Amtliches Publikationsorgan der Gemeinde Zollikon

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Freitag, 20. Juli 2012

Ein aussergewöhnlicher Gast am Ironman

Eine Woche lang war Peter Boronkay zu Besuch in Zollikon. Eingeladen wurde der Para­triathlon-Weltmeister von den Organisatoren des Ironman, denn leisten hätte er sich die Teilnahme an dieser Veran­staltung selbst nicht können.

Das wechselhafte, kühle Wetter bedeutete eine zusätzliche Herausforderung für die Teilnehmer am Züri Triathlon und Ironman Switzerland. Gut fünf Tage lang wurde diese Sportveranstaltung mit verschiedenen Wettkämpfen und vielen Attraktionen auf und rund um die Landiwiese gefeiert. Den Höhepunkt und die körperlich anspruchsvollste und grösste Herausforderung für die Athleten bildete der Ironman am vergangenen Sonntag. Als einziger Athlet aus der Gruppe der Behindertensportler war der Ungar Peter Boronkay am Start. Mit nur einem Arm wagte er sich an die sportliche Herausforderung rund ums Zürcher Seebecken. Die letzten Tage vor dem Rennen wohnte er bei Bekannten in Zollikon und konnte sich so nahe zu See, Renn- und Velostrecke ­optimal auf das Sportereignis vorbereiten.

In der Stadt Kecskemet, 80 km südlich von Budapest gelegen, wurde Boronkay 1981 als Jüngstes von drei Kindern ohne Unterarm geboren. Bereits im Alter von sechs Jahren begann er zu schwimmen. Der sportbegeisterte Junge besuchte die öffentliche Schule und wurde schon bald Mitglied des ungarischen Schwimmteams. 2004 durfte er mit der ungarischen Mannschaft an die Paralympics nach Athen reisen, konnte jedoch nicht starten, da er am Ende doch ein Hauch zu langsam war. Aus dieser Enttäuschung heraus erwachte in ihm die Leidenschaft Triathlon. Er empfand die Rennen als vielfältiger als das Schwimmen und zudem durfte er jeweils mit den nicht-behinderten Sportlern zusammen trainieren. So nimmt er heute noch an Wettbewerben teil, die nicht für Para-Athleten ausgeschrieben sind, so auch 2009 am Rapperswiler Triathlon. «Ich kann mich besser verwirklichen, wenn ich auch an den Rennen mit gesunden Sportlern teilnehmen kann», meint er schmunzelnd. Sein persönlicher Medaillenreigen kann sich sehen lassen: Er gewann 2010 den Weltmeistertitel im Paratriathlon in Budapest, an den Olympischen Sommerspielen in Peking erreichte er 2011 den 3. Platz, an der Europameisterschaft 2012 in Tel Aviv den 2. Platz und an der Vorqualifikation für die Weltmeisterschaft 2012 in Madrid den 1. Platz. Auch am Finalrennen zur Weltmeisterschaft 2012 in Neuseeland wird er am 22. Oktober antreten.

 

Fahrrad fahren mit einem Arm

Trotz seines verkürzten Arms ist es ihm möglich, mit dem Triathlonrad ohne Prothese zu fahren. Er kann sich auf dem nach vorne gerichteten Lenkeraufsatz aufstützen. Der Unterschied zum üblichen professionellen Triathlonbike ist, dass die Vorder- und Hinterbremse zusammengeschlossen und die Gänge mit einer Hand zu schalten sind. So lagern Peter Boronkays ganze Steuer­fertigkeiten und Kraft auf seinem unversehrten rechten Arm. Von Zeit zu Zeit nimmt der Athlet auch am X-Terra-Crosstriathlon teil, ­einer Spezialform des Triathlons, in welcher die Disziplinen Laufen und Rad statt auf der Strasse im Gelände abgehalten werden. Dort wird das Triathlonrad durch ein Mountainbike ersetzt. «Das ist viel schwieriger und ich muss eine Prothese einsetzen, was auch gefährlicher ist.» Beim Fahren auf unbefestigten Wegen und Strassen muss teilweise über Wurzeln oder Ähnliches gesprungen werden. Dazu ist das Vorderteil des Rades mittels einer abrupten Zugbewegung zu heben. Da Boronkays Prothese nicht das ausgefeilteste Modell ist, kann er damit keine Zugbewegungen ausführen. Eine bessere kann er sich nicht leisten. Deshalb hält und manipuliert er das Mountainbike oft nur einhändig.

 

Ohne Haupterwerb geht es nicht

 Peter Boronkay arbeitet in einem Heim für geistig schwerbehinderte Kinder. Dazu gehören auch schwerstbehinderte Waisenkinder, die in dieser staatlichen Obhut gepflegt und begleitet werden. «Meine Aufgabe ist es, die jungen Erwachsenen ab dem 18. Lebensjahr wieder in die eigene Familie oder dann in Heime für Erwachsene zu integrieren, aber auch für sie eine ­Arbeitsstelle zu suchen.» Sein Engagement für die Betroffenen ist spürbar, er weiss, was es heisst, mit einer Behinderung zu leben. Trotz einer abgeschlossenen Ausbildung zum Sozialarbeiter und einer weiteren in Heilpädagogik entspricht das Nettoeinkommen des Ungaren einem schweizerischen Lehrlingslohn. Weitere 120 Franken pro Monat trägt die Invalidenunterstützung bei. Doch auch mit seinem Zusatzstudium an der Uni zum Schwimmlehrer und Triathlontrainer wird er nicht imstande sein, den teuren Sport zu finanzieren. Sponsoren zahlen ihm von Zeit zu Zeit einen Laufschuh oder die Bekleidung, der Staat Ungarn die Reise an internationale Wettkämpfe, jedoch nicht die Unterkunft. Mit den monatlichen Fixkosten sind das Leben und der Sport fast unerschwinglich und das Gründen einer Familie liegt erst recht nicht drin. Trotzdem sind Peter Boronkays grosses Ziel die Olympischen Sommerspiele 2016 in Rio de Janeiro, wo der Triathlon zum ersten Mal eine paraolympische Disziplin sein wird. Beim Erzählen von seinen Zukunftsplänen kommt der Sportler ins Schwärmen, seine Augen funkeln. Doch die internationale Konkurrenz sei gross und mit den finanziellen Mitteln und der Unterstützung, die einige Sportler aus anderen Ländern erhielten, dank derer sich diese nur auf den Sport konzentrieren könnten, könne er nicht mithalten.

 

Die ganze Familie steht hinter ihm

Hilfe und Unterstützung erhält ­Boronkay von seinen Schwestern, der ganzen Familie und seiner Freundin, die alle helfen, wo sie können. Nach Zürich wurde er von seiner Schwester Agi begleitet, die ihn während des Rennens unterstützte und beim Gespräch mit dem ZoBo als Übersetzerin wirkte. Peter Boronkay hofft jedoch, sich in naher Zukunft ein Umfeld schaffen zu können, in welchem er die sportliche Herausforderung körperlich sowie finanziell unter optimalen Voraussetzungen meistern kann – mehr Training bei mehr Einkommen.

 

Unterkunft bei Zolliker Freunden

Eine befreundete Familie aus Zollikon gewährte dem Ungaren Gastrecht für die Tage vor und nach dem Wettkampf. «Ich bin nicht das erste Mal in Zollikon. Ich war bereits 2009 hier auf Besuch, damals aber nicht als Triathlon-Teilnehmer. Zollikon gefällt mir sehr gut; es kommt mir fast vor wie ein Dorf aus einem Walt-Disney-Film, so schön.» Beim Ironman-Wettbewerb war für ihn aussergewöhnlich, dass er dazu eingeladen wurde. Er hätte es sich sonst nicht leisten können anzutreten. Er ist der erste und bis jetzt einzige Para-Athlet, der sich an diese grosse Herausforderung wagte. Peter Boronkay beendete das Rennen auf Rang 517. Die für ihn ungewohnte Kälte hatte ihm sehr zu schaffen gemacht. Dennoch war der Wettkampf für ihn ein besonderes und sehr emotionales Erlebnis. Unzählige Menschen hätten ihn während des Rennens ange­feuert und ihm danach gratuliert. «Das hat mir natürlich sehr gut getan. Ich bin nicht das letzte Mal in Zürich und Zollikon gewesen». (cef)

 

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Freitag, 20. Juli 2012

«Strassechind – es Chind ohni Name, es Chind ohni Dihei»

Dass es für sie nicht selbstverständlich ist, jeden Tag genügend Essen und ein schönes Zuhause zu haben, beweisen die Sechstklässler des Schulhauses Oescher mit ihrem einfühlsamen Musical «Strassechind».

Den Kopf tief gesenkt, mit traurigen Augen, zerrissenen Kleidern und Dreck im Gesicht erzählt das Strassenkind Samira ihr Schicksal: «I bin es Strassechind, es Chind ohni Name, ohni Dihei. Strassechind, eis vo Millione, Strassechind. Bi ufem Land gebore als dritts vo acht Chind. Mir händ deheim es chlises Stückli Land gha zum Riis apflanze. S’het meischtens grad glanget, bis di nächschti Ernte cho isch. Mängisch hämmer aber au Hunger gha. Eines Tages isch s’Mami ganz still worde und het agfange brüele. I weiss no so guet, wie sie gseit het: ‹Das isch euse letschti Riis. Jetzt müend au ihr gah.› Scho viel Chind vor eus händ müese i d’Stadt gah zum e chli Gäld verdiene. Am Afang sind sie immer wieder heicho. Aber mit dä Ziit sind sie blibe.» Die Sechstklässlerin, die das Strassenkind Samira am vergangenen Donnerstag in der Aula des Schulhauses Buchholz spielt, wirkt auf der Bühne so überzeugend, dass es für einmal ganz still wird im Saal. Das junge Publikum, bestehend aus Kindern des Schulhauses ab der dritten Klasse, scheint mit dem Mädchen mitzufühlen und von der Geschichte berührt. Fast 90 Minuten lang verfolgen die Schülerinnen und Schüler das Musical «Strassechind» der 6. Klasse von Erich Löffler und die nahenden Sommerferien rückten für einmal in die Ferne.

Grosses Mitgefühl

Im Anschluss an die gemeinsame Lektüre des bekannten Kinderbuches «Die schwarzen Brüder» von Lisa Tetzner über den als Kamin­fegerjungen eingesetzten kleinen ­Giorgio habe das Thema Kinder­arbeit die Klasse nicht mehr losgelassen, wie Primarlehrer Erich Löffler erklärt. Auf der Suche nach einer Idee für ein Musical sei er auf ein Stück über Strassenkinder gestossen, das die Klasse sofort begeisterte. Das Drehbuch hätten sie dann zusammen umgeschrieben und mit eigenen Ideen ausgeschmückt. «Es war unser Ziel, dem Publikum ein Stück zu zeigen, das ein ernstes Thema aufgreift und doch lockere und humorvolle Elemente enthält.» Dass dies der Klasse von Erich Löffler bestens gelungen ist, zeigte sich schon nach den ersten Minuten im Publikum: Immer wieder lachten die Kinder auf und klatschen Beifall. Die schauspielerischen Leistungen ihrer älteren «Gspänli» beeindruckten sie sichtlich. «Die sind ja voll guet, machet gar kei Fehler», tuschelten die Kinder, oder «Wow, lueg mal, wie frei die all redet und singet, das isch ja genial.» Aber auch die Geschichte selber hatte es den Kindern in der Aula angetan. Bei einer Szene, als die Strassenkinder von ihrem Alltag und den damit verbundenen Raubtouren berichteten, trauten zwei Zuhörerinnen ihren Ohren nicht: «Was chlaue tüend die, das därf mer doch nöd», entrüstete sich ein Mädchen, worauf ihre Freundin sie zu beruhigen versuchte: «Das müend die im Fall, zum überläbe, suscht würdet’s stärbe.»

Vielseitiges Können

Die Zuschauerinnen und Zuschauer bekamen aber nicht nur bewegte Szenen zu sehen, sondern auch viel zu hören. 14 Lieder sang die 15-köpfige Klasse und überzeugte sowohl im Chor wie auch bei den verschiedenen Solos. «Ich hatte Glück, eine musikalisch so starke Klasse zu haben», schmunzelt ihr sichtlich stolzer Lehrer Erich Löffler, «mit einer eher kleinen Klasse ist es nicht ganz einfach, grosses Volumen auf die Bühne zu bringen.» Die talentierten Kinder stellten ihr Können gleich mehrmals unter Beweis. Sei es am Klavier, mit der Geige, Bratsche, Flöte oder der E-Gitarre, immer wieder wechselten die jungen Schauspieler von der Bühne hinter die Instrumente und begleiteten das Stück lautstark. Als einer der Schüler dann noch eine tänzerische Moonwalk-Einlage vorführte, konnten sich die Kinder in der Aula kaum mehr auf ihren Stühlen halten. Wild applaudierend und unter anhaltender Aufforderung zur Zugabe gratulierten sie der Klasse zur gelungenen Aufführung und bekräftigen die Sechstklässler in ihrem Wunsch, am liebsten gleich mit ihrem Musical auf Tournee zu gehen. (mmw)

 

 

Mit ihrem Musical «Strassechind» sammelte die Klasse von Erich Löffler an der Elternvorführung Geld für das Strassenkinderprojekt Callecruz in Santa Cruz de la Sierra in Bolivien. Verein Freunde der Strassenkinder von Santa Cruz / Bolivien, Postfach 2155, 8033 Zürich. Spenden­konto: PC 80-27628-6

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