Neuauslegung des Zolliker Gemeindewappens

Letzten Sonntag ist der Zolliker Kunstpreis der Hintermeister-Gyger-Stiftung zum 27. Mal vergeben worden. Auserkoren wurden dieses Jahr die beiden Schriftsteller Urs Faes und Thomas Meyer. Der Erste erhielt für sein Gesamtwerk den Anerkennungspreis, der Zweite den Aufmunterungspreis für sein Erstlingswerk.

Es war ein gelungenes Ehrenfest letzten Sonntag im Gemeindesaal Zollikon. An die hundert Leute hatten sich eingefunden. Wahrlich mehr, als sich letzte Woche für Thomas Meyer auf seiner Lesereise in Bochum und Leipzig interessiert hatten, wie er fröhlich festhielt, es seien da bei der ersten Lesung acht, bei der zweiten zwanzig gewesen.

Der Kunstpreis, so bestimmt das Legat des Ehepaars Hintermeister-Gyger, wird jährlich abwechslungsweise an Malende, Musizierende oder Schreibende vergeben, welche im Kanton Zürich wohnhaft sein müssen. Der Preis ist zweiteilig: 10'000 Franken gibt es als Anerkennung für bereits bestehendes Schaffen, 5000 Franken als Aufmunterung einen gelungenen Anfang weiterzuführen. Für den Preis kann man sich im Unterschied zu anderen Auszeichnungen nicht bewerben. Der Stiftungsrat, der aus drei Gemeinderäten besteht, wählt auf Grund der Vorschläge der Kulturkommission die Preisträger aus.

Urs Faes, 1947 geboren, wurde für sein heutiges Gesamtwerk geehrt. Zwei Gedichtbände und  zehn Romane hat er bereits veröffentlicht. «Ich bin mehr Schreiber als Redner», sagte er, «ich habe meinen Dank deshalb schriftlich vorformuliert.» Und: «Ich komme gerade aus der monatelangen Einsamkeit des Schreibens und bin berührt über so viel Aufmerksamkeit, so viel Zuspruch.»

«Urs Faes Schreiben», sagte Simone Leis in ihrer Laudatio, «ist eine Suche nach Wahrheit. Er schildert die menschliche Fragilität, sein Schreiben ist immer dringlich, es treibt an und um, dreht sich immer um existenzielle Fragen.»

Chuzpe ist eine besondere Gabe

«Thomas Meyer hat einfach Chuzpe», attestierte ihm Jennifer Khakshouri in ihrer Laudatio, «Chuzpe, das ist eine ganz spezielle Mischung aus Frechheit, Unverschämtheit und Charme.» Thomas Meyer liebe es, Tabus zu brechen. Tatsächlich hatte dies der Schriftsteller mit jüdischen Wurzeln diesen Abend bereits mit einem frechen Spruch bewiesen: In seiner Dankesrede zum Preis hatte er nicht bloss seinen Eltern für ihren Widerstand gegen seine Schriftstellerkarriere gedankt, sondern auch sich persönlich für seinen unerschütterlichen Glauben an sich selbst und ganz besonders der Gemeinde Zollikon, die ihm nicht bloss den Preis zugedacht habe, sondern in weiser Voraussicht auf sein Wirken bereits vor Jahren den Davidstern ins Gemeindewappen aufgenommen hätte. Die Lacher aus dem Publikum waren ihm gewiss – doch einigen Zuhörern verschlug es den Atem. So viel Chuzpe waren sie sich nicht gewohnt. Doch Thomas Meyer unterhielt. Seine Schlagfertigkeit machte Lust auf mehr. Und neben seinem Buch gab es Neues zu entdecken. (db)

Lesen Sie den ausführlichen Bericht im «Zolliker Bote» vom 14. Juni 2013.

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