Amtliches Publikationsorgan der Gemeinde Zollikon

Donnerstag, 26. März 2015

Nomen est Omen, der Singlust-Chor hält sein Versprechen

Freddie Mercury hätte es nicht besser gekonnt. Die Interpretation der fünf Songs von «Queen» durch die über 80 Sängerinnen und Sängern von «Singlust» mit Begleitorchester konnte mit den Originalen durchaus mithalten.

Michael Gohl stand vor den Chören wie einst das Quecksilber Freddie Mercury vor dem Publikum und begeisterte die Singschar fühlbar für die rockige Musik. Gleichzeitig dirigierte er die musikalische Begleitung bestehend aus Klavier, Schlagzeug, Bass- und Leadgitarre. Und diese Energie übertrug der Chor aufs Publikum, welches in der übervollen Kirche den wundersamen Klängen und dem Gesang des altersdurchmischten Chores lauschte und mitwippte.

Dabei war der Einstieg in das Konzert mit der Messe in G-Dur von Franz Schubert keine leichte Kost, die Sänger des Singlust-Chors waren gefordert, meisterten das Werk dennoch mit Bravour. Vom Orchester Collegium Cantorum spielten die Stimmführer Thomas Ineichen und Barbara Kubli die Violine. Anna Shulenkova, Viola, Mathis Keller, Violoncello und Borislav Simenov, Kontrabass trugen ebenfalls massgeblich zur Qualität des klassischen Teils des Konzertes bei. Inmitten des Orchesters spielte die Zolliker Organistin Helga Varadi auf der kleinen Orgel. Die Solistin Selina Weber Gehrig bereicherte die Darbietung mit ihrem klaren Sopran.

Der Kinderchor «Zolliker Ohrewürm» und der Jugendchor Cantalino zeigten diszipliniert und voller Elan von der Klezmer-Melodie bis hin zu schwedischen und englischen Volksliedern ihr aktuelles Repertoire. Dabei wurden sie sowohl von Selina Weber Gehrig wie von Michael Gohl feinfühlig und mit Engagement durch die Musikstücke geführt. Die Kinder und Jugendlichen beeindruckten mit ihrer Gesangsleistung und mit dem freien Singen ohne Notenblätter.

Das gemeinsame Finale aller Chöre war ein musikalisches Feuerwerk. Freddie Mercurys Songs «Love of my Life», «Don’t Stop Me Now», «Somebody To Love», «Bohemian Rhapsody» und zum Schluss «We Are The Champions» wurden allesamt von Michael Gohls Bruder Tesse, einem in den USA lebenden Musikarrangeur, Filmmusikkomponisten und Produzenten, für diese spezifische Zusammensetzung von Chor und Orchester arrangiert. Esther Bächlin, Klavier, Thomas Ilg, Schlagzeug, Yannick Urbanczik, Bass und Andri Jucken, Gitarre zeigten sich verantwortlich für die professionelle musikalische Begleitung ganz im Zeichen der legendären Rockgruppe «Queen».

Am Schluss des Konzertes trafen sich strahlende Sängerinnen, Sänger, Musiker und zufriedene Zuschauer zum gemeinsamen Apéro. Michael Gohl wurde vom Verein Singlust nochmals gebührend geehrt. Dazu meinte er: «Das hätte ich vor 10 Jahren auch nie geglaubt, dass ich einmal Franz Schubert kombiniert mit Freddie Mercury dirigieren würde.» Die intensiven Gesangsproben von drei Monaten haben sich auf jeden Fall gelohnt und die Chöre just auf die zwei Konzerttermine in Dorf und Berg zu Champions gemacht. (cef)

 

Freitag, 27. März 2015

Crashlandung auf einer Insel voller PET-Flaschen

Wie bringt man Kindern die Themen Nachhaltigkeit und Wiederverwertung näher? Das Theaterstück «Petopia – Crashlandung auf der Müllinsel» versucht es spielerisch. Es erzählt die Geschichte zweier ungleicher Menschen, die auf einer einsamen Insel, die aus Müll besteht, Freundschaft schliessen. Organisiert wurde der Theaternachmittag vom Kinder- und Jugendkulturprogramm Zollikon.

«Petopia, Tag 2146. Liebes Inseltagebuch. Heute Morgen 17 Kniebeugen gemacht. Angeschwemmte PET-Flaschen sortiert, nach Form, Farbe, und vor allem Grösse. Radioempfang schwierig. Keine besonderen Vorkommnisse.» Camus, einziger Inselbewohner, beendet seinen Tagebucheintrag und macht sich daran, sein Abendessen aus Fisch und Algen zu kochen. Heute gibt es Algenpudding zum Dessert. Plötzlich horcht er auf. Von weitem hört er ein Brausen, Dröhnen und Krachen. Es kommt immer näher, wird immer lauter. Eine junge Frau stürmt auf die Bühne. Ihr Flugzeug sei im Meer abgestürzt, erzählt die Basketballspielerin Mika entsetzt, aber unversehrt. In tausend Teile sei es zerschlagen. Dann guckt sie sich verwundert um: Wo ist sie denn bloss gelandet? Auf Petopia, einer einsamen Insel mitten im Ozean, bestehend nur aus Abfall, aus dem Müll der Zivilisation. So schnell wie möglich will Mika hier wieder weg, denn die Basketballweltmeisterschaft steht an und ihre Teamkameradinnen warten auf sie. Doch kein Zug, kein Flugzeug, kein Schiff kommt hier, im «Do-It-Yourself-Heimatland» von Camus, vorbei. Also versucht sie sich mit dem Einzelgänger Camus anzufreunden und ihn zu überzeugen, mit ihr ein Floss aus PET-Flaschen zu bauen. Einfacher gesagt als getan. Camus hat sich bewusst aus der Gesellschaft zurückgezogen und auf der Insel Zuflucht gefunden. Das Plappermaul Mika stört ihn in seiner Ruhe und seinem geregelten Tagesablauf. Doch bald merkt er, dass es im Team doch auch lustig sein kann und Mika eigentlich ganz nett ist.

 

Vielfältiges Programm

Aufgeführt wird das Stück von Mandarina & Co., einer 2009 in Zürich gegründeten Theatergruppe, die in ihren Projekten gerne Dinge hinterfragt, komplexe Themen entwirrt und Zusammenhänge einfach und verständlich darlegt. Diana Rojas spielt dabei die aufgeweckte, junge, sportliche Mika; der Schauspieler Krishan Krone übernimmt die Rolle des griesgrämigen, aber gutherzigen Camus. Das Stück, das an diesem Nachmittag gleich zweimal hintereinander aufgeführt wird, nimmt auf spielerische Art die Themen Mensch und Natur, Umweltschutz, Nachhaltigkeit und Wiederverwertung auf.

Dass eine Veranstaltung des Kinder- und Jugendkulturprogramms Zollikon pädagogischen Hintergrund hat, ist jedoch nicht zwingend Voraussetzung, meint Iris Bürgisser, eine der Organisatorinnen. «Unser Hauptziel ist es, die Kinder zu begeistern.» Dazu organisiert das an den Kulturkreis angegliederte Kinder- und Jugendkulturprogramm pro Jahr acht bis zehn Veranstaltungen. Unterstützt wird es dabei auch vom Familienclub und der Schule Zollikon. Von Kino, Lesungen und Theaterstücken über Führungen versuchen die Organisatoren, ein möglichst ausgeglichenes Programm zusammenzustellen, sowohl für Kinder als auch für Jugendliche.

Beim Stück am Mittwochnachmittag schauen 45 Kinder und 15 Erwachsene gebannt dem Geschehen auf der Bühne der Aula Buechholz zu. PET-Flaschen, Erfindergeist, eine ungewöhnliche Freundschaft und ein Ohrwurm als Theaterlied prägen das Stück; nach dem Ende rennen die Kinder hinaus und trällern vereinzelt munter das Lied «Pe - Pe - Petopia» vor sich hin. (sb)

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Freitag, 27. März 2015

Wie Manhattans Königin der Nacht Zollikerin wurde

Dianne Brill ist eine Ikone der Pop-Kultur. In den 80er-Jahren gab das New York Magazine ihr den Übernamen ‚Königin der Nacht’. Was sie nach Zollikon gebracht hat und wie sie die Mode im Zeitalter ‚Size Zero’ einschätzt.

Dianne Brill war Stilikone der Popkultur, Muse, Model und Schriftstellerin. Jetzt vertreibt sie ihre eigene Kosmetiklinie. Sie ist eine schillernde Persönlichkeit mit einer noch schillernderen Vergangenheit.

Als Dianne Brill in den 80ern und 90ern in New York ausging, lernte sie eine Reihe interessanter Menschen aus der Kunstszene kennen. Im berühmten Studio 54 oder dem Palladium-Klub in New York feierte das damalige It-Girl mit Stars wie Mick Jagger, Andy Warhol oder Madonna. «Alle, die Teil der kreativen Bewegung sein wollten, pilgerten damals nach New York – es war eine fantastische Zeit, aus der so viel tolle Kunst und Mode hervorging.» Ihre Freunde aus der Szene der bildenden Kunst waren keine Geringeren als die Pioniere der Pop-Kultur: Andy Warhol, Keith Haring und Jean-Michel Basquiat. Andy Warhol damals über Dianne Brill: «Wenn Dianne auf der Party ist, kann man sich sicher sein, am richtigen Ort gelandet zu sein.»

Später wurde sie die Muse des Modedesigners Thierry Mugler und lief als Model für Marc Jacobs, Jean Paul Gaultier oder Vivienne Westwood. «Wenn ein Designer wollte, dass ich für ihn auf einer Show laufe, musste er das erst mit Thierry vereinbaren. Wenn dieser Nein sagte, konnte ich das Engagement nicht annehmen – das waren die ungeschriebenen Gesetze der Modewelt», sagt Brill mit ihrer warmen Stimme.

Die führende britische Schaufensterpuppen-Herstellerin Adel Rootstein hat von vielen Berühmtheiten Puppen designt. Sie widmete Dianne Brill in den 90ern eine Puppe namens ‚Shape of the Decade’. Das Abbild Diannes stand für den Glamour und das Bodyimage des ausgehenden Jahrtausends. Diese Schaufensterpuppe steht heute in allen Läden weltweit einer britischen Designer-Dessous-Marke.

 

Eine New Yorkerin in Zollikon

Seit bald sechs Jahren ist Dianne Brill mit ihrem Ehemann und ihren drei Kindern in Zollikon ansässig. Der dörfliche Charme gefalle ihr besonders. «Zollikon ist ein fantastischer Ort. Obwohl es so nahe zur Stadt liegt, fühlt man sich hier wie in einer anderen Welt, mit so viel Schönheit und Natur in nächster Nähe», schwärmt die Amerikanerin. Es ist ihr wichtig, die Dinge zu schätzen, für das, was sie sind. «Hier hat man den wunderschönen See und man kann die Ruhe geniessen. In New York dagegen das urbane Grossstadt-Feeling. Verzichten müssen möchte ich auf Dauer auf keines der beiden.»

Zollikon sei der erste Ort, wo sie sich seit New York zu Hause fühle. Bevor Dianne Brill mit ihrer Familie in die Schweiz zog, lebte sie für kurze Zeit in München. Dort habe sie sich aber nie richtig einleben können, darum fiel auch der Entschluss leicht, nach Zürich umzusiedeln. «Zürich hat mir von Anhieb weg gefallen und ich habe mir gesagt, dass ich hier ein Zuhause für mich und meine Familie schaffen möchte.» Mittlerweile hat Dianne Brill viele Freunde in Zollikon und sie schätzt die gute Beziehung zu ihren Nachbarn: „«Ich geniesse es sehr Teil einer Gemeinschaft zu sein..»

Es liege ihr am Herzen, dass Menschen zu ihrem wahren Selbst finden und die Courage aufbringen, sich selbst zu sein. Sei es, indem sie ein ausgefallenes Outfit tragen, weil sie gerade Lust dazu haben, oder aber im Umgang mit Menschen. «Authentisch zu sein ist das A und O im Leben, das hat mir viele Türen geöffnet“», sagt Dianne Brill.

Ihr Buch «Boobs, Boys & High Heels or How to Get Dressed in Just under Six Hours» hat sich in den 90ern weit verbreitet im englischsprachigen Raum und sogar bis nach Polen verkauft. Noch heute hat es viele Fans und Dianne Brill möchte gerne eine Fortsetzung davon schreiben. «Mein Buch pflegt einen ähnlichen Humor wie der Ben Stiller-Film ‚Zoolander’. Es verbindet Mode und Humor auf smarte und zeitgemässe Weise.»

 

«Kurven werden früher oder später wieder im Trend sein»

Der Size Zero-Modetrend werde früher oder später ein Ende nehmen, meint Dianne Brill, als ich sie auf neue Trends in der Modewelt anspreche. «Wie alles in der Mode ist das eine Phase», erklärt sie. Es gebe in New York bereits einige Plus Size-Models, die sehr gefragt seien: «Wir fangen langsam an zu realisieren, was der Schönheitswahn mit unserer Gesellschaft angerichtet hat und versuchen, den Trend schrittweise in eine andere Richtung zu drehen.»

Von einer weiteren Vereinheitlichung von Mode müsse man abrücken, fährt sie fort. Doch sei dies nicht einfach, denn auf der ganzen Welt habe man dieselben Grossverteiler, welche auch meist ähnliche Mode anbieten. «Die global arbeitenden Modehäuser verfolgen alle die gleichen Trends. Auf der Strasse, sei es in Zürich oder in New York, fällt einem auf, dass mehr und mehr Menschen sich ähnlich anziehen. Irgendwann enden wir alle noch in Uniformen», spasst Dianne Brill und lacht dabei von ganzem Herzen. (bl)

 

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Donnerstag, 26. März 2015

Nomen est Omen, der Singlust-Chor hält sein Versprechen

Freddie Mercury hätte es nicht besser gekonnt. Die Interpretation der fünf Songs von «Queen» durch die über 80 Sängerinnen und Sängern von «Singlust» mit Begleitorchester konnte mit den Originalen durchaus mithalten.

Michael Gohl stand vor den Chören wie einst das Quecksilber Freddie Mercury vor dem Publikum und begeisterte die Singschar fühlbar für die rockige Musik. Gleichzeitig dirigierte er die musikalische Begleitung bestehend aus Klavier, Schlagzeug, Bass- und Leadgitarre. Und diese Energie übertrug der Chor aufs Publikum, welches in der übervollen Kirche den wundersamen Klängen und dem Gesang des altersdurchmischten Chores lauschte und mitwippte.

Dabei war der Einstieg in das Konzert mit der Messe in G-Dur von Franz Schubert keine leichte Kost, die Sänger des Singlust-Chors waren gefordert, meisterten das Werk dennoch mit Bravour. Vom Orchester Collegium Cantorum spielten die Stimmführer Thomas Ineichen und Barbara Kubli die Violine. Anna Shulenkova, Viola, Mathis Keller, Violoncello und Borislav Simenov, Kontrabass trugen ebenfalls massgeblich zur Qualität des klassischen Teils des Konzertes bei. Inmitten des Orchesters spielte die Zolliker Organistin Helga Varadi auf der kleinen Orgel. Die Solistin Selina Weber Gehrig bereicherte die Darbietung mit ihrem klaren Sopran.

Der Kinderchor «Zolliker Ohrewürm» und der Jugendchor Cantalino zeigten diszipliniert und voller Elan von der Klezmer-Melodie bis hin zu schwedischen und englischen Volksliedern ihr aktuelles Repertoire. Dabei wurden sie sowohl von Selina Weber Gehrig wie von Michael Gohl feinfühlig und mit Engagement durch die Musikstücke geführt. Die Kinder und Jugendlichen beeindruckten mit ihrer Gesangsleistung und mit dem freien Singen ohne Notenblätter.

Das gemeinsame Finale aller Chöre war ein musikalisches Feuerwerk. Freddie Mercurys Songs «Love of my Life», «Don’t Stop Me Now», «Somebody To Love», «Bohemian Rhapsody» und zum Schluss «We Are The Champions» wurden allesamt von Michael Gohls Bruder Tesse, einem in den USA lebenden Musikarrangeur, Filmmusikkomponisten und Produzenten, für diese spezifische Zusammensetzung von Chor und Orchester arrangiert. Esther Bächlin, Klavier, Thomas Ilg, Schlagzeug, Yannick Urbanczik, Bass und Andri Jucken, Gitarre zeigten sich verantwortlich für die professionelle musikalische Begleitung ganz im Zeichen der legendären Rockgruppe «Queen».

Am Schluss des Konzertes trafen sich strahlende Sängerinnen, Sänger, Musiker und zufriedene Zuschauer zum gemeinsamen Apéro. Michael Gohl wurde vom Verein Singlust nochmals gebührend geehrt. Dazu meinte er: «Das hätte ich vor 10 Jahren auch nie geglaubt, dass ich einmal Franz Schubert kombiniert mit Freddie Mercury dirigieren würde.» Die intensiven Gesangsproben von drei Monaten haben sich auf jeden Fall gelohnt und die Chöre just auf die zwei Konzerttermine in Dorf und Berg zu Champions gemacht. (cef)

 

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Freitag, 20. März 2015

Brutaler Raubüberfall und gemeine Diebe

Die Bijouterie Zinniker wurde brutal überfallen und ausgeraubt, dem Gasthaus Rössli wurden die Aussenbestuhlung gestohlen.

Die Bijouterie Zinniker wurde diese Woche zum dritten Mal innert acht Jahren ausgeraubt. Vier bewaffnete Männer überfielen am Dienstagmorgen kurz vor zehn Uhr unmaskiert und am helllichten Tag das Juwelier- und Uhrengeschäft an der Buchholzstrasse. Die Räuber bedrohten den Geschäftsführer Johannes Maag und eine Lehrtochter mit einer Pistole, fesselten die beiden und öffneten mit brachialer Gewalt die Vitrinen. Verletzt wurde wie die Kantonspolizei Zürich mitteilt niemand, der Schock bei Geschäftsinhaber Johannes Maag sass aber hörbar tief. Als der Zolliker Bote ihn telefonisch kontaktierte, wollte er sich nicht weiter zum Vorfall äussern. Die jungen Männer, die sich bei ihrer Tat von der Videokamera des Geschäfts filmen liessen, flüchteten mit einer Beute von über 100‘000 Franken auf Fahrrändern in Richtung des Schulhauses Oescher. Die Kantonspolizei löste eine Grossfahndung aus und durchsuchte das Gebiet zusammen mit der Gemeindepolizei Zollikon und der Stadtpolizei Zürich, blieb aber erfolglos.  Die Kantonspolizei sucht Zeugen (044 247 22 11), auf ihrer Website befinden sich die Bilder der Täter (www.kapo.zh.ch). Signalement der Täter: Einer von ihnen ist zwischen 180 und 185 Zentimeter gross, trug eine Brille, einen schwarzen Veston und einen auffallend farbigen Schal. Er sprach gebrochen englisch. Die drei andern trugen blaue Kapuzenpullis, blaue Jeans und weisse Baseballmützen, sie sind zwischen 170 und 185 cm gross.

 

Diebe zum Zweiten: Aussenbestuhlung gestohlen

Ungebetene Gäste, wenn diese überhaupt als solche bezeichnet werden können, fanden sich auch bei Jeannine Meili  im Gasthaus zum Rössli ein. In der Nacht auf Samstag wurde die Eingangsbestuhlung (siehe Foto) gestohlen. Bereits vor einer Woche sei eine Holzbank weggekommen, sagt die enttäuschte Pächterin. «Wir haben die gesamte Bestuhlung angekettet mit einem professionellen Stahlseil, doch die Täter schlugen erneut zu.» Dass so etwas in einem Dorf wie Zollikon passieren kann, frustriere sie sehr. Ihre Sicherheitsvorkehrungen hat sie inzwischen verstärkt und eine Flutlichtanlage und Überwachungskamera installiert. (mmw)

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Freitag, 20. März 2015

Brillante Klänge am Zürichsee

Zur Feier des 40-Jahre-Jubiläums der Blaskapelle Goldküste findet das 32. Zürcher Oberländer-Blaskapellentreffen am Samstag, 28. März im Gemeindesaal Zollikon statt. Das wird ein Fest, musikalisch und kulinarisch: Zwölf Blaskapellen werden aufspielen und 70 freiwillige Helfer dafür sorgen, dass Teller und Gläser der Gäste während der Auftritte nicht leer bleiben.

«Kaum zu glauben, dass das schon 40 Jahre her ist», sagt Werner Guidi, der als einziges Gründungsmitglied noch aktiv in der Blaskapelle mitspielt und nebenher auch all deren administrative Belange erledigt. «Initiant der Gründung war 1975 der Dorfpostmeister Walter Knecht. Sein Ziel war, dass die Blaskapelle an seinem 50sten Geburtstag erstmals auftreten würde. Und das tat sie dann auch.»

Dazumal musizierten acht Mann unter der Leitung von Christian Wenk, neben Hermann Briel dem dritten Gründungsmitglied. Sie spielten Walzer, Polka und Märsche, und bereits auch Foxtrott und Boogie. Sie mochten es fetzig und beeindruckten durch ihr Repertoire. Christian Wenk war über 20 Jahre musikalischer Leiter und spielte auch auf dem 1. Horn aktiv mit.

Lange Zeit hiess die Blaskapelle «Zolliker Lunggesüüder» nach einer alten Zolliker Sage, die auch Namensgeberin des heutigen Zolliker Weissweins ist. «In Zollikon lernen die Kinder die Sage noch in der Schule, doch ausserhalb unseres Dorfes kennt sie niemand mehr. Heute denken die Leute bei Lunggesüüder eher an eine Guggemusik», erklärt Werner Guidi, «deshalb haben wir uns umgetauft und heissen nun Blaskapelle Goldküste. Da weiss gleich jeder, was dahinter steckt, und wir müssen nichts erklären.» Zudem sei es ja auch schon lange so, dass die Blaskapelle die Grenzen gesprengt habe und nicht mehr nur Zolliker mitspielten. Im Gegenteil, zurzeit seien es gerade noch deren zwei. Da sei die Verstärkung durch Musikanten die seeaufwärts wohnen, von Küsnacht über Herrliberg, Erlenbach, Feldmeilen bis hinauf nach Rapperswil und Rüti nicht bloss hoch willkommen, sondern auch lebenserhaltend.

 

Blasmusiker mit Herzblut

Heute spielt die Blaskapelle in der klassischen Besetzung: 2 Klarinetten (Albert Amrein und Hansruedi Heer), 6 Flügelhörner/Trompeten (Hans Freitag, Werner Guidi, Hans-Heini Wettstein, Carlos Ribeiro, Cornelia Huber und Ernst Freitag), 2 Euphonien (Reinhard Staub und Andreas Bischoff), 3 Posaunen (Heini Blattner, Peter Müller und Sepp Huser), 1Tuba (Monika Zünd) und Schlagzeug (Peter Häuselmann). Die zentrale Figur der Blaskapelle Goldküste ist ihr musikalischer Leiter Albert Liesching. Er steht mit viel Einfühlungsvermögen am Dirigentenpult und pflegt, wie einst Christian Wenk und Hubert Jenal, noch immer ein beeindruckend vielseitiges Repertoire.

Gespielt wird oft und gern. 16 Auftritte kamen 2014 zu den gemeinsamen Proben hinzu. Vom Geburtstagsständchen über Frühschoppen- bis zum Kirchenkonzert ist die Blaskapelle Goldküste für alles zu haben. Wenn es ums gemeinsame Musizieren geht, sind sie alle stets voll dabei, nicht nur bei ihren Live-Auftritten, sondern auch bei der zweiten CD-Aufnahme und erst recht auf Auslandtournee.

Denn auch eine solche gehört zu den Höhepunkten ihrer gemeinsamen Tätigkeiten. Letzten Sommer reiste die ganze Blaskapelle gemeinsam in die Heimat ihres portugiesischen Flügelhornisten Carlos Ribeiro wo sie in allen Ehren und Würden empfangen wurden. «Unsere Aufführungen im voll besetzten Kongresscenter, auf der Freibühne in Vale Cambre und die herzliche Gastfreundschaft werden wir nicht so schnell vergessen», erinnert sich Werner Guidi, «sie waren eine Wucht!»

Nun folgen die nächsten Höhepunkte: Zum Jubiläum wird die Blaskapelle Goldküste zweimal am Radio vorgestellt: erst am 23. März in der Sendung «Fiirabemusig» auf der Musikwelle, dann am 28. März. auf SRF 1 in der Sendung «Potzmusig».

Der eigentliche Jubiläumsakt findet dann inmitten des 32. Zürcher Oberländer Blaskapellentreffens am 28. März im Gemeindesaal Zollikon statt. Bereits ab 13 Uhr ist die Festwirtschaft geöffnet und die erste der zwölf Formationen, die Blaskapelle Goldküste, beginnt mit dem Konzert. Der Eintritt ist frei – die Musiker spielen ohne Entgelt. Sie rechnen mit einem vollen Saal und freuen sich auf ihren Auftritt. (db)

 

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Freitag, 20. März 2015

Seelsorger mit Kopf und Herz

Pfarrer Thomas Koelliker wird pensioniert. Noch in diesem Monat wird er aus dem Pfarrhaus am Weiherweg ausziehen, am 29. März zum letzten Mal in seiner Kirche im Zollikerberg predigen. Zeit, gemeinsam mit ihm innezuhalten, um den Blick rück- und vorwärts schweifen zu lassen.

Zwanzig Jahre war Thomas Koelliker Pfarrer im Zollikerberg. Nach seinem Theologiestudium in Zürich und Tübingen, nach dem Praktikum am St. Peter in Zürich, Religionsunterricht am Freudenberg und Pfarrämtern in Fällanden und Weiach kam er mit 45 Jahren ganz unkonventionell hierher. „Ich hatte mich mit einem A4-Blatt beworben“, schmunzelt er, „und vorgeschlagen, die Zolliker Pfarrwahlkommission solle sich doch einfach in Weiach, im Gefängnis Dielsdorf oder im Militär erkundigen. So erführen sie am besten, ob ich passen würde.“

Die Pfarrkommission schlug damals ein solches Verfahren aus, lud ihn aber auf Vorschlag von Martin Hübner, der Koelliker einmal im Militär gehört hatte, zu einer Gastpredigt ein. Und diese überzeugte. Überzeugte wie wohl alle Predigten, die Thomas Koelliker hielt. Spricht er doch niemals hoch von der Kanzel herab; vielmehr verwickelt er seine Zuhörerschaft auf Augenhöhe in interessante Auseinandersetzungen mit biblischen Texten. Nie lässt er einen Text einfach stehen. Er hinterfragt ihn, überlegt, wie die Umstände waren, sucht nach möglichen Deutungen, wägt ab, verwirft, zieht philosophische Theorien hinzu oder aktuelle Schriftsteller und regt so die Kirchgemeinschaft zum Mitdenken an.

Er will es genau wissen, auch Details begreifen, selber denken und dieses Denken mit andern teilen. Deshalb ist er doch lieber Pfarrer geworden und nicht Lokomotivführer. Der Mensch kommt für ihn vor der Maschine, die grössere Herausforderung vor der kleineren. „Nichts interessiert mich mehr als zu sehen und zu verstehen, wie andere Menschen ticken“, sagt er, „wie sie zu dem geworden sind, was sie sind. Und wenn ich durch meine begleitende Präsenz dann noch mitwirken kann, schwierige Momente gut zu gestalten, umso schöner.“

Bereits mit vierzehn hat er gewusst, dass er Pfarrer werden wollte. Vielleicht auch um die Ereignisse im Leben in ihrem tieferen Sinn zu verstehen. Litt er doch damals darunter, gar nichts zu verstehen: weder, dass sein Bruder vier Jahre zuvor an einem Nierenversagen gestorben war, noch dass seine Eltern sich kurz darauf scheiden liessen.

 

Ums Verstehen ringen

Auch als er sich im Militär entscheiden musste, ob er Feldprediger werden wollte, war seine Neugier ausschlaggebend. Die Konstellationen und Beziehungen innerhalb des Militärs interessierten ihn, die Auswirkungen von psychischen und physischen Belastungen, und ganz besonders die Mitgestaltungsmöglichkeiten seiner eigenen Rolle als Seelsorger.

Und genauso war es, als er angefragt wurde, ob er mitkomme zum Fallschirmspringen. Eine Möglichkeit, seine eigenen Grenzen auszuloten. Und in Erfahrung zu bringen, wie andere sich verhalten, die freiwillig vom Himmel springen! „Zum Glück “, sagt er, „denn einer der Springer, stellte mir da seine Schwester vor. Sie wurde meine Frau. Wie hätte ich sie sonst kennenglernt?“

Und dasselbe galt, als er später von Weiach aus als nebenamtlicher Gefängnisseelsorger im Bezirksgefängnis Dielsdorf und im Flughafengefängnis tätig war. Er wollte die fremden Welten der Menschen ergründen und erfahren, was in ihnen vorging und vorgeht. Er wollte auch da versuchen zu verstehen. „Es ist kein Zufall, dass beim Abendmahl Brot und Wein gereicht wird“, sagt er, „beide werden erst durch die Gärung vollkommen, sie sind Symbole der ständigen Veränderung und damit des menschlichen Lebens. Es gilt unbedingt, sich in der Auseinandersetzung mit anderen und anderem ständig weiterzuentwickeln.“

An diesen Umstand dachte er wohl, als es ihm in Weiach fast zu wohl geworden war. Da packte ihn das Grauen, er könnte plötzlich selbstgenügsam werden. Nach einem Freisemester bekam er eine unbändige Lust, in neue Gefilde aufzubrechen. Eine Lust, die so stark war, dass sich seine Familie – die eigentlich erst gegen jegliche Veränderung war – sich davon anstecken liess und sich mehr oder weniger zuversichtlich gemeinsam mit ihm ins Zolliker Abenteuer stürzte.

„Nur ein einziges Mal“ sagt er, „kurz vor dem Staatsexamen, fragte ich mich, ob ich nicht lieber Journalist werden sollte. Doch ein Abendessen mit meinem väterlichen Freund und Mentor Hans ten Dornkaat genügte, um mich davon abzuhalten.“ Thomas Koelliker hat es nie bereut.

 

Von der Lust dabei zu sein.

„Als Pfarrer“, sagt er heute voller Freude, „ist das Schönste, dass ich in vielen wesentlichen Lebenslagen hautnah mit dabei bin. Ich begleite Menschen bei der Taufe, der Konfirmation, der Hochzeit, in schwierigen Situationen, bei Krankheiten und dem Tod. Ich erlebe, wie sie sich verändern, erfahre die Ursachen und lerne ständig Neues. Gelingt es mir, dabei hilfreich zu sein oder solche Momente durch mein Mitwirken echt und würdig zu gestalten, erlebe ich Zufriedenheit und Sinn in meiner Tätigkeit."

Das Schwierigste umgekehrt sei stets gewesen, wenn eine Spannung oder Streitigkeit in der Familie nicht habe ausgeräumt werden können, bevor er sich wieder als Pfarrer habe engagieren müssen. Oder das Bewusstsein zu ertragen, dass das Verständnis Fremden gegenüber manchmal einfacher fällt als in der eigenen Familie. Die Ungeduld den eigenen Kindern gegenüber beim Helfen von Schulaufgaben, beim Wörtchen abfragen und sich dabei zu erinnern, wie verständnisvoll man eben noch im Gespräch mit Konfirmanden reagiert hatte. Da war dann eine Joggingrunde angesagt, um den Kopf auszulüften.

Ist es ihm nie zu viel geworden? Nein, die Seelsorge und der Konfirmandenunterricht nie, und das Predigen schon gar nicht. Anderes zuweilen aber schon. Der administrative Überhang in vielen beruflichen Belangen, die mit Terminen vollgespickte Agenda, die unzähligen Sitzungen. Auch das ständige Zur-Verfügung-Stehen-Müssen.

"Es nimmt mich schon Wunder“, sagt er, „wie das sein wird, nach so vielen Jahren plötzlich wieder so frei zu sein wie kurz nach der Matura. Denn als Pfarrfamilie hat man eigentlich niemals eine hundertprozentige Privatsphäre. Die Pfarrhausstube steht stets auch für Gäste bereit, die etwas besprechen wollen, hinter jedem Telefon kann ein Notfall oder eine Anfrage stehen, sogar in den Ferien ist die telefonische Präsenz selbstverständlich.“

Das wird sich nun ändern. Zwar wird die Agenda wohl niemals leer sein. Da sind noch Aufgaben im Bildungsbereich, denen er weiterhin nachkommen wird – und da ist und bleibt vor allem auch noch die Freitagsgruppe, die er zur Freude Stammbesucherinnen und -besucher seiner Lektüre biblischer Texte weiterführen wird.

Da sind gleichzeitig noch tausend andere Ideen und vor allem auch immer noch unzählige offene Fragen, denen er nachgehen möchte, wobei er stets betont, dass es ihm stets mehr um die wichtigen Fragen, denn um die Antworten gehe. Das Interesse an Menschen und deren Lebensgeschichten, an geschichtlichen Zusammenhängen, an persönlichen Prozessen und Entwicklungen ist so stark wie eh und je. Was sein Lebenselixier war, wird sein Lebenselixier bleiben. (db)

 

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Donnerstag, 19. März 2015

Positiv-kritisches Echo zur Umgestaltung des Ortskerns

Auf Einladung der Gemeinde diskutierten am Samstag über 120 Personen über die Zukunft des Zolliker Zentrums. Etliche Frage wurden beantwortet und neue gestellt.

Belebt, lebendig, vielfältig und attraktiv. Wie sich Zollikons Ortskern in Zukunft präsentieren soll, darüber waren sich die Teilnehmenden schnell einig. Aufgeteilt in 15 Tischgruppen galt es, Adjektive für das zukünftige Erscheinungsbild der Gemeinde zu finden. Ziel der Veranstaltung vom letzten Samstag war, kritisch zu diskutieren, ob der Gemeinderat mit seiner Entwicklungsabsicht die Anforderungen an die zukünftige Nutzung des Beugi-Areals und des gesamten Ortskerns erfüllen kann. «Was bis jetzt erarbeitet worden ist, soll von den Teilnehmenden gespiegelt werden», erklärte Moderator Michael Emmenegger und fügte gleich den Zweck des eintägigen Workshops an: Ein qualifiziertes Feedback zu erhalten, auf dem sich dann ein Gesamtbild für Zollikons zukünftigen Ortskern erstellen lässt.

Dass sie mitreden können, dürften sich die Zolliker inzwischen längst gewohnt sein, lud die Gemeinde innerhalb der letzten acht Jahre doch bereits zum vierten Mal zu einer ganztägigen öffentlichen Diskussionsveranstaltung zum Austausch von Ideen und Vorstellungen. An der Planungswerkstatt vor zwei Jahren erfolgte der Startschuss für die Neugestaltung des 7000 Quadratmeter grossen Beugi-Areals, das aufgrund des neuen Wohn- und Pflegezentrums Blumenrain frei wird. Dabei wurde klar, dass das Beugi abgerissen werden soll: Ein Neubau soll neues Leben ins Dorfzentrum bringen. Ebenso klar wurde zum Ausdruck gebracht, dass das Areal nicht isoliert betrachtet, sondern ein Gesamtkonzept rund um den Dorfplatz und die Sportanlagen erstellt werden soll. Der Gemeinderat hatte damit seinen Auftrag gefasst. Die erhaltenen Denkanstösse und Impulse liess er in eine Testplanung für den gesamten Ortskern einfliessen und anschliessend durch eine Machbarkeitsstudie prüfen.

 

Grossverteiler, Quartierläden und Wohnungen

Die Belebung des Dorfkerns war das zentrale Element der Machbarkeitsstudie, die von Architekten, Städteplanern und Landschaftsarchitekten erstellt und nun vom involvierten Architekten Simon Kretz vorgestellt wurde. Die Studie beruht auf 10 Leitsätzen, die auf der Analyse der vorgesehenen Baukörper, deren Ausnutzung wie auch der gesamten Aussenraumbildung, Durchwegung und Erschliessung basieren. Anhand dieser Leitsätze stellte Gemeindepräsidentin Katharina Kull-Benz die Absichten des Gemeinderats vor. Dass die Gemeinde das Areal Beugi im Baurecht abgeben wird, hatte sie im Vorfeld der Veranstaltung mehrfach betont. Nach den getätigten Investitionen im Alters- und Schulbereich liessen es die finanziellen Mittel Zollikons nicht zu, ein weiteres Grossprojekt selber zu stemmen. «Es geht um unser Herzstück inmitten des Dorfkerns», liess die Gemeindepräsidentin keine Zweifel über die Wichtigkeit der Angelegenheit aufkommen, «deshalb möchten wir die Weichen klar stellen.» Wer das Areal Beugi im Baurecht erhalten wird, werde mittels eines Investorenwettbewerbs ermittelt, der verschiedene Nutzungsvorgaben vorsieht. Für die Bebauung sind fünf Neubauten mit Läden und Wohnungen vorgesehen, in einem der Gebäude soll im Unter- und Erdgeschoss ein Grossverteiler einziehen. Mit den beiden bereits in Zollikon ansässigen Grossverteilern Migros und Coop seien Gespräche geführt worden, erläuterte Katharina Kull-Benz, beide hätten Interesse am Standort Beugi. «Ein Grossverteiler garantiert, dass der Dorfkern lebendig bleibt», so die Gemeindepräsidentin, «er wirkt auch als Magnet für kleinere Läden in der Umgebung.» Für eine gute Durchmischung sollen die 2 ½- bis 4 ½-Zimmer-Mietwohnungen sorgen, vorgesehen seine keine Luxuswohnungen, sondern solche im mittleren Preisniveau mit standort- und marktgerechten Mietzinsen. Insgesamt solle sich der Baurechtszins positiv auf die Gemeindekasse auswirken.

Der festungsartige Abschluss hin zur Zollikerstrasse, wie ihn das bestehende Beugi zurzeit vorgibt, werde durch die einzelnen fünf Baukörper durchbrochen, erläuterte Simon Kretz weiter. Fusswege zwischen den Neubauten sollen die Alte Landstrasse mit der Zollikerstrasse verbinden, die wichtigsten Wegverbindungen mit Kinderwagen oder Rollstühlen begehbar sein. Die motorisierte Erschliessung für Parkierungsmöglichkeiten als auch für die Anlieferung wird über die Zollikerstrasse erfolgen. Dass die architektonische Gestaltung des Areals auf eine Öffnung zielt, wurde vom Architekten mehrfach betont. «Zollikons heutiger Ortskern ist zwar vielfältig, aber weder von der Nutzung noch von der räumlichen Struktur her gut vernetzt», die Integration der verschiedenen Nutzungen und Nutzer gelte deshalb als wichtigster Aspekt.

 

Daumen hoch für den Gemeinderat

So weit die Absichten und Überlegungen des Gemeinderats und der involvierten Planungsteams. Wie das Gehörte und Präsentierte bei den Anwesenden ankam, sollte sich bald zeigen. In den angeleiteten Tischgruppen zu je acht Personen – eine bunte Durchmischung von Jung und Alt, Berglern und Dörflern, Partei- und Gewerbevertretern sowie ehemaligen und aktuellen Gemeinderäten, wurde kreuz und quer über die Ideen diskutiert. Bevor jede Gruppe ihr Fazit präsentierte, holte Moderator Michael Emmenegger das allgemeine Stimmungsbild ab. Ganz dem Zeitgeist entsprechend galt es, mit roten, gelben oder grünem Daumen die Entwicklungsabsichten und -vorstellungen der Gemeinde für das Beugi-Areal und den Ortskern zu «liken». Spätestens zu diesem Zeitpunkt machten nicht nur die Teilnehmenden zufriedene Gesichter, sondern auch der Gemeinderat, wurden dessen Absichten doch grossmehrheitlich gutgeheissen: 12 von 15 Gruppen hielten den grünen Daumen hoch, nur bei drei Gruppen vermochten die Überlegungen noch nicht ganz zu überzeugen.

Dass trotz ausgebliebener negativer Bewertung noch einige Fragen ungeklärt sind, zeigte sich in der Schlussrunde. Mehrmals angesprochen wurden finanzielle Aspekte wie die Festlegung der Mietzinse. «Von günstigen Wohnungen kann an diesem Standort nicht die Rede sein», meinte einer der Tischgruppenmoderatoren. Wie auch andere sprach er sich deshalb dafür aus, dass der Standort der ehemaligen Voliere zwingend für die Realisierung von günstigem Wohnraum vorgesehen werden müsse. Kritische Stimmen gab es auch zur Abgabe des Areals an nur einen Investor. Dieser strebe in erster Linie nach Rendite, ob er sich aber auch für die Förderung kleiner Dorfläden einsetzen werde, sei zu bezweifeln. Auch die Gemeinde solle nicht primär auf einen hohen Baurechtszins schielen.

Ebenfalls hinterfragt wurde das sogenannte „Knochenprinzip“ mit einem grossen Magnetmieter, wie er in einem der fünf neuen Baukörper vorgesehen ist. Der heutige Dorfplatz könnte damit „entvölkert“ werden, das Dorfleben sich nur noch auf dem Beugi-Areal abspielen. Es solle sichergestellt werden, dass auch beim Dorfplatz, wo heute die Migros zu finden ist, weiterhin ein Grossverteiler eingemietet sei, eine solche Bipolarität würde die angestrebte Belebung des gesamten Dorfkerns sicherstellen. Gewarnt wurde auch vor einer Dorfgarage mit direktem Durchgang zum Grossverteiler, denn auch sie verhindere einen Dorfplatz als Treffpunkt. Punkto Verkehr gab nicht nur die Garage Anlass zur Sorge. Ob die geplante Ein- und Ausfahrt über die Zollikerstrasse ein grösseres Verkehrsaufkommen zu tragen vermöge, wurde infrage gestellt, die Forderung nach einer Fussgängerzone mehrfach laut.

Sie sei sich bewusst, dass noch viele Fragen offen seien, meinte Gemeindepräsidentin Katharina Kull-Benz am Ende der Veranstaltung und freute sich, dass die Vorstellungen des Gemeinderates positiv aufgenommen worden waren. Ob die Teilnehmenden der Aufforderung nachkommen, Sympathieträger des Projekts zu sein, dürfte sich schon bald zeigen: Am 10. Juni wird der Souverän an der Gemeindeversammlung über den Projektierungskredit entscheiden. Dann zeigt sich, ob die frühe Mitsprache mit der späteren Einigkeit einhergeht. (mmw)

 

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Freitag, 13. März 2015

Paartanz für die Kultur

Braucht es den Schweizer Film? Wie beeinflusst die staatliche Finanzierung filmische Werke? Welche Verantwortung hat die Politik in der Kultur? Diesen und weiteren Fragen widmeten sich SP-Kantonsratskandidatin Esther Meier und Filmemacher Rolf Lyssy letzte Woche an einer Veranstaltung der SP des Bezirks Meilen. Dabei verriet der Regisseur auch, wie es zu seinem bekannten Film «Die Schweizermacher» kam.  

Es solle kein «blutiges Duell» zwischen Rolf Lyssy und ihr werden, meint Esther Meier zu Beginn lächelnd, in Anlehnung an den Veranstaltungstitel «Kultur und Politik – Duett oder Duell?». Vielmehr, wirft Rolf Lyssy ein, werde es «ein Paartanz». Die Klingen kreuzen die beiden an diesem Abend tatsächlich nicht. Esther Meier, Zollikerin und Kantonsratskandidatin der SP, schlüpft in die Rolle der Moderatorin und führt das Gespräch mit Rolf Lyssy. Rolf Lyssy, früher im Zollikerberg wohnhaft und in der Gemeinde aktiv, ist Filmemacher und Autor. Zu seinen bekanntesten Werken gehört «Die Schweizermacher» (1978). Mit diesem Film, der die schweizerische Einbürgerungspraxis aufs Korn nimmt, beginnt das Gespräch.

Überfremdung sei schon immer ein Thema gewesen, meint Rolf Lyssy. Im Sommer 1976 habe er einen Zeitungsartikel über einen Leumund-Berichterstatter gelesen, der Einbürgerungskandidaten zuhause besuche. «Da dachte ich: ‚Das ist eine Komödie. Das muss man auf die Leinwand bringen!‘» Der Film traf den Nerv der Zeit und der Bevölkerung und gilt als erfolgreichster Schweizer Film. Schlussendlich gehe es im Werk um die Frage der Identität. «Das ist eine zeitlose Frage», findet der Regisseur. Wer und was ist ein Schweizer? Das habe die Menschen interessiert.

 

Auf Subventionen angewiesen

Trotz dieses Erfolgs muss Rolf Lyssy auch heute noch wie andere Filmemacher für jeden Film neu vor ein Gremium treten, um sich für Subventionen zu bewerben. «Der Schweizer Film ist auf Subventionen angewiesen», kommentiert er. Der Markt in der Schweiz sei einfach zu klein. Trotzdem sieht er, dass in ähnlich kleinen Ländern – Dänemark, die Niederlande, Schweden – ein anderes Niveau bezüglich Kultur anzutreffen sei; er führt dies – halb lächelnd, halb im Ernst – auf den Meeranstoss und den Adel in diesen Ländern zurück. Die Schweiz sei ein Bauern-, Handwerker- und Bankenland; die Kultur habe hier immer noch einen schweren Stand. Neben den Subventionen von Stadt, Kanton und Bund sind Filmemacher deshalb auch auf private Geldgeber, z. B. Sponsoren, angewiesen. Denn einen Film zu drehen, ist teuer. Ironischerweise verweigerte der Bund damals dem Film «Die Schweizermacher» die finanzielle Unterstützung; über ein solch ernstes Thema lasse sich keine Komödie machen, habe es geheissen, lächelt Rolf Lyssy. Esther Meier stellt deshalb auch die Frage in den Raum, ob die Politik nur ungern etwas finanziere, das für Reibungen sorge und sie in Frage stelle. Kunstförderung soll nicht an Bedingungen geknüpft sein, findet sie.

Gleichzeitig ist Meier bewusst, dass sich der Film «im Spannungsfeld zwischen Kunst und Unternehmertum» befindet. Rentabilität, meint deshalb Rolf Lyssy, sei bei Kultur nicht angebracht. Er ärgert sich darüber, dass in wirtschaftlich schwierigen Zeiten die Kultur am meisten unter Sparkursen leide. «Dabei ist Kulturstadt zu sein ein Standortvorteil», betont auch Esther Meier. Das breite Kulturangebot in Zürich sei attraktiv, werde von der Bevölkerung laut einer Volksbefragung hoch geschätzt und bringe Vorteile.

Trotz den Schwierigkeiten verbunden mit der Finanzierung von Filmen betont Rolf Lyssy, dass es den Schweizer Film brauche: «Ein Land muss sich auf der Leinwand sehen können.» Das Bild und vor allem auch das bewegte Bild habe einen grossen Stellenwert. Filmemachen gehört auch zur Aufklärung, meint er im Hinblick auf die Aufarbeitung der Rolle der Schweiz im Zweiten Weltkrieg: «Man soll auch jüngeren Leuten zeigen, was mit dem Land geschehen ist.»

 

Privates Kulturengagement

Auch wenn Kantonsratskandidatin Esther Meier an der Veranstaltung aufgrund ihrer Rolle als Interviewerin etwas in den Hintergrund geriet, zeigt sie sich zufrieden mit dem Abend. Seit über zehn Jahren organisiert sie mit ihrem Ehemann und einem befreundeten Ehepaar Kulturabende bei sich zuhause. Kultur ist für sie eine Herzensangelegenheit. «Ich möchte mehr Leute überzeugen, dass Kultur eine Investition ist – wirtschaftlich und gesellschaftlich», meint sie nach der Veranstaltung. Neben der Gesundheitspolitik ist Kultur für sie einer der Schwerpunkte, welchen sie bei einem Wahlsieg in den Kantonsrat einbringen will. «Mit diesem öffentlichen Kulturabend wollte ich auch auf mein Kulturengagement aufmerksam machen und zeigen, dass dies nicht nur leere Worte sind.» (sb)

 

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Freitag, 13. März 2015

92 Jahre und noch kein bisschen müde

Gertrud Bremi ist in ihrem Herzen eine Pionierin, wenn nicht gar eine Revolutionärin. Jedenfalls hat sie als Fürsorgerin gar manches völlig umgekrempelt und in Schwung gebracht.

Gertrud Bremi hat es immer interessiert anzupacken, die sichtbaren Missstände zu ändern, am besten ganz persönlich. «Das Anpacken liegt in unserer Familie», sagt sie, «wir Kinder haben das von unseren Eltern übernommen. Trotz grosser Kinderschar war meine Mutter im Frauenverein prägende Präsidentin, mein Vater Zolliker Gemeinderat.»

Gertrud Bremi, 1922 geboren, ist gemeinsam mit sieben Kindern in ihrem Elternhaus aufgewachsen: mit vier Geschwistern, zwei Cousins und einer Cousine. Denn für die Familie war es damals keine Frage, dass sie 1939 die drei Kinder in ihre Obhut nahm, nachdem die extra zur Niederkunft des dritten Kindes aus Peru angereiste Tante verstorben war.

Nach der Schule ging Gertrud Bremi, wie so viele in ihrer Zeit, für ein Jahr ins Welschland an eine Handelsschule. «Ich wohnte bei zwei älteren Fräuleins in Pension», erzählt sie, «in der Schule lernte ich Französisch und Buchhaltung – im Pensionat Manieren!» In den Ausgang zu gehen, war ihr nicht erlaubt, doch ins Kino schon. Das Taschengeld aber musste sie immer genau abrechnen und ihre Ausgaben rechtfertigen. «Ich wusste, dass mein Papa es nicht so gerne sah, dass ich so viel Geld fürs Kino ausgab», sagt sie, «da schrieb ich statt des Eintritts auch mal „Jemandem eine Freude gemacht“ in mein Heft.» Natürlich sei die Wahrheit doch ans Tageslicht gekommen und ihr dann lange vorgehalten worden. «Doch es war ja nicht gelogen», sagt sie – und der Schalk leuchtet noch heute in ihren Augen bei dieser Erinnerung.

Zurück aus dem Welschland reiste sie gleich nach Peru weiter. Der Krieg war vorbei und der Mann ihrer verstorbenen Tante, der seine kleine Tochter noch nie gesehen hatte, wollte, dass sie für die Schulzeit übers Meer zu ihm käme. Die Kleine war nun sieben – Gertrud bereits 23. Sie ging gerne mit und half ihrer Cousine, sich in der neuen Situation zu Recht zu finden. Für sie war das keine Frage: Wenn sie gebraucht wurde, war sie da. «Ein Kulturschock war’s dann aber schon», erzählt sie, «während wir in der Schweiz noch überall Kartoffeln anpflanzten – herdöpfleten – lebte mein Onkel als Witwer feudal, beschäftigte Köchinnen und Diener. Ich werde nie vergessen, wie gleich am ersten Abend mit weissen Handschuhen Crevetten serviert wurden.» Noch nie zuvor hatte sie Meeresgetier gesehen, geschweige denn gegessen!

 

Unerschrocken engagiert

 

Gertrud Bremi aber, unkompliziert und gewohnt anzupacken, fand auch in Peru schnell ihren Platz. Sie begleitete ihre Cousine in die Schweizer Schule, sah sich da ein wenig um und meldete dem Direktor der Schule gleich, was sie vermisste: den Koch- und Handarbeitsunterricht! Ein solcher müsse dringlich eingerichtet werden. Sie muss diese Forderung mit grosser Überzeugung vorgebracht haben, denn alsbald meldete sich der Direktor bei ihr und schlug ihr vor, diese Sparten doch gleich zu übernehmen und an der Schule mitzuwirken. «Ein bisschen mulmig war mir da erst schon«, sagt sie, «ich hatte doch keine Ahnung vom Unterrichten.» Doch dann fasste sie sich ein Herz, schrieb ihrer ehemaligen Handarbeitslehrerin in Zollikon einen Brief, bat um Mithilfe, organisierte Nähmaschinen und begann mit dem Unterricht. Für den Kochunterricht nahm sie die älteren Schülerinnen gar mit zu sich nach Hause. «Und ab da», sagt sie zufrieden, «war der Handarbeits- und Kochunterricht an der Schweizerschule in Peru selbstverständlich.»

So unerschrocken wie damals in Peru blieb sie ihr Leben lang. Sie war die geborene Pionierin – gewitzt, klar und organisiert einerseits, schnell gelangweilt andererseits, wenn alles mal lief. Stets hielt sie die Augen für Neues offen, das unter ihrer Führung ebenfalls in perfekte Bahnen geleitet werden könnte.

So hatte sie nach drei Jahren Peru genug. Ihre Cousine hatte sich gut eingelebt, die neuen Unterrichtsfächer waren eingeführt – es brauchte sie da nicht mehr. Sie fühlte sich frei, wieder nach Zollikon zurückzukehren. Umso mehr als sie unterdessen nun genau wusste, was sie wollte: sich weiterbilden, am liebsten an der Schule für Soziale Arbeit. Das, so dachte sie, wäre die richtige Grundausbildung für ihre geplante Pionierarbeit, wo auch immer sie diese dann einsetzen würde.

Gesagt, getan. Und dann gleich eine volle Stelle angenommen, als Fürsorgerin bei der evangelischen Kirchgemeinde Neumünster. Dass sie da bis zu ihrer Pensionierung bleiben würde, war nicht vorauszusehen. Doch so war es und blieb doch jeden Tag interessant. Denn Gertrud Bremi hat sich in all dieser Zeit mitnichten an Routinearbeiten gewöhnt – im Gegenteil. Es ist ihr mit ihrem Talent gelungen, sich innerhalb ihrer fürsorglichen Tätigkeit stets neue Aufträge zu erteilen, stets weitere Pionierfelder zu entdecken, die sie mit Köpfchen und Elan verbessern konnte.

 

Immer ein Schritt vor dem Fortschritt

 

Natürlich sprach sich das dann auch über die Stadtgrenze hinweg herum. So wurde sie zum Beispiel gebeten, sich des Kinderheims im Zollikerberg anzunehmen, das still vor sich hin «serbelte». Unerschrocken analysierte sie die Lage und strukturierte das ehemalige Kinderheim in eine moderne Krippe um. Oder man konfrontierte sie mit dem Umstand, dass es wohl für Arm und Reich Hilfe im Alter gebe, aber kein rechtes Altersheim für den Mittelstand. Darauf setzte sie sich aktiv und mit grossem Erfolg für die Altersüberbauung Inselhof im Seefeld ein. Wo sie war, ging es effizient vorwärts. Dafür sorgte sie gekonnt.

Auch im Berufsverband Sozialarbeitender Zürich wurde man auf sie aufmerksam und fragte sie gleich für den Präsidentinnenposten an. Sie nahm gerne an. Als Präsidentin hatte sie grosse Gestaltungsmöglichkeiten. Ihre besondere Gabe, die Stärken ihrer Mitmenschen zu spüren und zum Erblühen zu bringen, kam auch hier gut an. So initiierte sie beispielsweise wöchentliche Lunchs mit Vorträgen zur Weiterbildung und förderte so sowohl Grundwissen wie fachlichen Austausch unter der Zuhörerschaft. Unter ihrer Leitung sprudelten die Ideen für weitere Veranstaltungen und wurden mit Begeisterung umgesetzt.

So arbeitete sie kontinuierlich, bildete sich, gab ihr Wissen auch gerne weiter, war emsig und eifrig, doch stets im Hintergrund. Die Pensionierung setzte ihr da keine Grenze. Als Vorstandsmitglied des gemeinnützigen Frauenvereins Zürich und Fachfrau für organisatorische Fragen war sie lange darüber hinaus aktiv.

Dabei war sie im Kreise ihrer grossen Familie immer aufgehoben. «Heiraten hätte ich vielleicht schon mal wollen», sagt sie, «doch das hat sich dann nicht ergeben.»Lange hat sie mit ihrer Mutter zusammen in der einen Wohnung im Elternhaus gewohnt, ihr Bruder mit seiner Familie in der andern. Später ist sie ein paar Häuser weitergezogen. Die Grossfamilie ist zahlreich, der Familienzusammenhalt stark. Besonders eng ist er im Alter wieder mit ihrer Cousine geworden. Diese wohnt, länger schon aus Peru zurück, wieder in der Schweiz. Sie treffen sich oft und telefonieren zwei- bis dreimal wöchentlich miteinander, um sich aus ihrem Alltag zu erzählen und sich über aktuelle Zeitungsmeldungen auszutauschen.

Denn auch wenn Gertrud Bremi nun bereits 92 ist, ihr Leben lang gearbeitet und ihre Ferien jeweils dazu genutzt hat, alle Kontinente zu bereisen: Ihr Interesse an der Welt hat nicht nachgelassen. Die Zeitung – die Tageszeitung wie auch den Zolliker Boten – liest sie auch heute noch nicht bloss manchmal, sondern immer. (db)

 

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Donnerstag, 12. März 2015

Strategien schlauer Frauen

«Wie geht Karriere?» Die Zolliker Autorin und Journalistin Barbara Lukesch beleuchtet in ihrem neuen Buch erfolgreiche Taktiken weiblicher Persönlichkeiten. An der Vernissage am Montagabend im Kaufleuten herrschte Grossandrang.

Schlau sind nicht nur die im Buch vorkommenden Frauen. Schlau ist auch die Autorin selbst. In ihrem neuen Buch analysiert Barbara Lukesch nicht einfach Strategien für eine erfolgreiche Karriere. Nein, die Zollikerin lässt die Frauen gleich selber zu Wort kommen und ermöglicht so einen sehr persönlichen Einblick in verschiedenste Lebenswege. Abwechslungsweise in Interviewform oder als Porträt stellt sie 16 völlig unterschiedliche Frauen vor. Frauen, die mit oder ohne Kinder Karriere machen. Frauen, die von Anfang an durchstarteten genauso wie solche, die auf den richtigen Zeitpunkt warteten. Frauen mit Bilderbuchkarrieren und solche mit Umwegen. Frauen, die fordern und gefördert wurden. Frauen, die sich in einer Männerdomäne behaupten und selbst eine Frauendomäne geschaffen haben. Ob sie an der Spitze angekommen sind oder aber sich bewusst nicht für den obersten Podestplatz entschieden haben, eins haben sie alle gemeinsam: Es sind Frauen, die wissen, was sie wollen.

Eine, die bereits ganz früh und ohne einen Plan B zu haben wusste, wohin sie ihr Weg führen sollte, ist die in Zollikon aufgewachsene Tilla Caveng. Barbara Lukesch kannte die heute 24-jährige Jus-Studentin bereits als Kind. Als sie Jahre später von deren Mutter erfuhr, wie zielstrebig diese ihren Weg geht, war für die Autorin klar, dass sie Tilla Caveng für ihr Buchprojekt anfragen würde. «Die Antwort kam mit Lichtgeschwindigkeit», erzählt Barbara Lukesch am Montagabend im Kaufleuten anlässlich ihrer Buchvernissage. Tilla Caveng ist eine der vier Frauen, die an diesem Abend Tages-Anzeiger Chefredaktor Res Strehle gegenübersitzen und Einblick in ihre Laufbahn geben. Dass sie Anwältin werden wolle, habe sie schon mit 14 gewusst, erzählt Tilla Caveng. Ihren Weg ging sie konsequent: Schon zu Beginn ihres Studiums trat sie einer europäischen Studentenvereinigung bei, deren Zürcher Sektion sie später auch präsidierte, sammelte praktische Erfahrung in einem international tätigen Unternehmen, absolvierte ein mehrwöchiges Praktikum in einer der grössten Anwaltskanzleien Zürichs und investierte in eine private Weiterbildung in England. In ein paar Monaten wird sie wohl ihren Master machen, der nächste Schritt dürfte die Anwaltsprüfung sein. «Dass ich heute stehe, wo ich stehe», sagt die Studentin, «verdanke ich meinem Engagement.» Stets gebe sie ihr Bestes und treibe ihre Ausbildung voran. Sie will vorwärtskommen. «Und möglichst viel von der Welt sehen.» Dabei helfe ihr auch ihr internationales Netzwerk, welches sie mit ihrer Mitarbeit in der Vereinigung aufgebaut habe. «Sehr viele Möglichkeiten ergeben sich über ein gutes Netzwerk», ist sie überzeugt.

 

Gut vernetzt

Das Networking wurde an diesem Abend mehrmals angesprochen. Auch Brida von Castelberg, die nicht nur als erste Chefärztin in der Frauenklinik am Zürcher Triemlispital Geschichte schrieb, sondern auch damit, dass sie ihre Nachfolgerin Stephanie von Orelli mit einem Job- beziehungsweise Top-Sharing selber aufbaute, unterstrich ebenfalls dessen Wichtigkeit. Fügte aber auch gleich an, dass Frauen in diesem Bereich noch viel von den Männern lernen können. Sie organisiere öfters Frauenfeste, wo sich erfolgreiche Frauen verschiedenster Branchen zum Schwatz treffen. «Man nennt sich beim Vornamen und weiss oft nicht einmal, wie die Gesprächspartnerin mit Nachnamen heisst», erzählt sie und bringt das Publikum zum Lachen: «Am Ende des Abends geht keine einzige Frau mit ein paar neuen Visitenkarten nach Hause.» Ein gutes Netzwerk sei auch für die Organisation von Beruf und Familie von Vorteil, meint Stephanie von Orelli, die nicht nur eine Topkarriere hingelegt hat, sondern auch noch Mutter dreier Kinder ist.

 

Gefragte Härte

Eine bewegte Karriere hingelegt hat die «Überfliegerin» Beatrice Tschanz. 20 Jahre lang arbeitete die heute 70-Jährige als Journalistin und durchlief alle Bereiche von der Reporterin bis zur Chefredaktorin bei verschiedenen Titeln. Zu nationaler Bekanntheit brachte sie es als Kommunikationschefin der Swissair. «Wer, wenn nicht sie», fragte Barbara Lukesch mit sichtlicher Vorfreude, «kann die Frage meines Buchtitels beantworten?» Der Kommunikationsprofi trat auf, wie von Barbara Lukesch angekündigt: kompetent, witzig, offen und um keine Antwort verlegen.  Eine Strategie habe sie nie entwickelt, und wenn, dann hiesse diese Authentizität: «Ich war und bin immer mich selbst.» Nur so könne jemand gut sein. Stets zu brillieren, gehe aber nicht: Scheitern sei ein Teil jeder Karriere, diese könne nicht nur immer aufwärtsgehen. «Frauen gehen nicht über Leichen», ist sie sich sicher, «aber sie müssen harte Entscheidungen treffen können.» Härte brauche es für unpopuläre Beschlüsse ebenso wie für den Umgang mit Enttäuschungen, Niederlagen und Zurückweisungen. Das Wichtigste von allem sei die Freude. «Was man macht, muss einem Freude machen!»

Und genau das machten die vier Frauen an diesem Abend stellvertretend für Barbara Lukeschs Buch. Frauen, die offen und ehrlich vom Mut erzählen. Mut, den sie brauchten, sei es um sich zu exponieren, um zu scheitern und wieder aufzustehen oder um vieles neu und einiges anders zu machen. Ihnen zuzuhören und über sie zu lesen, machte nicht nur Freude, sondern auch Mut – vielleicht Mut zur Karriere, sicher aber Mut zur Schläue und in wünschenswerter Weise Mut, das zu tun, was einem Freude macht. (mmw)

 

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Fröhlich Info AG