sowie acht schon in der vergangenen Spielzeit in der 3. Liga engagierte Vereine. Besonders reizvoll werden die Begegnungen mit dem FC Küsnacht sein: Ohnehin, weil dessen Fussballplatz nur ein paar wenige Kilometer vom Zolliker Riet entfernt ist und die Gemeinden nebeneinander liegen. Und nun zusätzlich, weil Stengele just von diesem Verein zum SCZ wechselte. (dbü)

 

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Freitag, 18. Juli 2014

Drei Generationen unter einem Dach

Heute könnte sich Bettyna Mühlemann ein Leben anderswo kaum mehr vorstellen. Völlig auf ihren Mann angewiesen zu sein, machte der Ecuadorianerin in der ersten Zeit nach ihrem Umzug in die Schweiz aber etwas zu schaffen. Gemeinsam mit ihrem Mann, ihrer Tochter und ihrer Mutter lebt sie seit Jahren im Zollikerberg. 

«Es war schon ein schwieriger Schritt, meine Familie, meine Freunde und meine Arbeit in Ecuador hinter mir zu lassen, um am anderen Ende der Welt mit meinem Mann eine eigene Familie zu gründen», erinnert sich Bettyna Mühlemann an ihre Anfangszeit vor zwanzig Jahren in der Schweiz. Mit einem Lachen ergänzt sie sofort: «Es war aber der beste Schritt, den ich gehen konnte.»  Kennen gelernt haben sich die beiden in Ecuador, wo sie beide für ein soziales Hilfswerk arbeiteten. Sie vor Ort in Ecuador, er von der Schweiz aus. Als Dolmetscher durfte er mit auf eine Besichtigung. Bettyna Mühlemann spricht von einer sehr speziellen Begegnung. Eine Verbundenheit sei von Anfang an da gewesen, gefunkt habe es aber erst Jahre später so richtig. Vier Jahre lang pflegten die beiden eine freundschaftliche Beziehung, in der sie sich oft schrieben Er lebte weiter in der Schweiz, sie in Ecuador. Auf einer Europareise besuchte Bettyna Mühlemann auch die Schweiz. Für beide war klar, dass sie sich unbedingt sehen wollten. Guido Mühlemann weilte zu dieser Zeit allerdings wegen der WM in Portugal. Bettyna Mühlemann reiste dann noch weiter nach Wien. Guido Mühlemann nahm kurzerhand den Weg auf sich, um sie an der schönen blauen Donau zu treffen. «Bei diesem Treffen habe ich mich dann endgültig in Guido verliebt. Der Funken ist bei uns beiden übergesprungen.»

Um sich in der Schweiz verständigen zu können, besuchte Bettyna Mühlemann bereits in Ecuador einen Deutschkurs und meldete sich auch hier in der Schweiz sofort für einen Intensivkurs an. «Am Anfang war es sehr schwierig für mich. Obwohl ich von Beginn weg herzlich und mit offenen Armen empfangen wurde, sowohl von der Familie meines Mannes wie auch vom restlichen Umfeld, in dem wir uns bewegten, war ich immer abhängig von meinem Mann – der Sprache wegen.» Für die Powerfrau aus Südamerika eine grosse Umstellung. Sie erinnert sich daran, dass Guido sie überall hin begleiten musste. Auch wenn sie nur kurz in der Apotheke etwas einkaufen oder sich beim Arzt untersuchen lassen musste. Gerne wäre sie sofort wieder ins Erwerbsleben eingestiegen. Sie hatte in ihrer Heimatstadt Quito studiert und war erfolgreich in ihrem Beruf als lizenzierte Wirtschaftsprüferin. Ohne vollständige Kenntnisse der deutschen Sprache fand sie aber keine gleichwertige Anstellung in der Schweiz. Als sie dann so weit war und die Sprache fliessend beherrschte, sagte man ihr, sie sei schon zu lange nicht mehr in der Branche tätig gewesen. Eine berufliche Abstufung war unumgänglich. Nach einiger Zeit bekam sie die Möglichkeit auf einer Bank zu arbeiten. In einer Stelle, in der sie auch die gewohnte Verantwortung übernehmen konnte. Das Schicksal hatte aber einen anderen Plan.

Familie vor Beruf

Ungefähr ein halbes Jahr nach ihrem Stellenantritt auf der Bank wurde Bettyna Mühlemann schwanger.  Bereits seit ihrem Umzug in die Schweiz wollten sie und ihr Mann eine Familie gründen. Fünf lange Jahre warteten sie vergeblich. Erst als der Kampf um eine angemessene berufliche Chance  gewonnen war, sollte es doch gelingen. Wenn der Zeitpunkt auch nicht geplant war, so gab es für Bettyna Mühlemann doch keine schönere Nachricht. «Ich danke Gott jeden Tag  dafür, dass er uns Lara geschenkt hat.» Ihre Tochter ist heute 14 Jahre alt. Immer war für Bettyna Mühlemann klar, dass Familie vor Beruf ging. So holte sie vor zehn  Jahren auch ihre Mutter zu sich. «Mein Mami habe ich aus verschiedenen Gründen hier her geholt. Einerseits, weil sie in Ecuador alleine lebte und sich im Notfall niemand um sie hätte kümmern können. Auf der anderen Seite sehe ich es als enormen Gewinn, dass meine Tochter den respektvollen Umgang mit den Eltern und der Grossmutter so von klein auf erlebte. So lernt sie automatisch die verschiedenen Ansichten der Generationen kennen und kann mit ihnen umgehen.» Für Bettyna Mühlemann ist die Familienpause inzwischen vorbei. In der Tagesschule Zollikerberg übernahm sie die Kinderbetreuung, eine Tätigkeit, die sie mit Freude erfüllt. Es sei sehr schön, mit den Kindern zu arbeiten und von ihrer positiven Art angesteckt zu werden. Seit etwas mehr als zwei Jahren hat sie ihr Arbeitspensum reduziert, um ihrem Mann in seiner Tätigkeit als Geschäftsführer des schweizerischen Ablegers eines internationalen Hilfswerks zugunsten von Waisenkindern in Lateinamerika in administrativen Belangen unter die Arme zu greifen. (fh)

 

Das ganze Persönlich sowie ein Ecuadorianisches Rezept finden Sie in der aktuellen Ausgabe des «Zolliker Boten» vom 18. Juli 2014.

 

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Donnerstag, 17. Juli 2014

Das Wort Schizophrenie wurde in Zollikon erfunden

Gut hundert Jahre ist es her, seit der Zolliker Eugen Bleuler den Begriff Schizophrenie geprägt hat. Dafür ist er berühmt geworden. Noch viel verdienstvoller aber war sein starker Glaube, dass Schizophrenie eine heilbare Krankheit ist.

 

Donnerstagabend. Im ersten Stock des Ortsmuseums findet sich eine aufmerksame Zuhörerschaft ein. Ein Gespräch über das Thema Schizophrenie bildet den Abschluss der Veranstaltungsreihe innerhalb der Ausstellung «Eugen Bleuler (1857–1939) – ein Zolliker schreibt Psychiatriegeschichte».

Mirjam Bernegger, Leiterin des Ortsmuseum, hat dafür ein interdisziplinäres Podium zusammengestellt. «Bleuler hat den Begriff der Schizophrenie, der an diesem Abend im Mittelpunkt steht, 1908 geprägt», erläutert Moderator Daniel Frey. Das Wort, welches Bleuler der griechischen Sprache entnommen und zu einem Fachbegriff zusammengesetzt hatte, bedeutet abspalten(s’chizein) und Seele, Zwerchfell (phren). Unter diesen Oberbegriff stellte er all jene psychisch Kranken, deren Seele sich zeitweise auf mysteriöse Art von ihren Taten völlig abspaltete, und die für ihre Umwelt damit so unverständlich waren, dass sie als Irre in der Gesellschaft nicht tragbar waren. «Man kann sich das so vorstellen, dass ein an Schizophrenie Erkrankter beispielweise lächelnd eine sehr beängstigende Geschichte zu erzählen vermag», erklärt Psychiater Paul Hoff.

Bleulers grosse Leistung sei aber nicht nur die neue Namensgebung, sondern seine Grundhaltung den Patienten gegenüber gewesen. In einer Zeit, in der noch keinerlei medikamentöse Therapien zur Verfügung gestanden hätten und die Hirnforschung in den Kinderschuhen steckte, sei er sich sicher gewesen, dass Geisteskrankheiten heilbar seien.

 

Neue Sichtweise

Historikerin Brigitta Bernet unterstreicht diesen Sichtwechsel aus historischer Sicht. «Wurden früher Geisteskranke als vom Teufel besessen oder als Menschen schlechten Willens taxiert, begann zu Beginn des 20. Jahrhunderts eine neue Wahrnehmung. Plötzlich glaubte man an eine Heilungsmöglichkeit und an die Wirkung von Therapien.»

Das war mit Eugen Bleulers Verdienst. Der Sohn eines Zolliker Landwirtes hatte sich nach dem Studium der Medizin unter anderem deshalb für die Psychiatrie entschieden, weil seine Schwester psychisch erkrankt war. Sein Heilungsansatz war, das Umfeld der Patienten so zu gestalten, dass diese sich wohl fühlen und wieder Boden unter ihre Füssen bekommen konnten. Es war sein sozialpolitisches Anliegen, die Patienten möglichst wieder in die Gesellschaft zu integrieren.

Dazu versuchte er, den Alltag in der Anstalt mittels Arbeit zu gestalten. Er wollte keine Beschäftigungstherapie für seine Patienten, sondern für jeden die richtige Aufgabe. Für die einen war dies die Arbeit im eigenen Rebberg, in der eigenen Gärtnerei oder im Haushalt.

Andere fanden Ausdrucksmöglichkeiten in der Kunst. Malen konnte ihre seelische Not lindern. Kathrin Luchsinger, die als Kunsthistorikerin die Arbeit auf sich genommen hat, die Kunstwerke, welche in Schweizer Kliniken entstanden sind, zu inventarisieren, sagt dazu : «Was mich an solchen Werken immer wieder stark berührt, ist, dass in ihnen wirklich sehr schwierige Anliegen verhandelt, geformt und verarbeitet werden.»

Und Psychiater Paul Hoff ergänzt: «Schizophrenie ist eine sehr schwere Erkrankung. Es ist kaum vorstellbar, wie verloren sich die Erkrankten oft fühlen. Im Gegensatz zu den sogenannt Normalen, die ihre Rolle auf der Welt kennen und sich einordnen können, wissen Schizophrene oft nicht, weshalb sie hier sind, weshalb ihnen was passiert, sie hören innere Stimmen und leiden oft unter grossen Ängsten.»

 

Keine Frage der Dauer

Die Podiumszeit vergeht im Flug. Das Leid psychisch Kranker und ihrer Angehörigen bewegt. Die Frage nach der gesellschaftlichen Wahrnehmung, welche die Grenze zwischen Normal- und Irre-sein bestimmt, macht nachdenklich. Zu Beginn hatte Moderator Daniel Frey darauf aufmerksam gemacht, wie leichtsinnig zuweilen im Alltag Ausdrücke wie «du spinnst», oder «du bist reif fürs Burghölzli» gebraucht werden, zum Schluss erwähnt Paul Hoff eine neuere Untersuchung, die die neuen Schimpfwörter wie «Du Schizo» oder die Sprachwendung: «Du vertrittst ja eine völlig schizophrene Position» untersucht.

Das nachdenkliche Publikum stellt zum Schluss ein paar Fragen: Wie gross ist das Risiko, schizophren zu werden (ein Prozent, und das ist viel!), ist die Krankheit vererbbar (erhöhtes Risiko, doch keine Erbkrankheit), sind äussere Umstände Auslöser eines Krankheitsausbruchs (nur bedingt, doch oft während Zeiten eines Umbruchs oder einer Lebenskrise).

Dann schliesst die letzte Veranstaltung der erfolgreichen Ausstellung mit einem Apéro.

Im Parterre vermischen sich Zolliker und Fachpublikum und diskutieren bei einem Glas Wein weiter. (db)

 

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Zinniker AG