Amtliches Publikationsorgan der Gemeinde Zollikon

Donnerstag, 21. Mai 2015

Wie es mit dem Beugi Areal und dem Ortskern weitergehen soll

An der Gemeindeversammlung vom 10. Juni wird über die Zukunft des Zolliker Dorfbildes entschieden: Der Gemeinderat beantragt der Versammlung für die weitere Planung des Beugi Areals einen Kredit von 690'000 Franken. Separat behandelt wird die Entwicklung für den Ortskern, wofür ein Kredit von 260'000 Franken gesprochen werden soll. Im Vorfeld nimmt die Gemeindepräsidentin Katharina Kull-Benz Stellung zum Planungskredit für das Beugi Areal und den Entwicklungsprojekten für den Ortskern.

Das Areal Beugi wird im Baurecht abgegeben und nicht verkauft. Warum?
Katharina Kull-Benz: Der Ortskern ist für das Leben in unserer Gemeinde jetzt und auch in Zukunft von grosser Bedeutung. Die Parzelle an dieser zentralen Lage mitten in Zollikon Dorf soll deshalb weiterhin im Eigentum der Gemeinde bleiben. Mit der Abgabe im Baurecht – mit Vorgaben zur künftigen Nutzung des Areals und weiteren Rahmenbedingungen zur Überbauung – wird sichergestellt, dass die Interessen der Bevölkerung nicht nur kurz- und mittelfristig, sondern auch langfristig gewahrt bleiben.

 

Wenn das Areal Beugi für Zollikon so wichtig ist, warum baut die Gemeinde dann nicht selber?

GP: Die Abgabe im Baurecht heisst nicht, dass die Gemeinde hier keinen Einfluss nehmen will. Ganz im Gegenteil: Die Interessen der Bevölkerung bleiben gewahrt, ohne dass sich die Gemeinde für den Bau unnötig weiter verschulden muss. Ausserdem fallen der Gemeinde während der ganzen Baurechtsdauer keine Kosten für den Unterhalt und die Bewirtschaftung an und sie trägt während der ganzen Baurechtsdauer auch kein Risiko für die Vermietung der Ladenflächen und der Mietwohnungen.

 

Warum können Sie heute nicht klar angeben, wie hoch der Baurechtszins ist, den der Gemeinderat für das Areal Beugi haben will?

Die Frage des Baurechtszinses hat den Gemeinderat lange beschäftigt. Wir mussten schliesslich einsehen, dass sich zum jetzigen Zeitpunkt dazu keine verbindlichen Aussagen machen lassen. Für die Machbarkeitsstudie hat ein auf Immobilienstrategien spezialisiertes Büro aufgrund bestimmter Annahmen verschiedene Szenarien berechnet. Diese Modellrechnungen zeigen, dass das Bauvorhaben ohne Gemeindezuschüsse realisiert werden kann und ein nicht unerheblicher Baurechtszins erwartet werden darf. Welcher Baurechtszins tatsächlich erzielt werden kann, hängt letztlich von den Angeboten der Baurechtsnehmer ab, welche für die Überbauung des Areal Beugi bei der Gemeinde eingehen. Sollten keine Angebote mit einem adäquaten Baurechtszins eingehen, wird der Gemeinderat das Vorhaben stoppen und die Situation muss neu analysiert werden.

 

Warum werden dem Baurechtsnehmer so viele Vorgaben gemacht?

Weil die Parzelle von grosser Bedeutung und ein wichtiger Begegnungsort für das Gemeindeleben ist. Hier entscheidet sich, ob die Bevölkerung auch in naher Zukunft noch im Dorf einkaufen kann oder die Einkaufsmöglichkeiten gänzlich verschwinden. Der Aussenraum soll weiterhin für die Bevölkerung offen stehen, sei es als kurze Wegverbindung oder auch zum Verweilen. An diesem sensiblen Ort – unmittelbar angrenzend an den historischen Ortskern – spielt aber auch die architektonische Qualität eine besondere Rolle. Deshalb wird auch ein Architekturwettbewerb durchgeführt.

 

Warum können die Stimmberechtigten erst dann wieder mitreden, wenn alles fertig ist?

Bei einem derart komplexen Projekt müssen die einzelnen Projektschritte sorgfältig aufeinander abgestimmt sein. Umzonung, Gestaltungsplan und Baurechtsvertrag sind voneinander abhängig und bilden ein Gesamtpaket. Mit dem anspruchsvollen Auswahlverfahren des Baurechtsnehmers sowie dem Architekturwettbewerb wird eine gute Entscheidungsgrundlage für die Stimmberechtigten sichergestellt. Die Umzonungsvorlage und der Gestaltungsplan-Entwurf werden im Mitwirkungsverfahren während 60 Tagen öffentlich aufgelegt. Alle interessierten Personen können während der Auflagefrist die Unterlagen einsehen und sich schriftlich dazu äussern.

 

Warum kann die Bevölkerung nicht zuerst über die Umzonung und den Gestaltungsplan abstimmen, bevor der Baurechtsvertrag erarbeitet wird?

Die beiden Ersteren sind Grundlagen für den Baurechtsvertrag. Der Gemeinderat erstellt als Grundlage für die potentiellen Auswahl des Baurechtsnehmer einen Entwurf des Baurechtsvertrages mit Verweis auf die Umzonungsvorlage und den Gestaltungsplan-Entwurf. erstellt. Gestützt auf das konkrete Projekt des ausgewählten Baurechtsnehmers wird der Gestaltungsplan anschliessend präzisiert. Die Präzisierung fliesst wiederum in den Baurechtsvertrag ein. Deshalb macht eine Trennung der Abstimmung über die Umzonung und den Gestaltungsplan vom Baurechtsvertrag keinen Sinn.

 

Wer soll im Beugi wohnen dürfen oder anders gefragt, wer wird sich dort eine Wohnung leisten können?

Der Gemeinderat ist sich bewusst, dass sich hier die Geister scheiden. Die einen erwarten günstige Wohnungen für Familien und ältere Menschen, andere verlangen einen möglichst hohen Baurechtszins. Der Gemeinderat gibt für die Festsetzung der Mietzinse Eckwerte vor, die beide Maximalvarianten einschränken: Die Gemeinde richtet für die Wohnungen auf dem Areal Beugi keine Subventionen aus und der Baurechtsnehmer darf die Wohnungen nicht im Stockwerkeigentum abgeben. Dies bedeutet, dass es keine wirklich günstigen Wohnungen geben kann, aber auch, dass der Bau von Luxuswohnungen praktisch ausgeschlossen ist. Angestrebt werden 2.5- bis 4.5-Zimmer-Wohnungen auf mittlerem Preisniveau für Haushalte aller Konstellationen und Altersklassen.

 

Wieso werden auf dem Areal Beugi nicht günstige Familienwohnungen gebaut?

Die Überbauung auf dem Areal Beugi soll von der Gemeinde nicht subventioniert, sondern von einem privaten Baurechtsnehmer ohne Gemeindezuschüsse realisiert und bewirtschaftet werden. Dabei sind auch Genossenschaften als Anbieter willkommen. Der Gemeinderat nimmt das Anliegen nach zusätzlichen Familienwohnungen jedoch ernst und sucht nach neuen Ansatzpunkten, nachdem die Stimmberechtigten vor vier Jahren diesbezügliche Vorschläge abgelehnt hatten. Antrag für die Entwicklungsprojekte für den Ortskern schlägt er vor, für das Volieren-Areal eine Machbarkeitsstudie durchzuführen, um das Potential dieser Parzelle abzuklären.

 

Wie kann die Bevölkerung bei den weiteren Projekten im Dorfkern künftig mitreden?

Der Gemeinderat ist sich bewusst, dass die Entwicklung des Ortskerns nicht im stillen Kämmerlein erfolgen kann, sondern die Bevölkerung und auch die Grundeigentümer frühzeitig in den Planungsprozess einbezogen werden müssen, wie dies bis heute auch der Fall war. Die jetzt anstehenden Projekte sind sehr unterschiedlich gelagert. Entsprechend werden auch unterschiedliche Kreise – Gewerbe, Grundeigentümer, Anwohnerinnen und Anwohner, auch Fachleute aus den verschiedensten Disziplinen – einbezogen. Das letzte Wort haben stets die Zollikerinnen und Zolliker an der Gemeindeversammlung oder an der Urne.

 

Das Interview wurde von der Gemeinde verfasst und durch die Redaktion des Zolliker Boten überarbeitet.

 

Die Gemeindeversammlung findet am Mittwoch, 10. Juni, 19.45 Uhr im Gemeindesaal Zollikon statt.

 

Freitag, 22. Mai 2015

Basketball: Pure Dramatik in Wohlen

Am Abschlussturnier der Saison 2014/15 bestätigten sich die Junioren des Basketball Clubs Küsnacht Erlenbach. Das Team der U12-Alterklasse beendete die Saison als eine der besten Mannschaften der Deutschschweiz. Ein Drittel der Stammspieler ist in Zollikon zu Hause.

 

Kein Zweifel, die Zeichen standen gut für einen schönen Abschluss einer grossartigen Saison 2014/15. Die U12- und 14-Mannschaften des Basketball Clubs Küsnacht-Erlenbach BCKE reisten am Sonntag in den frühen Morgenstunden frohgemut vom Zürichsee nach Wohlen im Aargau. Mit an Bord: eine Gruppe von Zolliker Jungs, die stärkste Delegation aller Seegemeinden in der Leistungsklasse der Minis, wie diese Altersgruppe im Basketball-Jargon genannt wird. Sie fahren mit grossen Hoffnungen und ebenso grossem Selbstbewusstsein ans Abschlussturnier der Basketball-Region «Probasket», welche die ganze Deutschschweiz ausser Bern und Basel repräsentiert. Als einzige Mannschaft hat das U12-Team die Saison ohne Matchverlust durchkämpft. Und das U14-Team hat in nur einer Saison den Aufstieg vom Nobody zum guten Mittelfeld geschafft. Die Zeichen stehen wirklich gut.

 

Starke Aufholjagd

Die U14-Mannschaft muss als erste antreten. Mit dem BC Wohlen steht ein starker Gegner auf dem Feld. Doch die Seetruppe lässt sich nicht beeindrucken und setzt von Beginn weg auf Kampf – bis sich ereignet, was sich nicht ereignen sollte: Einer der Spitzenspieler verletzt sich, ist nicht mehr einsatzfähig. Mit etwas Verzögerung trifft die schlechte Nachricht beim gut besetzten U12-Team ein, das in einer anderen Halle bereits im Einsatz steht. Das Coach-Team entscheidet schnell: Zwei U12-Spieler – darunter der Zolliker Neil Stadler – sollen so schnell wie möglich die geschwächte Mannschaft unterstützen. Mit Elterntaxi, GPS und Insidertipps schafft es der Transportkonvoi in die Dreifachturnhalle am anderen Ende von Wohlen. Trotz Verstärkung gerät der BCKE aber vorerst in Rücklage. Die Wohlemer spielen kraftvoll und variantenreich auf. Doch bereits im zweiten Viertel schafft das U14-Team vom Zürichsee den Anschluss. Mit grossem Laufpensum und überzeugendem Passspiel hat das Zolliker Duo Louis Spiesshofer und Neil Stadler wesentlichen Anteil an der Aufholjagd. Mit ihrer knappsten Niederlage der Saison gegen einen starken U14-Club macht die junge Mannschaft klar, dass künftig mit ihr an der Spitze zu rechnen ist.

 

Mehr Kampf, mehr Spass

Beim U12-Teram blieben alle Chancen intakt. Ungeschlagen gab sich das kampffreudige Team in die beiden Spiele des Abschlussturniers. Und ungeschlagen beendete es diese Saison. Kein anderes Team in der Probasket-Region schaffte diese Leistung. Mit diesem Erfolg konnte sich der BCKE als eine der besten U12-Mannschaften der Deutschschweiz etablieren. Zur Spitzenmannschaft gehören die Zolliker Sandro Schuppli, Neil Stadler und Toby Tichy – womit Zollikon ein Drittel der Stammspieler stellt.

 

Für das Zolliker Trio geht mit den Spielen in Wohlen nicht nur eine äusserst erfolgreiche Saison zu Ende, es waren auch die letzten Spiele der Jungs in der U12-Altersklasse. Ab der kommenden Saison wechseln sie in die U14-Mannschaft. Dass die Gangart in dieser Altersklasse deutlich härter ist, schreckt die Zwölfjährigen nicht ab. Im Gegenteil, sie freuen sich auf die konditionell und sportlich anspruchsvolleren Spiele. «Es macht einfach mehr Spass, wenn wir für den Sieg richtig kämpfen müssen», bringen sie ihre Motivation auf den Punkt. (e)

 

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Freitag, 22. Mai 2015

Vom Legastheniker zum preisgekrönten Literaten

Der Schriftsteller Reto Hänny wurde für sein neustes Werk «Blooms Schatten» mit dem Schillerpreis der ZKB ausgezeichnet. Die feierliche Übergabe findet am 22. Juni im Literaturhaus Zürich statt. Reto Hänny wohnt seit 30 Jahren in einem kleinen – teils selbstrenovierten – Haus in Zollikon.

Reto Hänny, 68, ist aus den bündnerischen Bergen aufgebrochen, sich die Welt zu erobern. Viel hat er gewagt, als sei es selbstverständlich, viel ist ihm gelungen, als müsse das so sein.

Dass er weiss, es hätte auch ganz anders kommen können, verleiht ihm gleichzeitig Flügel und Bodenhaftung. «Stets einer pro Generation wurde in unserer Verwandtschaft Pfarrer oder Lehrer», sagt er, «ich war dazu schon von klein auf gesetzt.» Obschon er nach einigen Lektionen beim Dorfpfarrer den Lateinunterricht verweigerte, half ihm dieser, dem prügelnden Dorflehrer zu entkommen und sein letztes Sekundarschuljahr in Chur zu vollenden, damit er für die ihm vorbestimmte Rolle gewappnet sein würde.

Chur war erst ein Schock. Seine Mitschüler lachten ihn seines Walserdialekts wegen aus. Doch sein neuer Sekundarlehrer, der rätoromanische Schriftsteller Cla Biert, wurde sein Förderer. Er erkannte das Erzähltalent des Berglers trotz «roten Diktatheften» sofort, empfahl ihm, beim Erzählen zu bleiben und die Legasthenie mit Viellesen zu therapieren.

Und so las Reto Hänny als Fünfzehnjähriger «Die Blechtrommel» von Günther Grass, den «Prozess» von Franz Kafka und «Ulysses» von James Joyce und war fortan der Literatur verfallen.

Den Ursprung seiner Erzählfreude aber macht Reto Hänny bei seinem Neni fest, dem Grossvater, der ihm beim Eindunkeln auf der Alp jeweils die schauerlichsten Alpensagen erzählte, um seine eigenen Ängste im Zaum zu halten.

 

Vom Bergdorf hinaus in die Welt

Behütet und gefördert vom Neni, der Familie, später gefordert von Cla Biert und weiteren Lehrern an der Kantonsschule, machte sich Reto Hänny auf seinen Weg: Wurde erst Lehrer an einer Mehrklassenschule im Safiental, reiste im Renault 4 über Griechenland, die Türkei und Persien bis nach Afghanistan, später über Spanien und Marokko in die Sahara. Stets staunend und neugierig, stets offen. Und immer bereit, sich und die Welt zu hinterfragen und weiter zu lernen. Dass er Künstler werden wollte, war ihm sehr früh klar.

Sein Weg führte ihn als Bühnentechniker ans Theater Chur, Freundschaften öffneten ihm Künstlerateliers, an der Uni Zürich begann er 1973 Germanistik, Völkerkunde und Kunstgeschichte zu studieren. Da sich Studium und eigenes Schreiben für ihn auf die Dauer gegenseitig ausschlossen, verschrieb er sich dem zweiten. Denn unterdessen wusste er genau: Er wollte Schriftsteller werden.

Er wurde es mit Herz und Seele. Lange feilte er an seinem Erstling «Ruch», in dem er seine Theatererfahrungen verarbeitete, daraufhin schrieb er aus aktuellem Anlass, kurz und rasch «Zürich, Anfang September», wo er seine persönlichen, ihn erschütternden Erfahrungen festhielt: Fasziniert vom dadaistischen Ansatz der Jugendunruhen 1980, hatte er damals viel Zeit als Beobachter in den Strassen Zürichs verbracht, war dabei von der Polizei verprügelt, festgenommen und inhaftiert worden und hatte noch in U-Haft mit dem Schreiben begonnen.

 

Leben für die Literatur

Kurze Zeit darauf erhielt er ein Stipendium für ein Werkjahr in Berlin, welchem er gern folgte und gleich noch ein paar Jahre anhängte. Abstand zu Zürich war ihm mehr als recht. So entstand «Flug», sein ihm liebster Text, eine im weitesten Sinn fiktionale Biographie. Er handelt von einem Buben, der fliegen kann – um den Stubentisch im Bauernhaus – und dadurch hier und auch später immer wieder Abstürze, aber auch Höhenflüge erlebt. In «Flug» ist der Kern seines neuesten Buchs «Blooms Schatten» bereits als Schilderung der Leseerfahrung des Fünfzehnjährigen formuliert: «Ulysses» von Joyce in einem Satz zusammengefasst.

Nach «Flug» folgte wiederum eine literarische Reportage, zunächst ein Auftrag des Du-Hefts, dessen Text durch die Eindrücke einer Polenreise ein umfangreiches Buch «Am Boden des Kopfes. Verwirrungen eines Mitteleuropäers in Mitteleuropa» ergab. Ähnlich die Entstehung von «Helldunkel. Ein Bilderbuch», welches aus dem Katalogtext für eine Ausstellung des Fotokünstlers Hans Danuser in Chur entstand und für dessen zentralen Teil «Guai» er den Klagenfurter Ingeborg-Bachmann-Preis bekam.

 

Schreiben ist ihm nicht Beruf, sondern Berufung

Hännys Tageslauf kennt keine Arbeits- oder Freizeiten. Auch wenn er anderes tut – handwerklich arbeitet, im Garten werkt oder sich mit Musik auseinandersetzt (er hört praktisch täglich rund zwei Stunden Musik, oft mit der Partitur in der Hand), Konzerte und Museen besucht, auf seine geliebten Berggipfel steigt oder auf dem Zolliker Balkon liest – stets beschäftigt er sich in Gedanken mit dem Schreiben. Sind dann aber alle Recherchen gemacht, die erste Fassung des Textes im Kopf und im Notizbuch, so verdichtet sich der eigentliche Schreibprozess wie einst im Gefängnis: Dann sitzt er täglich zehn bis vierzehn Stunden am Schreibgerät und lässt sich kaum Zeit zum Essen oder Schlafen. Er feilt an seinen Sätzen, bis aus Sprache Musik geworden ist, verdichtet seine handschriftlichen Notizen am Computer, prüft mit lauter Stimme den Klang und überarbeitet nach Diskussionen mit seinem Lektor oder anderen Personen, denen er seine Texte zeigt, einzelne Formulierungen.

So findet er seine eigene Sprache, ein Hochdeutsch, das er mit dialektalen Einsprengseln bereichert. Seine Lust an der Sprache und sein Wille zur perfekten Form sind dabei grenzenlos. Kein Wunder also, hat er für sein neustes Werk «Blooms Schatten» nun den Schillerpreis der ZKB erhalten. «Doch», sagt er, «oder zumindest eine völlig unerwartete und umso erfreulichere Überraschung!»

Seit der ersten Ulysses-Lektüre mit fünfzehn hat ihn die Idee beschäftigt, diese Dubliner Irrfahrten des Odysseus (engl. Ulysses) Leopold Bloom auf eigene Weise nachzuerzählen, und seiner Überzeugung, Literatur entstehe aus Literatur, dadurch eine neue Form zu geben.

«Immer wieder erzähle ich vom kleinen Hansli, der in die weite Welt zieht, um das Fürchten und Staunen zu lernen», sagt Reto Hänny, «denn genau dies ist Literatur: Jahrtausende alte menschliche Mythen, immer wieder neu zu erzählen und so die menschliche Erfahrungswelt zugänglich zu machen und für die eigene Zeit festzuhalten.»

Als Fünfzehnjähriger hat er das bereits erkannt, aber noch nicht auszudrücken vermocht. Heute kann er es. «Nicht durch mich allein», sagt er, «dank ein paar guten Lehrern, die zu wunderbaren Freunden wurden – und dem Luxus, ohne Existenznot die Zeit in erster Linie der Literatur widmen zu dürfen.» (db)

 

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Donnerstag, 21. Mai 2015

Wie es mit dem Beugi Areal und dem Ortskern weitergehen soll

An der Gemeindeversammlung vom 10. Juni wird über die Zukunft des Zolliker Dorfbildes entschieden: Der Gemeinderat beantragt der Versammlung für die weitere Planung des Beugi Areals einen Kredit von 690'000 Franken. Separat behandelt wird die Entwicklung für den Ortskern, wofür ein Kredit von 260'000 Franken gesprochen werden soll. Im Vorfeld nimmt die Gemeindepräsidentin Katharina Kull-Benz Stellung zum Planungskredit für das Beugi Areal und den Entwicklungsprojekten für den Ortskern.

Das Areal Beugi wird im Baurecht abgegeben und nicht verkauft. Warum?
Katharina Kull-Benz: Der Ortskern ist für das Leben in unserer Gemeinde jetzt und auch in Zukunft von grosser Bedeutung. Die Parzelle an dieser zentralen Lage mitten in Zollikon Dorf soll deshalb weiterhin im Eigentum der Gemeinde bleiben. Mit der Abgabe im Baurecht – mit Vorgaben zur künftigen Nutzung des Areals und weiteren Rahmenbedingungen zur Überbauung – wird sichergestellt, dass die Interessen der Bevölkerung nicht nur kurz- und mittelfristig, sondern auch langfristig gewahrt bleiben.

 

Wenn das Areal Beugi für Zollikon so wichtig ist, warum baut die Gemeinde dann nicht selber?

GP: Die Abgabe im Baurecht heisst nicht, dass die Gemeinde hier keinen Einfluss nehmen will. Ganz im Gegenteil: Die Interessen der Bevölkerung bleiben gewahrt, ohne dass sich die Gemeinde für den Bau unnötig weiter verschulden muss. Ausserdem fallen der Gemeinde während der ganzen Baurechtsdauer keine Kosten für den Unterhalt und die Bewirtschaftung an und sie trägt während der ganzen Baurechtsdauer auch kein Risiko für die Vermietung der Ladenflächen und der Mietwohnungen.

 

Warum können Sie heute nicht klar angeben, wie hoch der Baurechtszins ist, den der Gemeinderat für das Areal Beugi haben will?

Die Frage des Baurechtszinses hat den Gemeinderat lange beschäftigt. Wir mussten schliesslich einsehen, dass sich zum jetzigen Zeitpunkt dazu keine verbindlichen Aussagen machen lassen. Für die Machbarkeitsstudie hat ein auf Immobilienstrategien spezialisiertes Büro aufgrund bestimmter Annahmen verschiedene Szenarien berechnet. Diese Modellrechnungen zeigen, dass das Bauvorhaben ohne Gemeindezuschüsse realisiert werden kann und ein nicht unerheblicher Baurechtszins erwartet werden darf. Welcher Baurechtszins tatsächlich erzielt werden kann, hängt letztlich von den Angeboten der Baurechtsnehmer ab, welche für die Überbauung des Areal Beugi bei der Gemeinde eingehen. Sollten keine Angebote mit einem adäquaten Baurechtszins eingehen, wird der Gemeinderat das Vorhaben stoppen und die Situation muss neu analysiert werden.

 

Warum werden dem Baurechtsnehmer so viele Vorgaben gemacht?

Weil die Parzelle von grosser Bedeutung und ein wichtiger Begegnungsort für das Gemeindeleben ist. Hier entscheidet sich, ob die Bevölkerung auch in naher Zukunft noch im Dorf einkaufen kann oder die Einkaufsmöglichkeiten gänzlich verschwinden. Der Aussenraum soll weiterhin für die Bevölkerung offen stehen, sei es als kurze Wegverbindung oder auch zum Verweilen. An diesem sensiblen Ort – unmittelbar angrenzend an den historischen Ortskern – spielt aber auch die architektonische Qualität eine besondere Rolle. Deshalb wird auch ein Architekturwettbewerb durchgeführt.

 

Warum können die Stimmberechtigten erst dann wieder mitreden, wenn alles fertig ist?

Bei einem derart komplexen Projekt müssen die einzelnen Projektschritte sorgfältig aufeinander abgestimmt sein. Umzonung, Gestaltungsplan und Baurechtsvertrag sind voneinander abhängig und bilden ein Gesamtpaket. Mit dem anspruchsvollen Auswahlverfahren des Baurechtsnehmers sowie dem Architekturwettbewerb wird eine gute Entscheidungsgrundlage für die Stimmberechtigten sichergestellt. Die Umzonungsvorlage und der Gestaltungsplan-Entwurf werden im Mitwirkungsverfahren während 60 Tagen öffentlich aufgelegt. Alle interessierten Personen können während der Auflagefrist die Unterlagen einsehen und sich schriftlich dazu äussern.

 

Warum kann die Bevölkerung nicht zuerst über die Umzonung und den Gestaltungsplan abstimmen, bevor der Baurechtsvertrag erarbeitet wird?

Die beiden Ersteren sind Grundlagen für den Baurechtsvertrag. Der Gemeinderat erstellt als Grundlage für die potentiellen Auswahl des Baurechtsnehmer einen Entwurf des Baurechtsvertrages mit Verweis auf die Umzonungsvorlage und den Gestaltungsplan-Entwurf. erstellt. Gestützt auf das konkrete Projekt des ausgewählten Baurechtsnehmers wird der Gestaltungsplan anschliessend präzisiert. Die Präzisierung fliesst wiederum in den Baurechtsvertrag ein. Deshalb macht eine Trennung der Abstimmung über die Umzonung und den Gestaltungsplan vom Baurechtsvertrag keinen Sinn.

 

Wer soll im Beugi wohnen dürfen oder anders gefragt, wer wird sich dort eine Wohnung leisten können?

Der Gemeinderat ist sich bewusst, dass sich hier die Geister scheiden. Die einen erwarten günstige Wohnungen für Familien und ältere Menschen, andere verlangen einen möglichst hohen Baurechtszins. Der Gemeinderat gibt für die Festsetzung der Mietzinse Eckwerte vor, die beide Maximalvarianten einschränken: Die Gemeinde richtet für die Wohnungen auf dem Areal Beugi keine Subventionen aus und der Baurechtsnehmer darf die Wohnungen nicht im Stockwerkeigentum abgeben. Dies bedeutet, dass es keine wirklich günstigen Wohnungen geben kann, aber auch, dass der Bau von Luxuswohnungen praktisch ausgeschlossen ist. Angestrebt werden 2.5- bis 4.5-Zimmer-Wohnungen auf mittlerem Preisniveau für Haushalte aller Konstellationen und Altersklassen.

 

Wieso werden auf dem Areal Beugi nicht günstige Familienwohnungen gebaut?

Die Überbauung auf dem Areal Beugi soll von der Gemeinde nicht subventioniert, sondern von einem privaten Baurechtsnehmer ohne Gemeindezuschüsse realisiert und bewirtschaftet werden. Dabei sind auch Genossenschaften als Anbieter willkommen. Der Gemeinderat nimmt das Anliegen nach zusätzlichen Familienwohnungen jedoch ernst und sucht nach neuen Ansatzpunkten, nachdem die Stimmberechtigten vor vier Jahren diesbezügliche Vorschläge abgelehnt hatten. Antrag für die Entwicklungsprojekte für den Ortskern schlägt er vor, für das Volieren-Areal eine Machbarkeitsstudie durchzuführen, um das Potential dieser Parzelle abzuklären.

 

Wie kann die Bevölkerung bei den weiteren Projekten im Dorfkern künftig mitreden?

Der Gemeinderat ist sich bewusst, dass die Entwicklung des Ortskerns nicht im stillen Kämmerlein erfolgen kann, sondern die Bevölkerung und auch die Grundeigentümer frühzeitig in den Planungsprozess einbezogen werden müssen, wie dies bis heute auch der Fall war. Die jetzt anstehenden Projekte sind sehr unterschiedlich gelagert. Entsprechend werden auch unterschiedliche Kreise – Gewerbe, Grundeigentümer, Anwohnerinnen und Anwohner, auch Fachleute aus den verschiedensten Disziplinen – einbezogen. Das letzte Wort haben stets die Zollikerinnen und Zolliker an der Gemeindeversammlung oder an der Urne.

 

Das Interview wurde von der Gemeinde verfasst und durch die Redaktion des Zolliker Boten überarbeitet.

 

Die Gemeindeversammlung findet am Mittwoch, 10. Juni, 19.45 Uhr im Gemeindesaal Zollikon statt.

 

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