Amtliches Publikationsorgan der Gemeinde Zollikon

Donnerstag, 20. November 2014

Zwei langjährige Restaurants schliessen

Nach 26 Jahren hört das Gastgeberpaar Olivia und Louis Wirtz auf: Die Zollikerstube schliesst am 19. Dezember. Lange war unklar, wie die Räumlichkeiten künftig genutzt werden sollen.  Nun sucht der Gemeinderat eine Nachfolge. Auch im Zollikerberg schliesst ein Restaurant auf Ende Jahr seine Türen.

 

War er nicht auf der Jagd, so stand er in seinem «Bistro»: Louis Wirtz ist nicht nur Chefkoch, sondern auch Jäger und Jagdaufseher im Revier Zollikon, in Männedorf und Uetikon. 26 Jahre bliesen er und seine Frau zum Wildessen, verwöhnten sie ihre Gäste mit einer reichen Auswahl an köstlichen Gerichten. Die Speisekarte passte das Ehepaar immer auch den anderen drei Jahreszeiten an, auf frische und einheimische Produkte wurde in der Zollikerstube, auch Louis‘ Bistro genannt, viel Wert gelegt.

Im kommenden Sommer wären es 26 Jahre gewesen, an denen das Pächterpaar fast Tag und Nacht für seine Gäste da war, zu Beginn gar sieben Tage die Woche von 8 bis 24 Uhr, bevor der Sonntag als Ruhetag festgelegt wurde. Tag und Nacht arbeiten trifft auf Louis Wirtz ganz besonders zu, muss er als Jagdaufseher doch oft auch nachts ausrücken, um beispielsweise bei einem Wildunfall die Tiere von ihrem Leiden zu erlösen. Häufig ging er zu später Stunde auch jagen, damit er die Gäste am Tag mit selbstgeschossenem und abgehangenem Wild beglücken konnte. Mit 68 Jahren gelte es nun, kürzer zu treten, sagt der Gastronom, dessen Ausdruck in den Augen klar macht: Einfach wird dieser Abschied nicht. Mit der Gemeinde war Louis Wirtz nicht nur durch seine gastronomischen Betriebe verbunden  –bereits früher führte er im Zollikerberg über zehn Jahre  ein Restaurant – sondern auch durch seine Engagements bei der Jagdgesellschaft sowie dem Sportclub Zollikon und dem Hundesport. «In Zollikon kenne ich jeden Baum», lacht er und es wäre wohl nicht verfehlt festzuhalten, dass er auch genauso viele Gesichter aus Zollikon und der Umgebung kennt.

 

Pächter sollen selber wirten

Den Kontakt mit ihren Gästen hätten sie beide immer gesucht und geschätzt, sagen Olivia und Louis Wirtz unisono und betonen die grosse Stammkundschaft, die ihnen über das Vierteljahrhundert die Treue hielt. «Für sie wünschen wir uns ganz besonders, dass das Restaurant in ähnlichem Stil weitergeführt wird», sagt Olivia Wirtz und Louis ergänzt, «das Essen soll abwechslungsreich und gut sein, der Preis vernünftig.» Sie hätten sich stets zwischen der «Dorfbeiz» Truube und dem eher gehobenen Niveau des Gasthauses Rössli zu positionieren versucht. «Viele unserer Gäste kehrten auch in  anderen, preislich höher angesiedelten Wirtschaften ein», das Publikum in der Zollikerstube sei sehr durchmischt gewesen.
Was die Gemeinde, Besitzerin des Lokals im Parterre des Gemeindehauses, für Absichten mit der Zollikerstube hat, liess sie lange offen – Louis und Olivia Wirtz kündigten bereits im letzten Jahr an, auf Ende 2014 den Betrieb aufzugeben. Anfangs dieser Woche verschickte sie nun eine Mitteilung, in der es heisst, dass eine Nachfolge gesucht wird, welche die Zollikerstube im Dorfkern mit Elan und Herzblut weiterführen möchte. «Das Angebot soll weiterhin Familien, Gewerbe und Vereine ansprechen.» Dass nicht früher über die Absichten, nämlich das Restaurant ähnlich dem Konzept Wirtz weiterzuführen, informiert wurde, bedauert Liegenschaftenvorsteher Bernhard Ecklin auf Anfrage. «Das hätte Verunsicherung seitens der Stammgäste vermieden.» Über das weitere Vorgehen sei man sich mit dem Wirtepaar Wirtz einig und arbeite eng zusammen. Der Nachfolgepächter werde die Auflage haben, selber zu wirten respektive zu kochen, eine Restaurantkette mit auswärtigem Personal, das keinen Bezug zu Zollikon hat, sei nicht erwünscht. Das Restaurant soll nach einer sanften Erneuerung der Infrastruktur im Frühling 2015 wieder geöffnet werden, über die Pacht werde im Februar entschieden.

 

«Rosengarten» schliesst Ende Dezember

Gemeinderat Bernhard Ecklin zeigt sich dankbar, dass Louis Wirtz ihn mit seinem Know-how bei der Nachfolgesuche unterstützt. «Wenn der Wunsch da ist, würde ich auch unserem Nachfolger in der Anfangszeit beratend zur Seite stehen», sagt Louis Wirtz, dem auch das gute Verhältnis zur Gemeinde stets sehr wichtig war. «Dieses ist zentral, um sich wohl zu fühlen und genau das haben meine Frau und ich mich über all die Jahre.» Genau deshalb ist ihnen auch gelungen, den Gästen zu bieten, was der Name verspricht: Eine Stube von und für Zollikon.

Um ihre «Stube» zittern zurzeit in Zollikon auch die Bergler. Das Ristorante Rosengarten schliesst am 23. Dezember ebenfalls seine Türen. Die Remimag Gastronomie AG, die das für seine Kinderfreundlichkeit bekannte Restaurant an der Forchstrasse über 33 Jahre lang gepachtet hatte, bestätigt gegenüber dem Zolliker Boten, dass der Pachtvertrag nicht verlängert wurde. Grund dafür seien die Pachtzinsforderungen gewesen, die sie nicht mehr bereit gewesen sei, zu übernehmen. Das Lokal werde weiterhin als Restaurant weitergeführt, sagt die Besitzerfamilie auf Anfrage, weitere Angaben werden zurzeit noch nicht gemacht. Dieser Umstand verunsichert viele im Berg. Der Rosengarten sei kein x-beliebiges Restaurant, sondern einer der wenigen Treffpunkte im Zollikerberg, der sehr viel zum gesellschaftlichen und sozialen Wohlbefinden beiträgt, meint etwa Ursula Dätwyler. Dieser Gegebenheit solle Rechnung getragen und das Lokal im gleichen Geist weitergeführt werden, ist ihr Appell an die Hauseigentümer. «Ein Nobelrestaurant oder eine asiatische Küche wären hier fehl am Platz.» (mmw)

 

Freitag, 21. November 2014

Das «kleine Format» eröffnet

Die Tür zur Villa Meier-Severini blieben  den ganzen Abend über weit offen stehen. Die Ausstellung überraschte einmal mehr mit den kleinen Formaten in Fotografie, Malerei, Plastik und Skulpturen.

 

Die vielen Interessierten und Kunstfreunde gaben sich fast ununterbrochen die Klinke in die Hand. Drinnen, in den stattlichen Räumen der Villa, drängten sich die Gäste der Vernissage. Da gab es vieles zu beschauen und zu bewundern, Starres, aber auch Bewegtes. Originelle Materialien und bunte Figuren, für jeden Geschmack findet sich ein Objekt. Schliesslich haben fast 100 Künstlerinnen und Künstler zur Ausstellung ihren Beitrag geleistet. Ein spezieller Blickfang beim Eingang ist der auffällige «Kleinomat». Der ehemalige Zigi-Automat, der frühere Zigarettenschachteln ausspuckte, liefert heute als  Kleinomat künstlerische Kleinstwerke. Auch hier ist die Vielfalt fast unerschöpflich und jedes Kunstwerkchen eine Wundertüte für nur acht Franken.

Andrea Pfister begrüsste die Gäste der Vernissage und bezeichnet die Villa als ihr Zuhause für einen Monat, da in dieser Zeitspanne im Vorfeld der Ausstellung immer bis in die Nacht hinein gearbeitet wurde. In einem geschichtlichen Kurz-Exkurs erzählte Urs Fellmann, Gemeinderat und Finanzvorstand, in seiner Laudatio, dass dieses Haus von Anfang an in der Hand von Künstlern gewesen sei. «Seinen Namen hat es von der reichen Milchhändlertochter Meier aus Zollikon, die den italienischen Conte Severini ehelichte. Der Brautvater dachte sich wohl, dass aus der Verbindung mit einem Adligen neben Stand auch noch mehr Wohlstand in die Familie komme. Aber der italienische Nobelmann war dem Vernehmen nach ein ganz besonderer Künstler – ein Lebenskünstler. Mittellos und in keinem einschlägigen Verzeichnis als Conte aufzufinden.» Dies sei zumindest die Version einer  Zeitzeugin. Mit der Sammlung König seien danach die richtigen Künstler eingezogen, deren Skulpturen jetzt noch im Garten der Villa zu besichtigen sind. Etwas später kam dann auch das kleine Format dazu, welches dieses Jahr zum 29. Mal durchgeführt wird. (cef)

 

Die Ausstellung ist noch bis zum 20. Dezember jeweils Mittwoch, Freitag, Samstag und Sonntag von 13 – 17 Uhr und Dienstag und Donnerstag von 16 – 20 Uhr zu besuchen. www.daskleineformat.ch

 

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Freitag, 21. November 2014

Dem Krieg den Krieg erklären

Zollikon erhielt am letzten Sonntag hohen Besuch aus Syrien. Der Erzbischof der Melkitischen Griechisch-katholischen Kirche aus Aleppo erzählte in einem Vortrag in der katholischen Kirche über die Situation der Christen in Syrien. Dabei hätte ein Vorfall auf seiner Reise aus Syrien nach Europa ein böses Ende nehmen können.

 

Es geschieht nicht oft, dass man hier die Möglichkeit erhält, Menschen, die aus dem seit über drei Jahren im Bürgerkrieg steckenden Syrien kommen, direkt zu begegnen. Noch seltener ist es, dass diese Menschen nach einem Kurzaufenthalt in Europa wieder ins vom Krieg erschütterte Land zurückkehren. Der Erzbischof der Melkitischen Griechisch-katholischen Kirche von Aleppo, Youhanna Jeanbart, ist ein solcher Augenzeuge. Er ermöglichte es über 40 Interessierten, ihm in der katholischen Kirche am Sonntag Fragen zu stellen und mehr über die Situation in Syrien zu erfahren.

Dabei grenzt es an ein Wunder, dass der Erzbischof es überhaupt heil in die Schweiz geschafft hat. Auf der Autofahrt von Aleppo nach Beirut im Libanon, so erzählt der Bischof, sei er von einer bewaffneten Bande verfolgt worden, die auf das Auto schoss. Zwei Reifen gingen kaputt, das Auto drehte sich und kam zum Stillstand. Die Bande näherte sich, sah die Insassen – und zog davon. Wieso der Fahrer und der Bischof keinen Schaden davongetragen haben, versteht der Geistliche selbst nicht: «Vielleicht, weil sie sahen, dass wir keinen Besitz hatten? Oder weil sie bemerkten, dass ich ein Ordensmann bin? Oder vielleicht weil zwei Reifen des Fahrzeugs schon kaputt waren und es deshalb wertlos war?», stellt er Vermutungen an. Er ist froh, heil angekommen zu sein, um über die Situation in seinem Heimatland zu berichten und die Bevölkerung in der Schweiz auf das Geschehen in Syrien aufmerksam zu machen.

Erzbischof Youhanna Jeanbart ist seit 19 Jahren in Aleppo, der zweitgrössten Stadt Syriens als Bischof der Melkitischen Griechisch-katholischen Kirche tätig. Gleichzeitig ist er auch für diese Kirchgemeinde in Westeuropa zuständig. Deshalb hat er auch die Möglichkeit, aus- und wieder einzureisen. Christen machen ungefähr zehn Prozent der syrischen Bevölkerung aus; die Mehrheit der Einwohner ist muslimisch. Die Melkitische Griechisch-katholische Kirche ist eine von verschiedenen dort existierenden christlichen Gemeinschaften; sie ist mit der römisch-katholischen Kirche uniert.

 

Taktik der verbrannten Erde

Kriege, so beginnt der Geistliche auf französisch, das simultan übersetzt wird, habe er in der Region schon viele erlebt. Aber so schlimm wie jetzt sei es nie gewesen. «Es ist ein unmenschlicher Krieg, dessen Strategie die barbarische Taktik der verbrannten Erde ist», erzählt er. Es werde gestohlen und zerstört: Krankenhäuser, Fabriken, Schulen, Gesundheitszentren. «Es ist eine Katastrophe und eine Tragödie.» Entführungen, Autobomben, bewaffnete Überfälle zählt er die Schrecken auf. Auch Bischöfe, Priester und Ordensfrauen werden nicht verschont; viele wurden entführt, einige umgebracht. Mehrere hundert «Märtyrer» seien zu beklagen, Christen, welche umgebracht wurden, weil sie ihrem Glauben nicht abschwören wollten, so der Geistliche. Dabei, so erklärt er, komme es darauf an, wo man wohne und unter wessen Kontrolle man stehe. Ein Teil Aleppos stehe unter der Herrschaft der Regierung; da geniesse man einen gewissen Schutz. Die Vororte unterstehen Rebellengruppen.

In seinem Vortrag scheut sich der Bischof nicht, seine politische Meinung kundzutun. Das Zusammenleben zwischen Christen und Muslimen habe, so der Bischof, vor dem Beginn des Aufstands funktioniert. Die Christen seien nicht schlecht behandelt worden; man habe sich nicht in die Politik eingemischt. Das Regime war diktatorisch, bestätigt er, und nur eine Partei habe geherrscht. Anfangs habe er den Aufstand deswegen auch als legitim angesehen, als Kampf für Demokratie und Freiheit. Doch mit der Zeit sei er kritischer geworden. Er hält es nicht für einen Aufstand, sondern für ein Komplott. «Es ist ein zerstörerischer Krieg, der von verschiedenen Nationen auf syrischem Boden geführt wird.» Waffen, Geld, Dschihadisten werden aus dem Ausland nach Syrien geschickt. Die Rebellen seien nicht an der Sicherheit des Volkes und der Verbesserung der Situation interessiert, ist der Bischof überzeugt.

 

Warum so viel Unglück?

Aleppo, die einstige Wirtschaftsmetropole des Landes, mit ihrer 7000-jährigen Geschichte, sei menschlich, materiell und wirtschaftlich verwüstet. Vom früheren Reichtum der Stadt ist nicht viel übrig geblieben. «Warum so viel Unglück in einem so schönen Land?», fragt er. Seine Kirche versucht mit Projekten und Spenden, welche sie auch aus Zollikon erhält, die ärmsten Familien zu unterstützen; und auch die Christen davon abzuhalten, auszuwandern. In Syrien, so der Kirchenmann, entstand einst die erste christliche Gemeinde der Welt. Seit fast 2000 Jahren existiert das Christentum dort. «Wir waren Zeugen der Geburt der Kirche», betont er. Auch in Zukunft solle das Christentum Teil des Nahen Ostens bleiben. Er hofft auf ein Ende des Krieges, auf Dialog und eine politische Lösung. Christen, wie andere Syrer, wollen in Frieden leben können. Für Christen wäre ein politisches System, welches konfessionslos und pluralistisch ist, die ideale Lösung. «Wir müssen dem Krieg den Krieg erklären», zeigt sich der Bischof kämpferisch. Damit sich die Leute wieder versöhnen. Er weiss selbst am besten, wie schwierig diese Aufgabe ist. (sab)

 

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Freitag, 21. November 2014

Mit dem Duft der Welt vertraut

Nach Zollikon kam Marie-Claude Arbenz zufällig. Auch wenn es ihr hier gefällt, ewig wird sie dennoch nicht bleiben. Die Welt zu entdecken, wurde ihr in die Wiege gelegt.

 

Sie bezeichnet sich selber als ein klein wenig verrückt. Oder, wie sie es zu sagen pflegt, «out of the mainstream». Oft wechselt die 48-Jährige mit dem starken französischen Akzent ins Englische. Das hat – genau wie ihre Selbsteinschätzung ­– viel mit ihrem Lebenslauf zu tun.

Marie-Claude Arbenz’ Eltern kommen aus dem Welschland, bevor sie aber selbst dort lebte, verbrachte sie mehrere Jahre im Ausland. Geboren im Iran, folgten weitere vier Jahre in Moskau, für kurze Zeit war sie in Bern, dann in Lissabon und als Jugendliche schliesslich an der Elfenbeinküste zuhause. Marie-Claude Arbenz ist Diplomatentochter. Sie sagt es nicht ohne Stolz. Ihr Vater, Jean Olivier Quinche, war Ende der Sechziger Jahre bis Mitte Neunziger Jahre Diplomat in Moskau und anschliessend Schweizer Botschafter in Abidjan, Pretoria, Tel Aviv sowie in Warschau. Sein Weg vom Mitarbeiter des dazumal Eidgenössischen Politischen Departements EPD (heutiges EDA, Eidgenössisches Amt für auswärtige Angelegenheiten) zum Diplomat führte die Familie Quinche in zahlreiche Länder, Städte und Kulturen. Eine Erfahrung, welche die heutige Wahl-Zollikerin auf keinen Fall missen möchte. Natürlich sei es nicht immer einfach gewesen. Die häufigen Schulwechsel. Das Zurücklassen von Freunden. Der stetige Neuanfang. Und dennoch: «Ich kann mich heute problemlos anpassen», sagt die aufgestellte Blondine, deren Muttersprache Französisch ist und die ausgenommen von Afrika auch immer französische Schulen besuchte, «es ist die Kraft, die mir das Leben meines Vaters gab.»  Von den verschiedenen Ländern und den unterschiedlichen  Kulturen, die sie kennenlernen durfte, erzählt sie nur positiv. Aber auch ehrlich. «Natürlich waren wir als Diplomatenkinder immer etwas Besonderes», oft hätten sie abgeschirmt gelebt, teils auch mit einigen Bediensteten, immer gut situiert. Die Personen, die sie durch ihren Vater getroffen hat, bezeichnet sie als mächtig und interessant. Heute würden ihr solche Kontakte fehlen, sagt sie, und reflektiert laut: «Bin ich vielleicht zu exotisch?»

 

Ein Herz für Tiere

In der Schweiz absolviert Marie-Claude Arbenz als junge Erwachsene die französische Matur, studiert Recht, verlässt das Studium aber frühzeitig, als ihr eine Stelle im Bereich Marketing und PR angeboten wird. Mit 22 trifft sie ihren Mann, lebt mit ihm ein Jahr in Zürich, wo Tochter Chloé auf die Welt kommt, bevor die Familie Berufes halber für fünf Jahre nach Texas zieht.

In Amerika stösst Sohn Mick zur Familie. Neben Haushalt und Kindern kümmert sich Marie-Claude Arbenz auch um verwahrloste oder misshandelte Tiere, engagiert sich in einem Verein, der sich für Hunde und Katzen einsetzt. «Ich war schon immer eine grosse Tierliebhaberin», sagt sie und vergleicht ihr Engagement mit demjenigen Brigitte Bardots, die sich nach ihrem Rückzug aus dem Filmgeschäft als prominente Tierschützerin  positionierte.

Zurück in der Schweiz – und für einmal war Marie-Claude Arbenz froh darüber, denn die Texaner empfand sie als distanziert und oberflächlich – lebt die Familie Arbenz zusammen mit Mischlingsrüde Champ, den die Tierfreundin aus Texas mitgenommen hat, fortan in Zürich.

Nach 10 Jahren Ehe kommt es zur Scheidung. Die darauffolgenden Jahre bezeichnet Marie-Claude Arbenz als schwierig und schmerzvoll. Nicht nur mit der neuen Situation habe sie sich zurechtfinden müssen, auch eine Arbeit musste sie suchen. Zu Nutze machte sie sich dabei ihre Mehrsprachigkeit,  die ihr bereits mit 19 Jahren an der Universität Lausanne die Möglichkeit gab, als Privatlehrerin einen Pfarrer aus Costa Rica zu unterrichten.

Heute arbeitet sie als Freelancerin und unterrichtet Französisch, Englisch und Portugiesisch für Firmenkunden. Ob Anwaltskanzlei, Bank, Fluggesellschaft oder Medienhaus, Marie-Claude Arbenz’ Schüler kommen aus den unterschiedlichsten Branchen, bringen die verschiedensten Hintergründe mit. Genau das liegt ihr, der Kontakt mit Menschen sämtlicher Couleur, das ist es, was sie liebt und schätzt. «Viel zu oft haben die Menschen Berührungsängste», meint sie, besonders treffe dies auf Schweizer zu. Obwohl sie selbst den roten Pass besitzt, fühle sie sich viel mehr als Französin. Einst in Südfrankreich zu leben, ist ihr grosser Traum.

 

Gewürze aus der ganzen Welt

Hinter Bücher setzt sich Marie-Claude Arbenz aber nicht nur fürs Unterrichten, auch sonst verbringt sie viele Stunden ihres Lebens zwischen Buchdeckeln. Lesen ist neben Backen ihre grosse Leidenschaft. Ob Aristoteles, Platon, Nietzsche oder Krishnamurti, von philosophischen Werken könne sie kaum genug kriegen. «Ich habe verrückt viel gelesen.» Bücher bezeichnet sie als beste Therapie. Sie selber sei tief romantisch, über die Liebe zu lesen, sei fast so schön, wie sie selbst zu erleben. Dass Amors Pfeil sie nochmals getroffen hat, habe sie ebenso überrascht wie glücklich gemacht. «Nie hätte ich gedacht, mich nochmals in einen Schweizer zu verlieben», lacht sie, doch unverhofft kommt oft – heute ist sie wieder mit einem liiert. Ihr Freund, ein Zahnarzt mit ungarischen Wurzeln, der auch eine Wohnung in Budapest besitzt, jette ebenso gerne in der Welt herum wie sie. Das sei mitunter wohl auch der Grund, den sie zusammengebracht habe. «Ich freue mich, mit ihm noch möglichst viel von der Welt zu sehen.» Denn ob Madagaskar, Sansibar oder Vietnam, für die einstige Diplomatentochter gibt es noch viele Länder, die sie entdecken will. Bis es soweit ist, geniesst sie ihr Leben hier in Zollikon mit ihren Kindern und ihren Hunden und reist in ihren kulinarischen Blogs, die sie ebenso verschlingt wie literarische Werke.  Ihre Gewürzeküche – nie käme es Marie-Claude Arbenz in den Sinn, für Gäste schweizerisch zu kochen – brachte sie jüngst auf eine neue Idee. Sie möchte eine Backschule auf Französisch eröffnen. Denn wo lasse es sich besser debattieren, philosophieren und in Erinnerungen schwelgen als hinter Kochtöpfen und danach am Esstisch? (mmw)

 

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Donnerstag, 20. November 2014

Zwei langjährige Restaurants schliessen

Nach 26 Jahren hört das Gastgeberpaar Olivia und Louis Wirtz auf: Die Zollikerstube schliesst am 19. Dezember. Lange war unklar, wie die Räumlichkeiten künftig genutzt werden sollen.  Nun sucht der Gemeinderat eine Nachfolge. Auch im Zollikerberg schliesst ein Restaurant auf Ende Jahr seine Türen.

 

War er nicht auf der Jagd, so stand er in seinem «Bistro»: Louis Wirtz ist nicht nur Chefkoch, sondern auch Jäger und Jagdaufseher im Revier Zollikon, in Männedorf und Uetikon. 26 Jahre bliesen er und seine Frau zum Wildessen, verwöhnten sie ihre Gäste mit einer reichen Auswahl an köstlichen Gerichten. Die Speisekarte passte das Ehepaar immer auch den anderen drei Jahreszeiten an, auf frische und einheimische Produkte wurde in der Zollikerstube, auch Louis‘ Bistro genannt, viel Wert gelegt.

Im kommenden Sommer wären es 26 Jahre gewesen, an denen das Pächterpaar fast Tag und Nacht für seine Gäste da war, zu Beginn gar sieben Tage die Woche von 8 bis 24 Uhr, bevor der Sonntag als Ruhetag festgelegt wurde. Tag und Nacht arbeiten trifft auf Louis Wirtz ganz besonders zu, muss er als Jagdaufseher doch oft auch nachts ausrücken, um beispielsweise bei einem Wildunfall die Tiere von ihrem Leiden zu erlösen. Häufig ging er zu später Stunde auch jagen, damit er die Gäste am Tag mit selbstgeschossenem und abgehangenem Wild beglücken konnte. Mit 68 Jahren gelte es nun, kürzer zu treten, sagt der Gastronom, dessen Ausdruck in den Augen klar macht: Einfach wird dieser Abschied nicht. Mit der Gemeinde war Louis Wirtz nicht nur durch seine gastronomischen Betriebe verbunden  –bereits früher führte er im Zollikerberg über zehn Jahre  ein Restaurant – sondern auch durch seine Engagements bei der Jagdgesellschaft sowie dem Sportclub Zollikon und dem Hundesport. «In Zollikon kenne ich jeden Baum», lacht er und es wäre wohl nicht verfehlt festzuhalten, dass er auch genauso viele Gesichter aus Zollikon und der Umgebung kennt.

 

Pächter sollen selber wirten

Den Kontakt mit ihren Gästen hätten sie beide immer gesucht und geschätzt, sagen Olivia und Louis Wirtz unisono und betonen die grosse Stammkundschaft, die ihnen über das Vierteljahrhundert die Treue hielt. «Für sie wünschen wir uns ganz besonders, dass das Restaurant in ähnlichem Stil weitergeführt wird», sagt Olivia Wirtz und Louis ergänzt, «das Essen soll abwechslungsreich und gut sein, der Preis vernünftig.» Sie hätten sich stets zwischen der «Dorfbeiz» Truube und dem eher gehobenen Niveau des Gasthauses Rössli zu positionieren versucht. «Viele unserer Gäste kehrten auch in  anderen, preislich höher angesiedelten Wirtschaften ein», das Publikum in der Zollikerstube sei sehr durchmischt gewesen.
Was die Gemeinde, Besitzerin des Lokals im Parterre des Gemeindehauses, für Absichten mit der Zollikerstube hat, liess sie lange offen – Louis und Olivia Wirtz kündigten bereits im letzten Jahr an, auf Ende 2014 den Betrieb aufzugeben. Anfangs dieser Woche verschickte sie nun eine Mitteilung, in der es heisst, dass eine Nachfolge gesucht wird, welche die Zollikerstube im Dorfkern mit Elan und Herzblut weiterführen möchte. «Das Angebot soll weiterhin Familien, Gewerbe und Vereine ansprechen.» Dass nicht früher über die Absichten, nämlich das Restaurant ähnlich dem Konzept Wirtz weiterzuführen, informiert wurde, bedauert Liegenschaftenvorsteher Bernhard Ecklin auf Anfrage. «Das hätte Verunsicherung seitens der Stammgäste vermieden.» Über das weitere Vorgehen sei man sich mit dem Wirtepaar Wirtz einig und arbeite eng zusammen. Der Nachfolgepächter werde die Auflage haben, selber zu wirten respektive zu kochen, eine Restaurantkette mit auswärtigem Personal, das keinen Bezug zu Zollikon hat, sei nicht erwünscht. Das Restaurant soll nach einer sanften Erneuerung der Infrastruktur im Frühling 2015 wieder geöffnet werden, über die Pacht werde im Februar entschieden.

 

«Rosengarten» schliesst Ende Dezember

Gemeinderat Bernhard Ecklin zeigt sich dankbar, dass Louis Wirtz ihn mit seinem Know-how bei der Nachfolgesuche unterstützt. «Wenn der Wunsch da ist, würde ich auch unserem Nachfolger in der Anfangszeit beratend zur Seite stehen», sagt Louis Wirtz, dem auch das gute Verhältnis zur Gemeinde stets sehr wichtig war. «Dieses ist zentral, um sich wohl zu fühlen und genau das haben meine Frau und ich mich über all die Jahre.» Genau deshalb ist ihnen auch gelungen, den Gästen zu bieten, was der Name verspricht: Eine Stube von und für Zollikon.

Um ihre «Stube» zittern zurzeit in Zollikon auch die Bergler. Das Ristorante Rosengarten schliesst am 23. Dezember ebenfalls seine Türen. Die Remimag Gastronomie AG, die das für seine Kinderfreundlichkeit bekannte Restaurant an der Forchstrasse über 33 Jahre lang gepachtet hatte, bestätigt gegenüber dem Zolliker Boten, dass der Pachtvertrag nicht verlängert wurde. Grund dafür seien die Pachtzinsforderungen gewesen, die sie nicht mehr bereit gewesen sei, zu übernehmen. Das Lokal werde weiterhin als Restaurant weitergeführt, sagt die Besitzerfamilie auf Anfrage, weitere Angaben werden zurzeit noch nicht gemacht. Dieser Umstand verunsichert viele im Berg. Der Rosengarten sei kein x-beliebiges Restaurant, sondern einer der wenigen Treffpunkte im Zollikerberg, der sehr viel zum gesellschaftlichen und sozialen Wohlbefinden beiträgt, meint etwa Ursula Dätwyler. Dieser Gegebenheit solle Rechnung getragen und das Lokal im gleichen Geist weitergeführt werden, ist ihr Appell an die Hauseigentümer. «Ein Nobelrestaurant oder eine asiatische Küche wären hier fehl am Platz.» (mmw)

 

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