Zollikon

«Frisch wie eine Blume komme ich  in den Gemeinderat»

In einem Wahlkampf erfährt man, wer sich für ein Amt bewirbt und wofür diese Personen stehen. In Zollikon ist es im Gemeinderat nun aber zur stillen Wahl gekommen, weil nicht mehr Kandidaten zur Verfügung gestanden sind, als Sitze zu vergeben waren. So ziehen mit Sylvie Sieger und André Müller zwei in den Gemeinderat ein, die der Bevölkerung grösstenteils noch unbekannt sind. Wie gehen sie damit um und überhaupt, wer sind sie? Der ZoZuBo stellt die beiden neuen Gemeinderäte diese und nächste Woche vor.

Frau Sieger, Sie werden in den Zolliker Gemeinderat einziehen, ohne dass die Stimmbürger Sie haben wählen können. Was ist das für ein Gefühl?


Bei mir ist es bereits die zweite stille Wahl, ist es doch bei meiner zweiten Legislatur in der Schulpflege im Jahr 2010 ebenfalls zu einer solchen gekommen. Die Ausgangslage damals war natürlich eine völlig andere, hatte ich das Amt doch schon mal inne. Aber auch jetzt macht es mir nicht allzu viel aus, dass es zur stillen Wahl gekommen ist. Ich konnte Energie sparen, die ich wohl für den Wahlkampf gebraucht hätte, wäre es denn zu einem solchen gekommen. André Müller und ich kommen also ganz sicher nicht müde ins Amt. Eher frisch wie Blumen (lacht). Nicht gut hingegen finde ich, dass ich keine Auftritte in der Öffentlichkeit üben kann und mich auch nicht mit heiklen Fragen aus der Bevölkerung auseinandersetzen muss.

Das heisst, Sie hätten einen Wahlkampf bevorzugt?

Ja, hätte ich. Denn ich stelle mich gerne den Diskussionen und finde es wichtig, dass die Zolliker Bevölkerung mich kennt und offen auf mich zugeht. Natürlich hätte ich auch gerne gewusst, wie gross mein Rückhalt in der Bevölkerung ist. Ohne Wahlkampf fällt sozusagen der Puls der Bevölkerung weg. Für mich ist es deshalb umso wichtiger, vermehrt meinen Parteikollegen Urs Fellmann fürs Gemeindepräsidium zu unterstützen. Zusammen mit ihm war ich beispielsweise vergangenen Freitag in der Früh an der Bushaltestelle beim Gemeindehaus anzutreffen und freute mich über zahlreiche Begegnungen. Beim Einkauf am Zolliker Markt am Samstag war ich auch ganz gerührt, wie viele Gratulationen und positive Rückmeldungen ich bereits entgegennehmen durfte. Dies hat mich wirklich sehr gefreut.

Der Puls der Bevölkerung fällt weg. Können Sie denn überhaupt noch deuten, wie die Stimmung in der Bevölkerung ist?

Als Mitglied der Rechnungsprüfungskommission spüre ich die Stimmung zum Glück schon, gerade an Gemeindeversammlungen. Losgelöst von politischen Themen aber klar nicht. Deshalb ist es für mich auch so wichtig, an Standaktionen meiner Partei dabei zu sein und das Gespräch mit der Bevölkerung zu suchen.

Verpflichtet die stille Wahl zur zusätzlichen Sorgfalt, weil man nicht weiss, wie stark die Bevölkerung hinter einem steht?

Nein, das finde ich nicht. Ich bin Mitglied der FDP, die mich für dieses Amt ausgesucht und nominiert hat. Dort bin ich also quasi schon durch eine Wahl gegangen. Meine Positionen sind klar, die habe ich schon in meinen bisherigen Ämtern eingebracht. Zudem gab es ja noch die Nachmeldefrist, während der sich weitere Kandidaten hätten melden können, wenn sie so gar nicht einverstanden gewesen wären mit den bis anhin Nominierten. Aus diesem Grund finde ich nicht, dass eine zusätzliche Sorgfalt angebracht ist. An meinem Einstieg in den Gemeinderat ändert die stille Wahl nichts.

Welches sind denn Ihre wichtigsten Positionen, für die Sie sich ein­setzen?

Die Art und Weise, wie ich arbeite, zeigt bereits, wofür ich mich stark mache: für eine offene Kommunikation. Auf mich kann man zukommen, ich habe immer ein offenes Ohr auch für jene, die andere Ansichten vertreten als ich. Ich habe keine Angst vor unangenehmen Situationen, Diskussionen oder schwierigen Problemen. Auch in der RPK gab es solche und selbst als einzige Frau unter sechs Männern konnte ich mich da immer gut einbringen. Wir haben gemeinsam nach Lösungen gesucht und diese auch immer wieder gefunden. Mir ist es ein Anliegen, immer alle Fakten zu kennen, denn nur so können diese auch zusammengeführt werden. Ich denke gerne in Varianten, was aber eine offene Kommunikation bedingt: Nur wer alle Fakten und Sachverhalte kennt, kann diese auch abschätzen und kommt so zu besseren Entscheidungen. Klar einsetzen werde ich mich für einen sparsamen Umgang mit den Finanz- und Arbeitsmitteln in der Verwaltung.

Hat der Zolliker Gemeinderat bisher die von Ihnen angesprochene offene Kommunikation etwas vernachlässigt?

Das denke ich durchaus, ja. Die fehlende offene Kommunikation war auch eine der Rückmeldungen, die ich sowohl als Privatperson erhalten als auch als Mitglied der RPK erfahren habe.

Was sollten Zollikerinnen und Zolliker sonst noch über Sie wissen?

Als ich mir einen Wahlspruch überlegen musste, kam mir spontan meine Fitness in den Sinn. Ich habe so ein entspanntes und sicheres Netz zuhause in meiner Familie und in meinem Berufsleben, dass ich wirklich fit bin für dieses Amt. Es kann krachen und kommen, was wolle, mich erschüttert so schnell nichts. Durch meine verschiedenen politischen Ämter habe ich mir eine dicke Haut zugelegt. An- und zupacken gehören zu meinen Stärken, dies habe ich im Unternehmertum, in der Politik und in der Familie gelernt.

Was, ausser der dicken Haut, haben Sie aus Ihren bisherigen Behördenämtern noch mitgenommen?

Bei der Schulpflege war es klar die Projektführung von A bis Z, aber auch der Umgang mit Personen, die politisch nicht auf derselben Seite stehen wie ich. Ich habe gelernt, wie wichtig es ist zu verstehen, was das Gegenüber denkt und macht. Damit meine ich nicht nur die Abläufe in beispielsweise der Verwaltung oder der Schule, sondern auch die Haltung der Mitarbeitenden, die dahinterstehen. Ich bin überzeugt, dass wer sich interessiert zeigt und weiss, wie es läuft, nicht nur sein Amt besser ausführen kann, sondern auch mehr Verständnis und Offenheit erfährt. Dies führt dann auch zu guten politischen Lösungen. In der RPK habe ich die Details der Gemeindefinanzen kennengelernt und dass tabulose Diskussionen und gemeinsames Reflektieren zu guten Entscheidungen führen. Auch habe ich gelernt,mich gegen sechs Männer durchzusetzen. (lacht).

Im Zolliker Gemeinderat werden Sie voraussichtlich nicht die einzige Frau sein.

Darüber bin ich natürlich sehr froh. Mit Schulpflegepräsidentin Corinne Hoss habe ich immer gut zusammengearbeitet, sie war immer schon meine politische Vertraute und eine enge Freundin. Ich freue mich darauf, hoffentlich wieder mit ihr zusammenarbeiten zu dürfen.

Weshalb wollen Sie in Zollikon politische Verantwortung übernehmen?

Weil ich ein Machertyp bin und weiss, dass ich bereit bin für diese Verantwortung. Ich bringe eine breite Erfahrung aus Politik und Unternehmertum mit, eine perfekte Kombination, wie ich finde. Das erste Mal eine Gemeinderatskandidatur überlegt habe ich mir bereits vor vier Jahren, damals gab es aber innerhalb der FDP noch keinen Platz für mich. Mir wurde dann vorgeschlagen, mich für die RPK aufstellen zu lassen, was im Nachhinein die richtige Entscheidung war. Ich kam dank dieses Amtes dem Gemeinderat nochmals viel näher, habe sozusagen hinter die Kulissen blicken können und mich dem Gremium Schritt für Schritt genähert.

Wenn Sie freie Wahl bei der Ressortverteilung hätten, welches Ressort würden Sie wählen?

Die logische Folge wäre die Finanzabteilung, und dieser würde ich auch gerne vorstehen. Wir werden schauen, wie es kommt, nun muss sich ja zuerst einmal zeigen, wer das Präsidium übernehmen wird. (mmw)

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