Zumikon

Breite Zustimmung

In publikumsarmen Zeiten können Kasse und Kiosk von einer Person bedient werden. (Bild: zvg)

An der Gemeindeversammlung Zumikon wurde die Jahres­rechnung 2018 angenommen und der Badi-Kiosk endgültig in die Eigenregie überführt.

So macht ein Amt ­richtig Spass: Bei seiner Premiere eines Jahresabschlusses konnte Finanzvorsteher André Hartmann an der Gemeindeversammlung gleich einen Ertragsüberschuss von gut vier Millionen Franken verkünden. Gerechnet wurde mit einem Aufwandüberschuss von rund 1,5 Millionen Franken. Somit sieht die Jahresrechnung 2018 um 5,7 Millionen Franken besser aus als erwartet. Einnahmen in Höhe von 72 Millionen Franken stehen Ausgaben von gut 68 Millionen gegenüber.

Einen kleinen Haken zeigte die Präsentation an der schwach besuchten Versammlung mit 72 Stimmbürgern am Dienstag aber: Die tieferen Nettoinvestitionen im Verwaltungsvermögen basieren auf nicht realisierten und verschobenen Investitionen – zum Beispiel der Renovation des Gemeindehauses, der Juchschule und dem Abbau der Abwasserkläranlage. Das heisst: Die Ausgaben kommen, allerdings später. Zu dem guten Jahresergebnis haben aber andererseits auch höhere Steuereinnahmen und grosse Einsparungen unter anderem in den Bereichen Sach­aufwand beigetragen. Die Steuer­einnahmen lagen mit rund 28 Millionen Franken um 17 Prozent über der Prognose. Am Rande: Die Steuerkraft eines Zumiker Bürgers liegt bei 11 000 Franken. «Das ist doppelt so hoch wie im ganzen Kanton», unterstrich André Hartmann.

Weniger Schüler

Grosse Abweichungen zum Voranschlag gab es im Bereich Freizeit und Kultur. Zum einen fiel der Defizitbeitrag für das Freizeitzentrum niedriger aus, zum anderen brachte die Badi wesentlich mehr Einnahmen. So war mit 2,1 Millionen Franken an Kosten gerechnet worden, es entstanden real aber nur
1,7 Millionen Franken, was einer Abweichung von 19 Prozent entspricht. Die grösste Abweichung gab es allerdings im Bereich Umwelt und Raumordnung mit 31 Prozent zu verzeichnen. Hier fielen Mehreinnahmen bei Wasser- und Klärwerk, Abfallbeseitigung und -entsorgung an. Auch wurde bei der Bildung gespart, aber nicht an ihr. Durch die Schliessung einer Klasse und weniger Schülern an der Sekundarschule Zollikon-Zumikon konnten die Personalkosten gesenkt werden. Insgesamt wurden Investitionen in Höhe von knapp 6 Millionen getätigt, anvisiert worden waren 9,5 Millionen Franken.

Bei diesen Zahlen fand auch die Rechnungsprüfungskommission (RPK) keinen Grund zur Klage und empfahl in Person von Christoph Born dem Stimmvolk die Annahme der Rechnung. Der Antrag wurde ohne Diskussion einstimmig angenommen. Durch den Ertragsüberschuss der laufenden Rechnung beläuft sich das Eigenkapital der Gemeinde nun auf knapp 50 Millionen Franken. Als zweiter Punkt der ersten Gemeindeversammlung in diesem Jahr stand die definitive Ein­führung des Badi-Restaurants in Eigenregie zur Abstimmung. Drei Jahre lang war getestet worden, ob es sinnvoll ist, dass die Gemeinde dieses selber betreibt. Das Ergebnis: Ja.

Synergien nutzen

In den Jahren zuvor hatte der Restaurationsbetrieb immer wieder in der Kritik gestanden. Die wechselnden Pächter hatten in publikumsarmen Zeiten den Kiosk gar nicht geöffnet und führten nur wenige Frischprodukte. Im Anschluss wurde der Eingangsbereich so umgebaut, dass Kasse und Kiosk in schlecht frequentierten Zeiten im Ein-Personen-Betrieb geführt werden können. Zudem kann durch das Konzept der Selbstbewirtschaftung das Personal direkt Einfluss auf die Qualität der Gastronomie nehmen. In einer dreijährigen Testphase wurde ­damit ein durchschnittlicher Kostendeckungsgrad von 99 Prozent erreicht. Mit geringfügigen Anpassungen soll langfristig eine schwarze Null erreicht werden. Mit der einstimmigen Annahme des Antrags – nach der Empfehlung durch die RPK – durch die Stimmbürger folgt Zumikon vielen Gemeinden in der Region, die diesen Schritt bereits erfolgreich umgesetzt haben. Durch die Kombination der Betriebsteile ergibt sich eine betriebliche und personelle Synergie, die hilft, Auslastungsschwankungen aufzufangen.

Fragen zum Klimawandel

Im Anschluss nahm der Gemeinderat Stellung zu einer Anfrage gemäss Paragraph 17 des Gemeindegesetzes. So hatte sich eine Bürgerin mit konkreten Fragen zum Thema Klimawandel/Energiefragen an das Gremium gewandt. Jürg Eberhard antwortete darauf konkret, dass die Gemeinde weiter den Weg des ökologischen Bauens verfolge. Parallel verzichte sie auf ein subventioniertes Angebot für Energieberatungen, da es aus­reichend andere Anbieter gebe. Bei der Renovation des Gemeindehauses werde auf energiesparende Massnahmen geachtet. Auch werde die Gemeinde den Hausbesitzern weiterhin bei der Umstellung auf Solarenergie unterstützend zur ­Seite stehen. So konnten kürzlich Häuser der Genossenschaft in der Gandstrasse mit Solarpanels ausgestattet werden.

Im Anschluss berichtete Liegenschaften-Vorsteher Thomas Epprecht über die Entwicklung des Ersatzneubaus Feuerwehr, Werkhof und Altstoffsammelstelle. Auch hier sollen Synergien genutzt werden, parallel werde Wohnraum im Zentrum frei, dort, wo bislang die Feuerwehr untergebracht war. Eine erste Visualisierung zeigte, dass auch hier Solarenergie eingesetzt werden soll. Durch klare An- und Abfahrtswege soll das aktuelle Verkehrschaos rund um die Sammelstelle der Vergangenheit angehören. «Wer an einem Samstagvormittag schon mal vor Ort war, weiss, wovon ich rede», fügte Stefan Bührer, Vorsteher Tiefbau, an. Der nächste Schritt zur Realisierung ist die Urnenabstimmung im November. Bei Zustimmung kann bis Ende März 2020 ein Subventionsgesuch gestellt werden.

Den Abschluss des Abends machte Andreas Hugi, Präsident der Schulpflege. Er stellte das Pilotprojekt «Elternkonto» vor, das Ende des Jahres starten soll. Mittels einer App sollen Eltern und Schule zum Austausch von Informationen in Kontakt treten können. Im September werden auch die Ergebnisse der zurzeit laufenden Schulevaluation vorliegen und in das neue Schulprogramm 2019 bis 2023 einfliessen. (bms)

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