Amtliches Publikationsorgan der Gemeinde Zollikon

Donnerstag, 29. Januar 2015

Konzertwochenende mit dem Musig-Chränzli

Das Wochenende stand ganz im Zeichen der Musik. Am Musig-Chränzli bereitete das Blasorchester des Musikvereins Harmonie mit modernen und traditionellen Stücken dem Publikum eine Freude.

In blauen Gilets, weissen Hemden, Krawatten und dunkelblauen Hosen warten die Musiker und Musikerinnen des Blasorchesters darauf, ihren Posaunen, Trompeten, Saxophonen, Flöten und Klarinetten die richtigen Töne zu entlocken. Der Vorhang geht auf. Der Dirigent gibt den Einsatz. Den Auftakt zum Konzert des Musikvereins Harmonie im Gemeindesaal gibt ein Stück aus «Der Zigeunerbaron» von Johann Strauss.

«Wir spielen alles», erklärt der Präsident des Vereins Balduin Mäder die Musikauswahl: Walzer, Polka, Märsche und allgemeine Unterhaltungsmusik. Der Verein sorgt an offiziellen Anlässen der Gemeinde ebenso wie in Festhütten für musikalische Unterhaltung. «Deshalb müssen wir ein breites Repertoire haben», so Mäder. Dabei geht es den Mitgliedern nicht nur um die Musik. Das Musikalische und Kameradschaftliche werde verbunden, betont der Präsident. Für ihn, der schon seit 32 Jahren Mitglied ist, steht «gemeinsam musikalisch die Freizeit verbringen» im Vordergrund. 27 Aktivmitglieder zählt die «Harmonie» zurzeit. Doch wie viele andere Vereine leidet auch der Zolliker Traditionsverein unter Nachwuchsproblemen. Kürzlich sind zwar zwei 18-jährige Musikerinnen hinzugestossen; doch das Durchschnittsalter sei relativ hoch, so Mäder. Deshalb ist an diesem Konzertwochenende Verstärkung aus verschiedenen Nachbargemeinden anwesend.

 

Höhepunkt des Vereinsjahrs

Die Konzerte am Samstag und Sonntag sind die Jahreskonzerte und somit «der Höhepunkt des Vereinsjahrs», erklärt der Vereinspräsident. Am Samstagabend waren über 250 Zuhörer im Gemeindesaal anwesend. Dabei wurde nicht nur dem Konzert gelauscht. Die Gäste unterhielten sich bei Tanzmusik, Speisen und Barbetrieb bis zwei Uhr morgens. Die Aufführung am Sonntagnachmittag ist vor allem für Familien mit Kleinkindern und ältere Menschen gedacht. Corinne Kaufmann ist an beiden Tagen unter dem Publikum zu finden. Die Zollikerin hat es sich mit Severin Matzinger an einem der langen Tische gemütlich gemacht. Der Freund der Mutter spiele im Musikverein mit, erzählt sie. Es sei mittlerweile eine Familientradition, jedes Jahr ans Konzert zu kommen. Ein positiver Nebeneffekt sei die Tombola, lacht sie. Am Samstagabend zählte sie neben Gewürzen, Apfelsaft, einer Käseplatte und weiteren kleineren Preisen auch ein Velo zu ihrem Gewinn. Das habe nicht unbedingt mit Glück zu tun, meint Severin Matzinger schmunzelnd. Sie habe sich gleich 80 Lose gekauft. Er besucht das Jahreskonzert der Harmonie zum ersten Mal. Matzinger spielt selbst Trompete in einem Musikverein und findet anerkennende Worte für das Konzert des Blasorchesters.

Wegen der Musik ist auch Myrtha Gruber gekommen. Ihr Bürgerort sei Zollikon und ihr Mann sei von hier gewesen, erzählt sie. Deshalb fühlt sie sich mit der Gemeinde verbunden. Seit fünf Jahren kommt sie immer ans Jahreskonzert der Harmonie. «Ich habe Blasmusik sehr gerne», meint sie und zeigt sich erfreut über die gute Durchmischung der Musikstücke.

 

Motivierte Musiker

Zufrieden mit den Musikern und Musikerinnen ist auch Edin Pasalic, der Dirigent des Orchesters. Seit drei Jahren arbeitet er mit dem Musikverein zusammen und probt einmal pro Woche mit der Gruppe. Edin Pasalic kommt aus Deutschland und war in der Schweiz auf der Suche nach einem Blasorchester; er wollte neue Menschen kennenlernen und Neues sehen, erzählt er. «Mir gefällt es hier sehr gut. Die Musiker sind bei der Arbeit sehr diszipliniert und motiviert», meint er anerkennend, bevor er nach der Pause wieder die Bühne betritt, um dem Orchester den Einsatz und Takt zu markieren. Mit den verschiedensten Stücken, modern und traditionell, unterhält es das Publikum. Die Luftballon-Polka sorgt neben Applaus auch für Lacher: Ein Tisch voller farbiger Luftballone steht auf der Bühne. Das Orchester beginnt zu spielen. Mit einer Nadel in der Hand lässt einer der Musikanten, passend zur Musik, die farbigen Luftballone platzen, einen nach dem anderen bis er mit einem letzten Knall das Stück beendet. (sb)

 

Freitag, 30. Januar 2015

Freisinnige Auftritte mit verschiedenen Hüten

Von der schärfsten Waffe des Parlamentariers und der ­Zunahme der Polarisierung im Kantonsrat: Beat Walti sowie Kantonsrätin und Gemeindepräsidentin Katharina Kull-Benz gaben Einblick in ihre politischen Tätigkeiten in Zürich und Bern.

«Wie läuft es in Bern? Gut eingelebt?», diese beiden Fragen bekäme er zurzeit häufig gestellt. Der Freisinnige Beat Walti, von FDP-Parteipräsident Urs Furrer letzte Woche im Kirchgemeindehaus als «unser Mann in Bern» vorgestellt, ist seit letztem Sommer Mitglied des Nationalrats. Drei Sessionen und wohl bereits unzählige Sitzungen später erzählt er in seiner Wohngemeinde im Kirchgemeindehaus auf Einladung der FDP Zollikon von seinen ersten Erfahrungen. Sein Aufritt in Zollikon sei ein besonderer, den er mit verschiedenen Hüten bestreiten werde, meinte er und verdankte die offene Vorgabe, die der Ortsparteipräsident ihm ­gegeben hat.

Beat Walti hat den Platz Nummer 102 im Nationalratssaal bezogen, sein Pult mit persönlichen Gegenständen bestückt und kennt den Ablauf der Geschäftsberatungen. Im informellen Teil heisse Einleben im «Mikrokosmos Parlament» Beziehungen aufbauen. Es sei wichtig zu wissen, wer mit welchen Interessen unterwegs sei, wer mit wem auf welche Ziele hinarbeite, erzählte Beat Walti den über 50 Anwesenden und verglich die Sessionen mit dem WK: «Man trifft sich vier mal im Jahr für ein intensives ­Zusammensein.» Dazwischen herrschten abgesehen von den Kommissionssitzungen streckenweise Kontaktlücken. Der Netzwerkaufbau dauere länger und sei ein anderer als im Kantonsrat, dem er 14 Jahre lang angehört hat. Die Vorwahlzeit, meinte er mit Blick auf die erste Reihe, in der neben der Gemeindepräsidentin und Kantonsrätin Katharina Kull-Benz sieben weitere Kantonsratskandidierende aus dem Bezirk Platz genommen haben, habe auch auf eidgenössischer Ebene bereits begonnen. «Die überdurchschnittliche Profilneurose aller Akteurinnen und Akteure ist deutlich zu spüren», und so werde auch häufig die schärfste Waffe des fleissigen Parlamentariers gezückt: die Intervention, die auf eine Regulierung hinausläuft, was nicht unbedingt dem Gusto der liberalen Selbstheilungskräfte entspreche.

 

Mobilisierung als Schlüssel

Nach diesem Rückblick auf seine ersten Monate im neuen Amt wandte der Nationalrat aus Zollikon seinen Blick nach vorn auf wichtige zu beratende und zu entscheidende Themen wie der Altersvorsorge 2020 («Jede Lösung ist besser als ein weiterer Schuldenberg.»), der Unternehmenssteuerreform 3 («Kein Handeln ist keine Lösung, es ist wichtig, eine Nachfolgelösung für die Spezialbesteuerungen zu finden, sodass gut steuerzahlende Unternehmen die Schweiz nicht verlassen.»), der Energiestrategie 2050 («Hier heisst die freisinnige Position, mehr Zeit zu gewinnen für den Übergang in eine neu strukturierte Energieversorgung.») sowie die Umsetzung der Masseneinwanderungsinitiative («Die Kakophonie der Meinungen ist ein klares Indiz dafür, dass es den einfachen Königsweg nicht gibt.»). Zu sprechen kam er auch auf die Umsetzung der Zweitwohnungsinitiative, über deren Annahme sich Beat Walti noch immer erstaunt zeigte. Die praktischen Fragen, die sich in der Umsetzung stellen, seien sehr schwierig adressierbar. Auch den aktuellen SNB-Entscheid thematisierte der Freisinnige. Nach der Freigabe des Frankenkurses, der die Ausgangslage für die Wirtschaft dramatisch akzentuiert habe, sei jegliches Experimentieren am System zu unterlassen. «Wir täten gut daran, uns auf die Interessen der Unternehmungen zu konzentrieren, die wirtschaftlich operieren und Arbeitsplätze schaffen wollen», mahnte er, «polit-ideologische Vorstellungen müssen wir begraben.»

Bevor Urs Furrer das Wort Katharina Kull-Benz übergab, setzte Beat Walti noch den Hut des Kantonalpräsidenten auf. Der Schlüssel für den Wahlerfolg, der den Freisinnigen bei den letzten Kommunalwahlen mit Ausnahme von Bülach beschieden war, seien die zusätzlichen Leute, deren Interesse geweckt werden konnte. «Der FDP ist es gelungen, Wählerinnen und Wähler zu mobilisieren, die vor vier Jahren noch nicht an die Urne gingen.» Hier gelte es anzuknüpfen.

 

Wunsch nach Kompromissen

Auf das Wahlverhalten kam auch Katharina Kull-Benz zu sprechen, die in erster Linie mit dem Hut der Kantonsrätin auftrat. Seit 2003 gehört die Freisinnige dem Zürcher Parlament an, für das sie heuer erneut kandidiert. Diese Arbeit habe sich in den letzten vier Jahren stark verändert, gab sie Einblick in den «Betrieb Kantonsrat» und führte als einen der Gründe dessen Zusammensetzung auf. Im 180 Mitglieder zählenden Zürcher Kantonsrat sind in der laufenden Amtsdauer erstmals mit den GLP- und BDP-Mitgliedern neun Fraktionen und elf Parteien vertreten. In den Abstimmungen sei dieser Umstand deutlich spürbar, «die Abstimmungsergebnisse sind heute weniger abschätzbar.» Überraschungen ­hätten zugenommen. Als Beispiel nannte sie die Abstimmung über das Autoverbot für Sozialhilfebezüger, als dieses bei der ersten Lesung im Kantonsrat gutgeheissen, bei der zweiten aber mit drei Stimmen mehr gekehrt wurde. Als weitere Gründe für die Veränderungen in den Abstimmungen nannte sie die knapp gewordenen Mehrheitsverhältnisse. «Durch die neue Zusammensetzung sind die Mitte­parteien häufig das Zünglein an der Waage.» Diese würden auch nicht einheitlich und auch nicht zwingend bürgerlich stimmen, was eine Einordnung schwierig mache. Auch unheimliche Allianzen von links und rechts nähmen zu. Als augenfälligste Veränderung bezeichnete die Kantonsrätin die Zunahme der Polarisierung. «Es fehlt die ganzheitliche Politik für die ­Sache», fand sie, «die Suche nach tragfähigen und lösungsorientierten Kompromissen lässt zu wünschen übrig.» Dieser Zustand müsse sich wieder ändern.

Nebst diesen Entwicklungen führte Katharina Kull-Benz auch durch aktuelle Themen aus dem Parlament wie dem kantonalen Finanzausgleich, den sie mehr als Um­verteilung, denn als Ausgleich bezeichnete, dem Gemeindegesetz sowie der Kinder- und Erwachsenenschutzbehörde. Den Hut der ­Bezirkspräsidentin hatte sie auch dabei und thematisierte den Seeuferweg und das Bauen und Planen am Zürichsee, bei dem zurzeit eine Rechtsunsicherheit über das Konzessionsland herrscht. Als schwieriges Geschäft, das unterwegs zur Volksabstimmung ist, bezeichnete sie die Gebühreninitiative, welche die bürgerlichen Meinungen zu spalten scheint. Trotz knapper
Ja-Parole der FDP war Katharina Kull-Benz skeptisch, was die Zuständigkeiten bei einer möglichen Umsetzung betrifft. Den Hut der Gemeindepräsidentin aufgesetzt, bezweifelte sie, dass die Zolliker in Zukunft über jeden einzelnen Franken an den Gemeindeversammlungen diskutieren möchten. Das Referendum habe sie aber nicht ergriffen, dies täten schon genug andere, führte sie aus.

Bevor aber sowohl Gäste als auch die Politiker ihren Hut nahmen, wurde munter weiterdiskutiert über Hüte und andere Kopfarbeit. (mmw)

 

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Freitag, 30. Januar 2015

Wahlkampflancierung der SVP

Angeklagt wurde zwar niemand, Fragen gab es aber viele: Die SVP lud zum «Kreuzverhör» mit ihren Regierungsräten Markus Kägi und Ernst Stocker.

Über den trotz Schneegestöber und widriger Strassenverhältnissen gut gefüllten Gemeindesaal zeigte sich Martin Hirs am Montagabend erfreut. Der Zolliker Gemeinderat und Kantonsratskandidat begrüsste die rund 60 Anwesenden – darunter zahlreiche Kantonsratskandidaten und SVP-Nationalrat Gregor Rutz – und zählte die Schnittstellen der Gemeinde mit den beiden amtierenden Regierungsräten Ernst Stocker und Markus Kägi auf, die sich während der nächsten Stunde den sachlichen Fragen des zweiten SVP-Gemeinderates Bernhard Ecklin stellten.

Zunächst gehörte die Bühne aber einer Frau: Theres Weber, 1. Vizepräsidentin des Kantonsrat und Präsidentin der Bezirkspartei der SVP, hielt das Einführungsreferat. Ihr Kantonsrats-Montag hatte mit drei schwer bewaffneten Polizisten, die sie vor dem Rathaus antraf, begonnen. In ihren 15 Jahren im Zürcher Parlament habe sie eine solche Situation noch nie erlebt, was sie zum Nachdenken gebracht habe. «Die islamistischen Anschläge in Frankreich haben auch Auswirkungen auf uns», auch hier sei nicht mehr nur Sonntag, meinte sie und richtete ihren Blick auch auf den starken Franken, die «Hochpreisinsel rechtes Seeufer», deren Bodenpreise aufgrund der Zweitwohnungs- und Kulturlandinitiative noch teurer würden, den Verkehr («Auf den Strassen herrscht auch ohne Schnee ein Puff.») sowie den Flughafen, der die Regierungsräte im Allgemeinen und Volkswirtschaftsdirektor Ernst Stocker im Speziellen fordere. Die SVP des Bezirks Meilen habe sich aus diesen Gründen für den starken Werkplatz, die Sicherung der Sozialwerke sowie die öffentliche Sicherheit als Hauptthemen für die Wahlen entschieden. «Die bürgerliche Mehrheit im Kanton ist knapp», gab sie sich im Hinblick auf die Wahlen im April kämpferisch, «jede einzelne Stimme ist für uns wichtig.»

 

Planungshorizont von 30 Jahren

Einen Kampf trugen die beiden ­Regierungsräte auf dem Podium zwar trotz des Veranstaltungstitels «Kreuzverhör» nicht aus, der von Bernhard Ecklin vorbereitete Fragenkatalog hatte aber durchaus seine sportliche Seite. Angesprochen auf den wichtigsten Handlungsbedarf, den sie bei einer Wiederwahl angehen würden, antwortete Volkswirtschaftsdirektor Ernst Stocker, seit 2010 im Amt, mit der Sicherung der Arbeitsplätze und der Kontrolle der Staatsfinanzen. Baudirektor Markus Kägi, seit 2007 Regierungsrat, nannte die Raumplanung, auf deren Wichtigkeit die Runde an diesem Abend immer wieder zurückkam. Der Kanton Zürich könne nicht auf fünf oder zehn Jahre hinaus geplant werden, so Baudirektor Kägi, der Planungshorizont müsse 25 bis 30 Jahre umfassen. Ein Nachholbedarf bestehe bei vielen Infrastrukturen, die renoviert werden müssen. Die Weiterentwicklung des Kantons zeige der Richtplan auf, dem sieben Jahre Arbeit vorausgegangen sind und der im März vergangenen Jahres vom Kantonsrat mit grosser Mehrheit genehmigt wurde. «Es gilt das 80/20-Prinzip», führte Ernst Stocker aus, «in den Städten und Agglomerationen sollen 80 Prozent Entwicklung stattfinden, auf dem Land 20 Prozent.» Der Raum Zürichsee habe sich sowohl am linken wie rechten Ufer zur Wohnregion entwickelt, Arbeitsplätze würden hauptsächlich im Limmattal, Glattal, im Zürcher Oberland und der Stadt entstehen, was zu problematischen Belastungen der Verkehrswege führe, so Ernst Stocker. Antworten darauf gebe der Richtplan, ergänzte Markus Kägi und erwähnte die für das Gewerbe vorgesehenen Arbeitsplatzzonen, die auch zu einem späteren Zeitpunkt keine Umnutzung zu Wohnliegenschaften erlauben.

 

Viele offene Fragen

Angesprochen auf den Luftverkehr rief Ernst Stocker die Gesamtregierungshaltung des Kantons Zürich in Erinnerung. «Die Erreichbarkeit der wichtigsten Destinationen auf dieser Welt ab dem Flughafen Zürich soll klar gewährleistet werden», und betonte damit den Wirtschaftsstandort Zürich, der für die Beibehaltung der Sitze und Niederlassungen international tätiger Firmen enorm wichtig sei. Die Bevölkerung soll mit allen Mitteln möglichst wenig belastet werden, sagte er und verwies aufs Grounding der Swissair: «Damals gab es 320 000 Starts und Landungen, heute sind wir bei 260 000 Bewegungen. Es ist die einzige Verkehrsart, die markant abgenommen hat.» Auch wenn er Verständnis für die Fluglärmgegner habe, so gelte es, die verschiedensten Aspekte zu berücksichtigen, das Ziel müsse die Aufrechterhaltung der guten Verbindungen sein. «Wenn Zürich seine Aufgabe als stärkster Wirtschaftskanton der ganzen Schweiz wahrnehmen möchte, ist der Flughafen ganz zentral», machte sich auch Markus Kägi für den Flughafen stark.

Bernhard Ecklin, Leiter des RAV Thalwil, kam auch auf die Arbeitslosenquote zu sprechen. Dass die Arbeitsplätze in der Finanzkrise erhalten werden konnten und die Quote bei tiefen 3,5 Prozent sei, ­damit habe man nicht rechnen ­können, meinte der für den Arbeitsmarkt zuständige Volkswirtschaftsdirektor Ernst Stocker und zeigte sich zufrieden. Einen Ausblick auf die nächsten 12 Monate zu geben, sei jedoch schwierig, offene Fragen auch aufgrund der Aufgabe der Euro-Untergrenze gebe es zuhauf. Wirtschaft, Politik und Staat müssten sich effizient an die Hausausgaben machen, die nicht kleiner werden.

Fragefreudig wie der Moderator zeigte sich auch das Publikum, das nochmals die Verkehrssituation in der Stadt und im Bezirk thematisierte. Ob er mit der Idee der Benutzung der Busspur durch Töffs und Taxis etwas anfangen könne, wurde Ernst Stocker gefragt. «Durchaus», schmunzelte dieser, schliesslich fahre er selber Töff. Auf die Problematik der erschwerten und überlasteten Einfahrten in die Stadt angesprochen, sprach sich Markus Kägi klar gegen Roadpricing aus. Auch die von den Gemeinden in letzter Zeit wieder häufiger thematisierte Idee der Untertunnelung kam zur Sprache. Auch wenn der Kanton einen Teil der zweifelsohne hoch ausfallenden Kosten übernehmen würde, zweifelte Ernst Stocker an einem positiven Abstimmungsresultat in den Gemeinden. «Jeder möchte, dass etwas gemacht wird, doch ist dann die eigene Gemeinde betroffen, kommt Widerstand auf». Bevor der Kanton eine solche Idee für eine Kantonsstrasse unterstützen würde, müsse sich zuerst das Volk dafür aussprechen.

Der Verkehr dürfte an diesem Abend nicht nur auf dem Podium für Gesprächsstoff gesorgt haben, auch der Winter machte ihn zum Thema. Mit seiner weissen Pracht sorgte er für zahlreiche Unfälle auf den Zürcher Strassen. (mmw)

 

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Freitag, 30. Januar 2015

Mit Musik die Herzen öffnen

Galina Vracheva Urech ist international bekannte Konzertpianistin, Komponistin und Musikdozentin. Die Zwiesprache mit dem Publikum ist ihr das Wichtigste – sie fühlt sich als Pianistin in der Rolle einer Gastgeberin, die ihrem Gast nur das Beste bieten will. Und das tut sie mit ihren Klavier-Improvisationen zu Volksliedern unbestritten.

Galina Vachreva, Sie sind Konzertpianistin, Komponistin, Dozentin und lieben dabei das Improvisieren zu Volksmusik über alles. Wie haben Sie für sich diese Liebe entdeckt?

Volksmusik hat mich schon immer angezogen. Sie sagt so viel aus über die Menschen und ihre Art zu leben, geprägt von ihrer Kultur und ihrer Landschaft. Als Kind war mir die bulgarische Volksmusik sehr vertraut. Bevor ich in die Schule kam, war ich oft bei meinen Grosseltern auf dem Dorf. Meine Grosseltern hatten zwar ein Radio, doch sonst kaum einer im Dorf, weshalb das Radioprogramm tagsüber über grosse Lautsprecher auf dem Dorfplatz übertragen wurde. So hörten wir beim Spielen draussen beinahe ununterbrochen Musik.

Später merkte ich, dass mir die Volksmusik einen Zugang zu den Menschen verschaffte. Dass ich sie über die volkstümliche Musik ihres Landes besser verstehen konnte. Als ich in die Schweiz kam, verstand ich über die Musik: Die Schweizer sind ein Volk, das oft mit der Natur zu ringen hatte, ihr Leben früher war hart, ihre Sehnsucht nach mehr Leichtigkeit gross. In ihrer Volksmusik gibt es deshalb einerseits viele schwermütige Lieder, andererseits aber auch extrem viele Freudentänze.

 

Gilt dies für die urbanen Schweizer heute auch noch?

Vielleicht wird es über die Globalisierung ein wenig verloren gehen. Doch noch ist es sehr stark. Wenn ich an einem Konzert das Publikum frage, zu welchem Volkslied ich improvisieren soll und dann zu spielen beginne, spüre ich, wie ich damit die Menschen wohltuend berühren kann, wie es über die Musik gelingt, ihre Herzen zu öffnen und sie froh zu machen. Dazu muss ich das Land nicht so gut kennen.

Mein intensivstes Erlebnis hatte ich dazu in Peking. Ich lerne nun Chinesisch, aber damals fragte ich das Publikum noch auf Englisch, ob mir jemand ein Volkslied vorsingen würde, damit ich dann dazu improvisieren könne. Nach einiger Zeit traute sich eine Frau zu mir auf die Bühne und begann ein wenig schüchtern ein Lied zu singen. Nach der ersten Strophe standen alle im Saal auf und sangen mit. Das ist sehr schön.

 

Wie lernt man zu improvisieren?

Im stillen Kämmerlein liebte ich es immer schon. Und ich wusste dabei auch: Alle grossen Komponisten improvisierten regelmässig – Mozart, Liszt, Brahms, Beethoven und andere. Erst in unserer Zeit ist der Anspruch an die Perfektion so gross geworden, dass für die Improvisation kaum Platz bleibt. Denn natürlich ist bei einer Improvisation das Risiko des Imperfekten viel höher. Deshalb braucht es viel Mut, dies öffentlich zu tun. Als Dozentin muss ich deshalb in erster Linie die Persönlichkeit meiner Studenten stärken. Sie müssen ihr spielerisches Handwerk gut beherrschen und lernen, extrem wach zu sein, das Publikum zu spüren und gleichzeitig authentisch zu bleiben.

 

Sagten Sie deshalb in einem Radiointerview, Sie möchten immer wach bleiben?

Nicht nur. Kurz vor dem Krieg in Syrien hatte ich ein Konzert in Damaskus. In der Stadt war die Spannung unter den Menschen zu spüren. Viele Sicherheitsleute verstärkten diese aufgeheizte Stimmung zusätzlich. Da wurde mir plötzlich sehr bewusst, dass auch wir Künstler, ich persönlich als Künstlerin, ein Teil der Gesellschaft bin. Dass nicht einzig die Politiker und einflussreichen Wirtschaftsleute für alles verantwortlich sind, sondern wir alle.

Ich habe da zusammen mit dem Musiker Kinan Idnawi eine Improvisation gespielt, in der wir versuchten, die arabische und westliche Welt über die Musik zu einem Einklang zu bringen – es war sehr anregend, diese gemeinsame Musik zu finden. Und ich merkte, ich kann, wenn auch nur im Kleinen, konkret mit meiner Musik dazu beitragen, dass menschliche Gemüter offener und weiter werden. Das bringt eine friedliche Stimmung, in der jeder selbst leben möchte und auch den andern leben lassen kann. Dafür möchte ich gerne immer wach bleiben, es weiter tun und es nicht bei einem Augenblick belassen. Wach sein, weiter lernen und Ideen kreieren, um mich damit für mein persönliches Glück erkenntlich zu zeigen und es meinem Publikum weiterzugeben.

 

 

Sie sind in Bulgarien aufgewachsen, waren in Moskau in einem Musikinternat. Wurde da gelebt und leben gelassen?

Was mich betrifft schon. Ich bin ein Glückskind. Obwohl niemand in der Familie beruflich Musik machte, war die Musik in meiner Familie. Mein Grossvater sang sehr schön. Und als ich, noch ganz klein und bloss mit einem Finger, einem Spielzeugklavier kleine saubere Melodien zu entlocken vermochte, wurden meine Eltern aufmerksam und suchten einen Lehrer, der mein Talent überprüfen sollte. Sie fanden einen pensionierten Orchesterdirigenten, Borislav Blagoev, der schnell feststellte, dass ich über ein absolutes Gehör verfügte . Er sagte zu, mich zu unterrichten.

 

Wie alt waren Sie da?

Ich war erst vier Jahre alt und noch bevor ich in die Schule kam, hatte er mir spielerisch die ganze elementare Musiklehre beigebracht. Später hörte ich von seiner Tochter, er sei damals nach Hause gekommen und habe gesagt, er habe ein Mädchen kennengelernt, das höre wie ein Tier, und das wolle er nun unterrichten, doch noch habe er keine Ahnung wie, denn es sei noch so klein, habe winzige Hände. Da ich gerne Akkordeon spielen wollte, weil ich eines gehört hatte an einem Dorfkonzert, setzten meine Eltern alle Hebel in Bewegung, um mir ein Kinderakkordeon aus Westberlin zu besorgen. Das war nicht einfach damals in Bulgarien, doch sie haben es geschafft.

Als ich das Stipendiat für das Internat gewonnen habe, war es keine Frage, dass ich diese Chance nutzen würde, auch wenn es mir erst schwer viel, alleine in die Fremde zu reisen. Meine Familie bekam auch keine Reiseerlaubnis, um mich in dieser Zeit zu besuchen. Auf dem Internat war es nicht immer einfach, es herrschte viel Konkurrenz, wenig Freundschaft. Doch ich musste da durch und wollte es auch. Moskau war für mich auch der Ort der grossen Komponisten, der Orchester-, Opern- und Theaterwelt und vieler kulturellen Veranstaltungen aller Art.

 

Später studierten Sie erst in Sofia, dann in München. Warum kamen Sie nach Zürich?

Über die Liebe. In München habe ich meinen Mann kennenglernt und bin ihm in seine Heimat gefolgt, die durch ihn auch meine geworden ist. Zürich war mir von Beginn weg lieb. Schon in meiner Studentenzeit hatte ich die Zürcher Novellen von Gottfried Keller gelesen. Ich mag sie sehr. In Zürich kam mir dann die Idee, eine Oper über Gottfried Kellers Leben zu komponieren – als persönlichen Dank von mir, weil er mir mit seinen Geschichten einen wunderbaren Zugang zur Schweizer Seele ermöglicht hat.

 

Der Zolliker Kulturkreis kann sich sehr geehrt fühlen, dass Sie sich zwischen Konzerten in Hamburg und Linz Zeit nehmen, im Gemeindesaal aufzutreten.

Das Schöne an meinem Beruf ist, dass ich immer wieder vor einem neuen Publikum auftreten kann. In jedem Land und egal ob in kleinerem oder grösserem Rahmen, jedes Publikum ist anders, jedes gilt es zu spüren, es als Gegenpart in mein Spiel aufzunehmen. Wenn ich ein Stück eines Komponisten spiele, weiss ich dabei stets: Die vielen Facetten des Zuhörens gelten ihm. Wenn ich aber improvisiere, gelten sie mir. In den winzig kleinen Pausen zwischen meiner Musik höre ich genau, wie das Publikum reagiert, wie es zuhört und ob unser Spiel stimmt. Ich bin gespannt auf das Zusammenspiel mit den Zollikern. (db)

 

Galina Vracheva tritt am Mittwoch, 4. Februuar, um 19.45 Uhr im Gemeindesaal Zollikon auf, sie präsentiert romantische Klaviermusik, ein Gruss auf dem Jahr 1915.

 

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Donnerstag, 29. Januar 2015

Konzertwochenende mit dem Musig-Chränzli

Das Wochenende stand ganz im Zeichen der Musik. Am Musig-Chränzli bereitete das Blasorchester des Musikvereins Harmonie mit modernen und traditionellen Stücken dem Publikum eine Freude.

In blauen Gilets, weissen Hemden, Krawatten und dunkelblauen Hosen warten die Musiker und Musikerinnen des Blasorchesters darauf, ihren Posaunen, Trompeten, Saxophonen, Flöten und Klarinetten die richtigen Töne zu entlocken. Der Vorhang geht auf. Der Dirigent gibt den Einsatz. Den Auftakt zum Konzert des Musikvereins Harmonie im Gemeindesaal gibt ein Stück aus «Der Zigeunerbaron» von Johann Strauss.

«Wir spielen alles», erklärt der Präsident des Vereins Balduin Mäder die Musikauswahl: Walzer, Polka, Märsche und allgemeine Unterhaltungsmusik. Der Verein sorgt an offiziellen Anlässen der Gemeinde ebenso wie in Festhütten für musikalische Unterhaltung. «Deshalb müssen wir ein breites Repertoire haben», so Mäder. Dabei geht es den Mitgliedern nicht nur um die Musik. Das Musikalische und Kameradschaftliche werde verbunden, betont der Präsident. Für ihn, der schon seit 32 Jahren Mitglied ist, steht «gemeinsam musikalisch die Freizeit verbringen» im Vordergrund. 27 Aktivmitglieder zählt die «Harmonie» zurzeit. Doch wie viele andere Vereine leidet auch der Zolliker Traditionsverein unter Nachwuchsproblemen. Kürzlich sind zwar zwei 18-jährige Musikerinnen hinzugestossen; doch das Durchschnittsalter sei relativ hoch, so Mäder. Deshalb ist an diesem Konzertwochenende Verstärkung aus verschiedenen Nachbargemeinden anwesend.

 

Höhepunkt des Vereinsjahrs

Die Konzerte am Samstag und Sonntag sind die Jahreskonzerte und somit «der Höhepunkt des Vereinsjahrs», erklärt der Vereinspräsident. Am Samstagabend waren über 250 Zuhörer im Gemeindesaal anwesend. Dabei wurde nicht nur dem Konzert gelauscht. Die Gäste unterhielten sich bei Tanzmusik, Speisen und Barbetrieb bis zwei Uhr morgens. Die Aufführung am Sonntagnachmittag ist vor allem für Familien mit Kleinkindern und ältere Menschen gedacht. Corinne Kaufmann ist an beiden Tagen unter dem Publikum zu finden. Die Zollikerin hat es sich mit Severin Matzinger an einem der langen Tische gemütlich gemacht. Der Freund der Mutter spiele im Musikverein mit, erzählt sie. Es sei mittlerweile eine Familientradition, jedes Jahr ans Konzert zu kommen. Ein positiver Nebeneffekt sei die Tombola, lacht sie. Am Samstagabend zählte sie neben Gewürzen, Apfelsaft, einer Käseplatte und weiteren kleineren Preisen auch ein Velo zu ihrem Gewinn. Das habe nicht unbedingt mit Glück zu tun, meint Severin Matzinger schmunzelnd. Sie habe sich gleich 80 Lose gekauft. Er besucht das Jahreskonzert der Harmonie zum ersten Mal. Matzinger spielt selbst Trompete in einem Musikverein und findet anerkennende Worte für das Konzert des Blasorchesters.

Wegen der Musik ist auch Myrtha Gruber gekommen. Ihr Bürgerort sei Zollikon und ihr Mann sei von hier gewesen, erzählt sie. Deshalb fühlt sie sich mit der Gemeinde verbunden. Seit fünf Jahren kommt sie immer ans Jahreskonzert der Harmonie. «Ich habe Blasmusik sehr gerne», meint sie und zeigt sich erfreut über die gute Durchmischung der Musikstücke.

 

Motivierte Musiker

Zufrieden mit den Musikern und Musikerinnen ist auch Edin Pasalic, der Dirigent des Orchesters. Seit drei Jahren arbeitet er mit dem Musikverein zusammen und probt einmal pro Woche mit der Gruppe. Edin Pasalic kommt aus Deutschland und war in der Schweiz auf der Suche nach einem Blasorchester; er wollte neue Menschen kennenlernen und Neues sehen, erzählt er. «Mir gefällt es hier sehr gut. Die Musiker sind bei der Arbeit sehr diszipliniert und motiviert», meint er anerkennend, bevor er nach der Pause wieder die Bühne betritt, um dem Orchester den Einsatz und Takt zu markieren. Mit den verschiedensten Stücken, modern und traditionell, unterhält es das Publikum. Die Luftballon-Polka sorgt neben Applaus auch für Lacher: Ein Tisch voller farbiger Luftballone steht auf der Bühne. Das Orchester beginnt zu spielen. Mit einer Nadel in der Hand lässt einer der Musikanten, passend zur Musik, die farbigen Luftballone platzen, einen nach dem anderen bis er mit einem letzten Knall das Stück beendet. (sb)

 

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